Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1843)
- Article
- Hamburg : Wochenbericht [Nachricht]
- Date
- 1843-07-25
- Page
- Seite 238 (sequence 2)
- Language
- German
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238 rocko, ein Bruder des sehr gewandten Publicisten Crusenstolpe, eine schwedische Uebersetzung des Koran veröffentlicht hat. — Im Flecken Kreuz in Ungarn fand kürzlich eine furchtbare Feuersbrunst statt. Es brannten wie sich die Zeitungen sehr naiv ausdrücken, 88 israel. und 72 christliche Hauser nebst der mit Zink gedeckten Synagoge nieder. — Ein jüd. Mädchen aus Pesch hat neulich 40,000 fl. in der Esterhazy'schen Lotterie gewonnen. Sie ist Magd, und es soll ihr nicht an Freiern fehlen. — Dem Herzog von Suffex soll ein Denkmal errichtet werden. Hoffentlich werden auch Juden auf dem Festlande reichlich dazu beisteuern. Altona, 14. Juli. Die „Neuen Lüb. Blatter", vom 18. Juni- 1843, enthalten unter der Aufschrift: „Rath- und Bürgerschlüsse'von 1843. Januar bis Mai" eine, vollständige Uebersicht aller in den ersten 5 Monaten d. I. votirten Gesetze, Bewilligungen x. Darunter findet sich unter dem Datum des 13 Mai folgendes: „Der Israelitischen Gemeinde zu Moisling wird die jährliche Mielhezahlnng von 240 M. an die Stadtkaffe für die dortige Synagoge auf fernere 5 Jahre (.1844—1848 incl.) erlassen". Oesterreich. Prag, 27. Juni. (K. Z.) Die Steuerangelegenheit der böhmischen Judenschaft ist kürzlich in Wien entschieden worden.*) Bekanntlich ist den böhmischen Juden — jetzt etwas über 70,000 Seelen zählend, noch von den Zeiten Maria Theresia's her, außer, den Leistungen gleich den übrigen Landesbewohnern, noch die Zahlung einer besonder:: Steuer von 10 Proc. ihres Vermögens auserlegt. Da eine gewissenhafte Zahlung dieser Steuer binnen 10 Jahren das Vermögen der hierzu Verpflichteten um so mehr absorbicen mußte, weil sie außerdem noch dem Adel, auf dessen Gütern sie wohnen, ein obrigkeitliches Schutzgeld zahlen müssen, so ist leicht begreiflich, daß die Meisten dieser Steuer sich zu entziehen wußten, und die Staatsverwaltung kaum die Regiekosten derselben heranbrachte. Vor Jahren schon wurde daher gegen jährliche Entrichtung von 200,000 fl. C.-M. diese Steuer an eine Gesellschaft reicher Juden verpachtet, und dieser dagegen die 10 Proc. Einhebung gestattet. Der Verlauf war vorauszuschenz während die Pächter ein würdiges Seitenstück im Kleinen zu den ehemaligen französischen Finanzpächtern bildeten, suchten die ihnen preisgegebenen Steuerpflichtigen sich dieser Abgabe auf jede mögliche Art zu entziehen. Den Neichen gelang dieses zum Theil dadurch, daß sie mit den Pächtern über eine *) Wir glauben nicht zu irren, wenn wir die Entscheidung der Steuerangelegenheit der böhmischen Juden eines Theils durch die Bestrebungen des thätigen Vorstehers der P. Judenschaft, des Hrn. M. I. Landau, und andern Theils durch die Einwirkung des trefflichen Werkes „die Juden in Oesterreich " hervorgerufen betrachten. Red. bestimmte jährliche Abfindungssumme'sich einigten, die um so bereitwilliger angenommen wird, da den Reichen schwer beizukommen, und so ist es. denn gewissermaßen Uebung geworden, daß hiesige jüdische Fabrikanten, welche notorisch Millionaire sind, höchstens ein Vermögen von 5000 fl. versteuern. Desto eifriger wird aber die ärmere jüdische Bevölkerung zur Erfüllung dieser Steucrpflicht angehalten, und da kein Jude die Bewilligung zum Heirathen oder zum Betriebe eines bürgerlichen Gewerbes erhält, wenn er nicht der Pachtgesellschast für die mehrjährige Versteuerung von wenigstens einigen hundert Gulden-Sicherheit leistet, und dabei durch schriftlichen Eid sich verpflichtet, sein Vermögen der Wahrheit gemäß angegeben zu haben, so ist es leicht begreiflich, daß eine große Anzahl selbst ohne wirkliches Vermögen zur Versteuerung eines solchen gezwungen ist, während sehr viele Andere eine weit unter ihrem wirklichen Vermögen stehende Quote leisten. Bedrückung auf der einen und jährlich tausendmalige Eidesverletzungen auf der andern Seite vereinigen sich daher, um die böhmische Judenschaft durch diese Steuer auf eine höchst beklagenswerthe Weise zu demoralisiren. Die unausbleiblichen Folgen sind in dem Verhalten derselben leider nur allzusehr bemerkbar, und haben zu mehreren Versuchen geführt, die dem Princip nach selbst von der Regierung schon mehrmals ausgesprochene Aufhebung dieser Steuer endlich zu bewirken, bisher aber leider immer ohne Erfolg, weil ungeachtet der Netto-Einnahme von mehr als 160 Millionen Gulden jährlich, und den seit 30 Jahren bei uns regelmäßig wiederkehrenden Staatsanleihen, die Finanzverwaltung doch immer außer Stande war, der Judensteuer von jährlichen 200,000 fl. zu entbehren. Als letztes Auskunftsmittel wurde daher im vorigen Jahre der Antrag gemacht, unter der gesammten böhmischen Judenschaft ein Kapital aufzubringen, dem erwähnten jährlichen Steuerbetrage angemessen, rind solches der Regierung zu übergeben z allein die kürzlich gefaßte Entscheidung lautete ablehnend, weil bei einer eincretenden Besserung der Staatsfinanzen der bereits gefaßte Entschluß ausgeführt, und jene Steuer ohnehin gänzlich aufgehoben werden soll. Bei den erwähnten demoralisirenden Folgen dieser Abgabe ist deren Fortdauer aber um so beklagenswerter, weil die bürgerliche und sittliche Lage der böhmischen Juden gewiß trauriger, ihr Kulturstand viel niedriger ist, als in irgend einem der deutschen Bundesstaaten, und die Rückwirkungen dieses Zustandes auf die allgemeine Volksmoralität und die Nahrungsverhältnisse der übrigen Bürgerklassen in unserm Lande nur allzu sichtbar hervortreten. Nikolsburg, Ans. Juni*). Oeffentliche Blatter (auch die „Vohemia") erwähnten unlängst eines Vereines in einem franz. Departement, dessen Wirken dahin gerichtet ist, die isr. Jugend dem Schacherhandet *) Ost und West Nr. 50. Redakteur: Rudolf Glaser. Das Blatt, besonders für Slavisten unentbehrlich/ erscheint in Prag.