Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1843)
- Article
- Vom Main: Die Juden und die Freimaurerlogen
- Date
- 1843-07-25
- Page
- Seite 236 (sequence 2)
- Language
- German
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236 darf nicht einmal gesagt werden, Haß die preußische Frekmaurrrel auf christliche Tendenzen basirt sei, denn die Grundlagen und Vorschriften des Bundes sind aller Orten dieselben, sondern man kann höchstens sagen, daß in Preußen dem Freimaurerbunde christliche Tendenzen „in den Mund gelegt worden seien". Man lasse uns aber die betreffende Stelle etwas näher betrachten. Dieselbe lautet: „Was aber den Freimaurerorden betrifft, so ist nicht wegzuläugnen, daß dieser Orden auf christliche Tendenzen basirt ist, und wenn dies auch nur eine Ansicht wäre oder eine Seite, von der man an Der Spitze des Ordens ihn auffaßte, so wäre das doch Grund -genug, den Juden die Zulassung zu verweigern." Wenn ich sage, es sei etwas nicht hinwegzuläugnen, so ist billig vorauszusetzen, daß ich von einem Axiom rede, was nach dem oben Gesagten die vermeintlich'., christliche Grundlage des Freimaurerbundes nicht ist. Oder es deutet eine solche Aeußerung wenigstens auf eine starke, fest begründete, tief wurzelnde Ueberzeugung, in deren unmittelbarer Nähe sich eine Aeußerung des Zweifels, wie solche in den Worten liegt: „und wenn dies auch nur eine Ansicht wäre" re., gar drollig ausnimmt. In diesen Worten zumal ist das Irrige der fraglichen Ansicht indirekt beinahe zugegeben. Im Ganzen genommen dürfte man, wenn man in obigem Vordersätze statt wegläugnen „durchführen" setzte, sodaß es hieße: „Es ist nicht durchzuführen, daß der Orden auf christliche Tendenzen basirt sei",, der Wahrheit viel näher kommen. Wie verhält es sich aber mit dem Nachsatze: „Wenn es auch nur eine Ansicht wäre oder eine Seite, von der man an der Spitze des Ordens ihn auffaßt, so wäre das Grund genug, den Juden die Zulassung zu verweigern"? Keineswegs; denn das hieße den Knoten zerhauen, anstatt ihn zu lösen, und ist dies auch sehr bequem, so ist es doch nichts minder als gerecht. Wenn die vermeintlich christliche Tendenz des Bundes nur eine Ansicht ist oder, eine Seite, von der man ihn auffaßt, so wäre dies nicht etwa ein Grund, und vollends ein hinreichender Grund, den Juden die Zulassung zu verweigern, sondern es wäre vielmehr eine Aufforderung, jene irrige Ansicht, jene einseitige Auffassung mit allen-Waffen der Vernunft und der Wahrheit, mit allem Ernst einer bessern Ueberzeugung zu bekämpfen, in je höhern Regionen sie sich geltend machte, desto nachdrücklicher sie zu bekämpfen. Wenn schließlich den Bekennern des mosaischen Glaubens der Rath ertheilt wird, noch anderweitig Logen zu bilden, so hätte der geehrte Einsender billig zugleich die deutsche Mutterloge namhaft machen sollen, welche bereit wäre, die neu zu bildenden Logen als ihre Töchter anzuerkenuen. Denn zur Bildung eines Vereins aufzufodern, ohne ihm zugleich die Zusicherung geben zu können, daß in dem großen Familienkreise der deutschen Logen eine Stelle für ihn offen sei, ohne ihm zugleich eine Mutter zu geben, welche ihre schützenden Arme über ihn breite; ja, mit der Voraussicht, ihn im gegebenen Falle zu verläugnen, ihn als ein dem deutschen Gesammtkorper fremdes, ihn wohl gar störendes Element zu erklären und ihn allen Mislichkeiten einer isolirten Stellung prieszugeben: ein solcher Rath wäre wohl klug, wenigstens leicht, zu ertheilen, aber schwer, wenigstens unklug, zu befolgen. Hamburg, 11. Juli. Die Einweihung des Heineschen Hospitals in St. Pauli, auf welchem schon die Inschrift angebracht ist, wird dem Vernehmen nach gegen Ende dieses Monats stattfinden. Für die damit verbundene Synagoge sollen von Außen her schöne Geschenke angelangt sein. — Nicht 40, sondern 14 Bewerber hatten die beiden vakanten Stellen an der isr. Freischule gefunden. Die Wahl fiel auf die Herren Mordtmann, früher Mmedakteur der H. N. 3., einen humanen, in orientalischen und neuern Sprachen wohlbewanderten Mann, und auf den Schullehrer Herrn Roeloss. — Der abgetretene Lehier, wie dieser ein Christ, Herr Kohlmeyer, schied geachtet und geliebt von seinen Schülern, die er sieben Jahre hindurch mit Eifer und Erfolg unterrichtet hatte. Ihre Anhänglichkeit bewiesen sie ihm bei seinem Abschiede durch ein niedliches Geschenk. Er selbst äußerte oft, unter dieser armen jüdischen Jugend überwiegend viele helle Köpfe und unverdorbene Herzen gefunden zu haben. ,— Die neulich von Hcn. Dr. Frankfurter konsirmirten Kinder gehörten 4, nicht 5 verschiedenen Familien an. — Ein trefflicher Arzt in Altona, Herr Dr. Alexander, -klassisch gebildet, medicin. Schriftsteller, außerdem Dichter und Förderer der ausgezeichneten Attonaer Liedertafel, ist zum auswärtigen Mitglieds der soeiele des Sciences medic&Ies et nalurelles in Brüssel ernannt worden. Er prakticirte früher in Brake im Oldenburg'schen, und genießt auch jetzt noch die besondere Gunst des Großherzogs von Oldenburg. Leipzig, 18. Juli. Wir haben bereits in der vorletzten Nummer des Or. die Durchreise einiger jüdischbaierischer Auswanderer gemeldet, glauben aber, heute noch ein Mal darauf zurückkommen zu müssen, indem eine feste Organisasion der Auswanderungen in das Reich der Freiheit und der Gleichheit des Rechts nähere Beachtung von Seiten unserer Leser verdient. — Es ist ein rührender Anblick, auch nur eine kleine Schaar Auswanderer zu sehen. Durch die Macht der Verhältnisse genöthigt, den geliebten heimathlichen Boden, das Land der süßen Kindheit und der hold-träumerischen Jugend zu verlassen, gehen sie einem ungewissen Schicksale entgen, ziehen sie in eine neue Welt ein, die wohl jeden Fremden gastfreundlich ausnimmt, dann aber verlassen- undeinsam dastehen läßt. Und doch vermehren sich die jüdischen Auswanderungen mit jedem Tagei Ein Beweis, daß selbst die ungewisse Aussicht aus ein besseres Loos, auf eine würdigere Stellung in der Gesellschaft für die Auswanderer heiter und mächtig genug ist, ihren Blick von dem geliebten Vaterlande, das sie aber als seine Kinder nicht anerkennen will, abzulenken,