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Der Orient · 1843-07-18 · Heft 29 (18.7.1843) · p. Seite 230

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 29 (18.7.1843)
Article
Breslau: Schluß des Berichtes über das Wirken des jüd. Lehr- und Lesevereins
Date
1843-07-18
Page
Seite 230 (sequence 2)
Language
German
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230 bis zum Ende des Sommersemesters zu lesen, und wir freuen uns, auch hier die rege Teilnahme der Betreffenden bezeugen zu tonnen. Doch entging es uns nicht, daß hier bloß ein sehr dürftiges Bruchstück geleistet werde, und auf einem andern Gebiete ein weit reicheres ünd ergiebigeres Feld zur Bearbei-' Lung vorliege. Nach den gegenwärtigen Zuständen sind diejenigen jungen Leute, welche sich in Schlesien und Posen der jüdischen Theologie befleißigen, und zu ihrer namentlich allgemein wissenschaftlichen Ausbildung sich zahlreich hier einfinden, meistens talmudisch, wenigstens nach altem Sinne, ziemlich gut vorbereitet; allein es fehlen ihnen in den Gegenständen allgemeiner und gelehrter Bildung oft noch die Elemente, jedenfalls doch die Kenntnisse, welche sie zum Besuche einer ihrem Alter und ihrem regen Eifer angemessenen höhern Gymnasialklasse befähigten. Sie sind daher genöthigt, durch Privatunterricht diese sich anzueignen, und bei dem angestrengten Fleiße, welcher an diesen Männern rühmlich auzu- .erkennen ist und den meistens guten Fähigkeiten derselben, erlangen sie allerdings in verhältnißmäßig kurzer Zeit die ihrem Zwecke entsprechende Reife. Allein es zeigen sich bei diesen, ganz dem Privatbelieben eines jungen unerfahrenen Mannes hingegebenen, wenn auch vielleicht unter der Aufsicht eines einzelnen vielbeschäftigten Mannes stehenden Studien wesentliche Mängel, welche eben so durch den Mangel an einem sorgfältig überwachten organischen Unterrichtsplane, wie durch das ganz natürliche einseitge Hinsteuern auf das vorschwebende Ziel, also durch das bloße Berücksichtigen derjenigen Lehrgegenstände, von welchen die Aufnahme in die Gymnasialklasse bedingt wird, erzeugt werden; dazu tritt aber noch der traurige Umstand, daß ohnedies solche junge Leute meist mit der Befriedigung der nothwendigsten Lebensbedürfnisse einen harten Kampf zu bestehen haben, und nun noch in die Lage versetzt sind, entweder die Mittel für einen kostspieligen Privatunterricht aufzutreiben, oder mühsam die Männer zu erspähen, welche ihnen durch unentgeldlichen Unterricht zu ihrem Ziele verhelfen. Diesem Uebelstande glaubten wir abhelfen zu müssen und zu können. Es iss daher die Einrichtung vorbereitet und fast bis zu einem gedeihlichen Ende geführt, wonach im Lokale des Lesevereins ein ineinander greifender Unterricht für solche Jünger des Studiums organisirt wird, der sie etwa bis zum Besuche der Secunda eines Gymnasiums vorbereite. Wir freuen uns, vorläufig ^diese allgemeine Nachricht geben zu können, .uns für den nächsten Jahresbericht die umständlichen Mittheilungen vorbehalcend, und es wird uns dann zu besonderem Vergnügen gereichen, unfern Dark den wohlwollenden Förderern dieses nützlichen Planes entrichten und die Erfolge desselben angcben zu können. — Dabei werden wir jedoch wo möglich nicht unterlassen, auch in diesem Sommersemester der. höhern Wissenschaft angehörige Vorlesungen zu veranstalten. Indem das Komito freudig auf die Wirksamkeit des verflossenen Jahres zurückblickt, das Bewußtsein eines redlichen Strebens sich nicht versagen zu müssen glaubt, und der Theilnahme. des Publikums seinen Dank zu zollen sich getrieben fühlt, hat es noch daß Bedauern auszusprechen, daß mit dem Beginn, d. I. 1843 Hr. Dr. Freund, durch vielfache Beschäftigungen veranlaßt, ausschied. Es'hat jedoch an Herrn B. Gins berg , welcher an.dessen Stelle statutenmäßig gewählt wurde, eine treffliche Acquisition gemacht. Daß wir ferner in unserm Wirken des Wohlwollens und kräftiger Unterstützung unserer geehrten Mitglieder uns erfreuen mögen, dnß unsere Mittel verstärkt werden, die Teilnahme an dem Institute immer wachse, das ist unstre Hoffnung, die wir mit Zuversicht zum Schluffe des Berichts aussprechen. Wahrhaft religiöse Bildung, das Verständnis; der Zeit und der sie bewegenden Ideen ist die einzige wahrhafte Geisteszierde, der wir nachzustreben haben; die Wirksamkeit dahin, daß immer mehr Männer unter uns erstehen, welche mit lebendigem Erfassen der Wissenschaft die'Grundsäulen des Indenthums in ihrer erhabenen schmucklosen Pracht zu befestigen wissen, ist ein ehrenvolles Streben, des Aufgebots der Kräfte und der Mittel werth". Schwerin, Ende Mai. (Fortsetzung.) Insofern die in den meisten Gemeinden faktisch sich kundgebende Sorgfalt für die Verbesserung der religiösen Erziehung der Jugend überall von einem religiösen Sinn im Allgemeinen zeugt, wie auch die zu diesem Behufe ins Leben gerufenen Institute, in pekuniärer Hinsicht nur auf äußerst lokerem Grunde ruhend, nur von dem im Zunehmen begriffenen religiösen Sinne der Gemeinden getragen werden, so läßt sich aus den einzelnen vorliegenden Daten allerdings ein günstiger Schluß auf den religiösen Zustand der in diesem Jahre von mir besuchten Gemeinden im Allgemeinen machen. Denn auch den in dieser Beziehung zurückstehenden Gemeinden fehlt es mehr an äußern Mitteln als an religiösem Triebe, ihren innern religiösen Zuständen durch die Anstellung eines zeitgemäß gMdetern Subjekts aufzuhelfen. Inwiefern der religiöse Sinn noch außerdem, abgesehen von dem Streben nach zu verbesserndem Religionsunterricht der Jugend, sich äußert, wäre nur durch die Betrachtung des kirchlichen und moralischen Zustandes der Gemeinden am Sichersten zu ermitteln, daher ich zum untertänigsten Bericht über denselben übergehe. 11. Kirchlicher Zustand. Die Verbesserung des israelitisch kirchlichen Zustandes bedingt: a) Predigt; d) Gesang und c) Ordnung und Ruhe während des öffentlichen Gottesdienstes. Predigt und Gesang, die zwei mächtigsten Hebel der Andacht, setzen zu ihrer heilsamen Wirksamkeit zwar Ruhe und Ordnung voraus, wirken aber auch auf dieselbe vortheilhaft ein. So zeigt sich in den vier größerm Gemeinden, in welchen die Predigt in den öffentlichen Gottesdienst eingeführt ist, eine unvergleichlich größere Ruhe und Ordnung während desselben als da, wo sie noch vermißt wird. Sind die Besucher des Gottesdienstes nothwendig veranlaßt, sich während der Predigt ruhig und ordnungsmäßig zu verhalten, so bleiben die Nachwirkungen auch auf den übrigen

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