Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1843)
- Article
- Leipzig : Die jüd. Auswanderungen [Nachricht]
- Date
- 1843-07-25
- Page
- Seite 237 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2360092-2360256-2360287--3703-2370030- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
- 237 den Reiz und Zauber der Heimath zu vernichten und das fest umschlingende Band des Familienlebens aufzulösm. Ist es aber nicht Pflicht und Schuldigkeit unserer Reichen und Angesehenen, das ohnedies herbe Loos ihrer armen Glaubensgenossen zu versüßen? Sollten sie nicht einen Theil ihres Ansehens und ihres Reichthums dazu verwenden, um die schwankenden Hoffnungen, in denen die Auswanderer auf ihren mühevollen und beschwerdereichen Wanderungen leben, zu unterstützen und zu befestigen? Wie viele österreichische, baiecische und russisch-polnische Juden waren nicht bereit, die alte Welt mit der neuen zu vertauschen? Und wahrlich! dasselbe Recht, das die Kranken in Jerusalem auf unsere Mildthatigkeit haben, können vielleicht Tausende jedes und alles bürgerlichen Rechts beraubter Juden für sich in Anspruch nehmen. Ein Fond zur Unterstützung jüdischer Auswanderer würde eben solchen, wenn nicht größeren, Segen verbreiten, als die vielen Spenden, welche den Juden Palästinas zukommen. Wir wollen keineswegs gegen die milden Anstalten in Jerusalem protestiren; allein wir sollten doch auch an die vielen armen und gedrückten europäischen Juden denken, die oft jeder Stütze und Hilfe entbehren müssen. — Möge es denn den Reichen und Einsichtsvollen in Israel gefallen, für regelmäßige Auswanderungen durch ihren Reichthum und ihr Ansehen zu wirken! Wir werden stets bereitwillig die Spalten unserer Zeitschrift allen wohlgemeinten und durchdachten Plänen über die Erleichterung und Förderung der Auswanderungen öffnen. Hamburg, 14. Juli. (WB. v. 8—14. Juli.) Wollte ich blos die Quantität der mir aus öffentlichen und Privatquellen wöchentlich zustcömenden Details, nicht aber ihre Qualität, in Anschlag bringen, so könnte ich in Wahrheit behaupten, ich befände mich, zumal seit voriger Woche, in einem embaiTas de rickesses. Glücklicher oder wenn man lieber will unglücklicher Weise sind die Neuigkeiten aus der jüdischen Welt nicht immer von Belang, und das Meiste läßt sich daher in Umrissen genügend wiedergeben; das Bedeutendere aber kann ebenfalls auf einige Hauptquellen - zurückgefühct werden. Dahin gehört gegenwärtig die dem rhempreußischen Landtage vorliegende Emancipationsfrage; dann die jüdische Neusekte in Frankfurt a. M.; endlich die gegen die polnischen Juden neuerdings angeordnete Deportationsmaaßregel. — Ich erlaube mir, diese Punkte in derselben Ordnung, in der ich sie so eben angegeben, naher zu erörtern. — Wie günstig sich der rheinische Landtag bei der Diskussion über das Kommunalgesetz ausgesprochen, wie er alle und jede Exclusson der Juden ans dem Entwürfe ansgemerzt hat, darüber sind Sie bereits unterrichtet worden. Inzwischen wird auch die Hauptfrage entschieden worden sein; doch ist mir das Resultat wegen der langsamen und spaten Publikation der Verhandlungen noch nicht bekannt. Hoffen wir also das Beste! Vertrauen wir darauf, daß trotz aller Gegenwirkungen der wahre Stand der öffentlichen Meinung sich enthüllen wird. — In Berlin soll eine Adresse an die in Düsseldorf versammelten Stände abgefaßt und mit zahlreichen, achtbaren Unterschriften bedeckt worden sein, in welcher dem Landtage wegen seiner Entscheidung in Betreff des Kommunalgesetzes der wärmste Dank abgestattet wird. Man scheint sogar eine Deputation nach Düsseldorf abgehen lassen zu wollen und, wie es heißt, liegt die Sache den Vorstehern der Gemeinde vor. — Die Köln. Zeit, theilt in ihrer Nummer vom 6. Juli den Passus mit, der in den „40 Büchern vom Staate des berühmten, kürzlich verstorbenen Heidelberger Professors Zacharia von Lingenthal vorkommt. Ec stellt die an eine jüdische Nationalität glaubenden Stimmen den dieselbe leugnenden gegenüber und meint, nur durch die Emancipition sei die Entnationalisirung, wenn anders wir solche überhaupt-noch von nöthen, möglich und gewiß. — Die Creizenach'sche Gesellschaft wird nun wieder von einigen Seiten als nicht existirend dargestellt. Creizenach habe mit noch ein Paar andern aufgeklärten Juden über die Zukunft des Judenthums korrespondirt; dies sei vorzeitig und vorlaut ins Publikum gebracht worden. So meldet die Deutsche Allg. Zeit, und die Karlsruher Zeitung, während die erstere einen Tag früher von der Nothwendigkeit der Kindertaufe, dem Sträuben gegen den Ueberteitt und den Gründen desselben, so wie von der Angemessenheit gemischter Ehen geredet, Dr. Creizenach als ein wahres Geniewunder gepriesen, die neue Sekte als Juden-Christen bezeichnet und allerlei dummes Zeug aus aller Herren Landern (Frankreich rc.) zusammengeholt worden war. — Der kaiserlich-russische Mas wurde von der D. A. Z. als unwahrscheinlich dargestellt; jetzt aber liest man in der Königsb- Zeitung, daß er in der „Senats-Zeitung stehe. Allgemein halt man den Schmuggel und die Desertion für die Gründe dieses harten Verfahrens; vielleicht müssen auch hier Tausende,von Unschuldigen für 2—3 Schuldige büßen. — Die D» A. Z. meint, der Ukas solle blos fremden Juden, die an der Grenze lebten, gelten. — Von neuerschienen literar. Werken erwähne ich: „Jehovah, nicht Moloch, war der Gott der alten Hebräer (Erwiderung aus Ghillany's Werk), von M. Löwengard, Rabbiner. 5 Sgr. (Berlin bei Schultze). Auch Bruno Bauer hat sich von Neuem vernehmen lassen. Es ist dies in dem Buche: Einundzwanzig Bogen aus der Schweiz v. Herwegh, das statt der Fortsetzung des , deutschen Boten aus der Schweiz" bandweise erscheint (Zürich uvd Winterthur, lit. Comptoir 1843), geschehen. Dort steht nämlich u. A. ein Aussatz: „Die Fähigkeit der heutigen Juden und Christen, frei zu werden"; von Bruno Bauer. Möge uns Herr H. Jellinek bald auch darüber eine tüchtige Kritik liefern. — Entfernter liegt es uns, daß der schwedische Konsulatssekretär Crusenstolpe inMa-