Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 29 (18.7.1843)
- Article
- Jakob Trigland's Abhandlung über die Sekte der Karäer
- Date
- 1843-07-18
- Page
- Spalte 461-462 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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461 Z. Tngland's Abhandlung über die Sekte der Karäer. 462 haben sich, wie wir gesehen haben, schon früher talmudischen Traditionen entgegengesteUt, und daß der Talmud älter ist, als behauptet wird, haben schon Andere dargethan. Höre er hierüber den gelehrten Julius Barrolocci, der seiner eigenen Konfession angehört (Biblioth. magna tom. i. pag. 488.). „Obgleich aber Rav Asche, sagt dieser, 74 Jahr geworden war, so konnte er doch dieses talmudische Werk nicht vollenden; er hinterließ es aber in einer solchen Verfassung, daß Maremar und Bar Nab Asche, sein Sohn mit ihren Anhängern es leicht vollenden konnten. Geschlossen wurde es aber nicht vor dem Jahre der Welt 4265, od. 505 n. Chr. nach R. A. 33. D., oder nach R. David Gans im Jahre der Welt 4260, n. Chr. 500." „Aber," sagt Morin, „Anan und Saul widersetzten sich um 740 oder 750 den Talmudisten, und zu dieser Zeit entstand die berühmte Häresie der Karaiten." Da diese Meinung auch Richard Simon zu der seinigen macht und einen Juden Anan aus der Familie Davids für den Urheber einer neuen Sekte ausgibt: so kann ich mich nicht genug wundern, daß der Mann, welcher nicht nur die Rabbinen, sondern auch die Karäer gelesen haben will, dies so ohne allen Umschweif aufstellt, als wenn nirgends ein Zweifelsgrund obwaltete; da es sich doch eben darum handelt, ob Anan und sein Sohn Saul die Stifter der Häresie der Karaiten sind. Sie selbst können dies nicht gesagt haben, denn sie halten ihn blos für einen Erneuerer und Verth eidig er des alten Dogma. Das Buch Chilluk stellt die Lehre Anans mit der Lehre der mtUNU Ezech. 9, 5. zusammen. R. Jafet den Zahir sagt, nach Fertigung eines Verzeichnisses von den Lehrern der Karäer seit den Propheten, als er zu Anan kommt: btt nDNil m TP3 m/N Mim 'ui nnnn mwa rrvm lobyn nriN mw Dyn. Ja, selbst die gelehrtesten Rabbinen nennen ihn nicht Erfinder, sondern Wiederherstcller. Unter ihnen der große Geschichtskenncr R. Abraham Ha-Lewi Ben Daud, als er auf den Tod des R. Jehuda (im Jahre 4543) gekommen ist, sagt er: bbnun m monb .... us bw^ py mn UQOl jodd jpT rwyx.Dwrun w moan nbnp byD TDym ' ühbd mm miODi^n hx yira röob m by Mbm pinn tin Nb rnpn nbo >\m? D'-robn ♦Dptm py noyw ny nwn Es ist durchaus kein Zweifel daran möglich, daß unter QUm hier die Karäerverstanden werden, einmal, weil ihr Lehrer Anan genannt wird, dann aber weil R. Abraham in seiner Kabbala sie häufig mit jenem Namen bezeichnet, endlich weil R^ Sche'mUel Schullam sie hier ausdrücklich gelesen oder wenigstens verstanden hat. Er sagt nämlich: *1DD3 mrD in no jdtd vn c>'->V \n m pjn i'vn,i rfap N'I '2 by nidd jpr rü'DD1? D’DiBn p impD tP DWpn nJ'DN ptffl p, Diese Bücher nebst den Kap. 3. angeführten rühren von den ausgezeichnetsten Chronologen der Rabbaniten her; wir wollen erwarten, was für bewährte Rabbinen Simon für seine Behauptung uns entgegenhalten wird. Eben so wenig ist, wie ich glaube, auf das zweite Argument von Simon zn geben, worin er den späten Ursprung der Karäer daraus nachzuweisen sucht, daß sie die Punkte und Accente annehmen, welche eine Erfindung der Lehrer in Liberias seien. Er behauptet daher, daß, als die Karäer von den Rabbaniten sich sonderten, die Masora schon ihr Ansehn erlangt habe; weshalb sie von jenen nicht verworfen wurde, da sie dieselben nicht zu den schlecht begründeten Traditionen rechneten. Hier stellt der gelehrte Mann zur Befestigung seiner Meinung einmal etwas Zweifelhaftes, dann etwas Falsches auf. Zweifelhaft ist, ob die Lehrer in Liberias die ersten Erfinder der Punkte sind. Man könnte eben so gut für Simons Schluß : die Karäer sind neu, weil sie die Punkte annehmen, den setzen: die Punkte sind neu, weil die Karäer sie annehmen, die viel älter sind, als die Liberianischen Masoreten. Dann ist es falsch, daß die Karäer überall der Punktation der Liberienser folgten. Mit einem einleuchtenden Beispiel wollen wir dies hernach, wenn von dem Exemplar der Schrift, das sie gebrauchen,.die Rede sein wird, beweisen. Daß sie schon vor der Herrschaft der genannten Masora sich getrennt hatten, ergiebt sich daraus, daß sie das Fest der Tempelweihe nicht feiern, das' doch schon zur Zeit der Mäccabäer eingeführt worden ist. R. Aaron sagt in Bezug darauf in dem Manuskripte: T1D : DUrin nnDlNltf TOUnn pN owru pin miio v>n ibw nma tfmp Nb v daß aber, Weniges ausgenommen, die Karäer in der Punktarion mit den Rabbaniten Übereinkommen, hat den Grund, daß der Ton, welchen jene Punkte bezeichnen, ihnen mit dem Genius und dem Sprachgebcauche des Hebräischen übereinzustimmen scheint, und er auch mit ihren Codicibus zusammentrifft; nicht) wie Simon will, daß die Punkte eine nicht übel begründete Tradition seien. Es müßte denn Jemand die Kunst zu lesen, bei jedem Volke eine mündliche Tradition nennen wollen. Die Rabbinen nennen zwar selbst einige Punkte rpbn (Tradition); aber dies thun sie einmal ihrer Gewohnheit gemäß, nach welcher sie jede Erfindung, der sie Autorität verschalen wollen, von Moses oder den Propheten ableiten, dann aber, um nach Vorgang des Buches Kusari, ein auch für die Karäer gültiges Argument für. die Nothwendigkeit der Traditionen zu haben. Wäre aber die Punktation nur ein kleiner Lheil des mündlichen Gesetzes, so hätte der sorgfältige Sammler desselben, R. Juda Ha-Kadofch, nicht ein so tiefes Stillschweigen über sie beobachten dürfen. Ferner tagt Jbn-Esra: qtoq w\ p'DSDH nN D^yüD Sicher hätte mein so nicht verfahren, wenn man die Punkte für eine Tradition des Moses vom Sinai her gehalten hätte. Endlich wenn der Gelehrte die PunktaLion eine nicht übel begründete Tradition in der Meinung der Karäer nennt, so möchte ich wissen, was für ein Grund der sein sollte, aus welchen gestützt die Karäer diese Tradition annehmen. Etwa eine neue Lradtion oder diese selbst? Es bleibt also dabei, daß sie die Tradition angenommen haben, entweder weil sie wußten, daß sie schon zur Zeit wenigstens der letzten Propheten in Gebrauch gewesen sei, oder