Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1843)
- Article
- Hamburg : Wochenbericht [Nachricht]
- Date
- 1843-07-18
- Page
- Seite 229 (sequence 2)
- Language
- German
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— 229 - mit dem Messias verglichen werden; wenn aber das deutsche Vaterland in specie bei* Messias der deutschen Juden werden soll, so ist Frankreich der Messias für die französischen, England der für die englischen Juden cc. und die Zahl der Messiasse hangt dann nur noch von der Zahl der politischen Territorien ob. Uns scheint eine solche fixe Idee nicht blos barock, sondern sogar profanirend zu sein. — Indessen sind wir weit davon entfernt, die Juden von einer unerschütterlichen Hingebung an ihr Vaterland abzumahnen; wir rachen vielmehr dringend dazu, ja wir beschwören unsere Glaubensgenossen, den Geist echter, treuer Vaterlandsliebe in sich und ihren Kindern stets zu nähren und zu wahren, lanäem bona causa triumphal. Ja, die gute Sache siegt und sie siegt um so ehrenvoller, um so glanzender, je größere Hindernisse und Schwierigkeiten sich ihr ent- Zegenthürmen. Sie siegt selbst da, wo die freien,Formen des Staatslebens noch nicht durchgedcungen sind. So hat der Berliner Magistrat auf geschehene Reklamation zu Gunsten der Verleihung armenärztlicher Praxis an Juden entschieden. — Die Gemeindevorsteher haben jüngst den städtischen Behörden für die von ihnen aus freien Stücken als Beisteuer zum Altenhospttale bewilligten 2000 Thlr. in den Zeitungen öffentlich ihren Dank abgestattet und diese Schenkung als einem Beweis der bürgerlichen Harmonie und Eintracht den Gemeinde- Mitgliedern notificirt. — Der von Hm. von Rothschild in Frankfurt a. M. beschlossene Bau soll noch umfangreicher werden, als anfänglich in den Zeitungen verlautete, da auch eine Rabbinerwohnung und ein Frauenbad damit verbunden werden soll. — Der jüdische Arzt, Dr. Wilh. Turteltaub zu Rzeszow in Galizien (einer 1842 großencheils eingeäscherten Stadt) hat die österr. kleine Civil-Ehrenmedaille mit dem Bande erhalten. — Ein auch in weiteren Kreisen bekannter Gelehrter, einer durch wissenschaftliche Leistungen berühmten jüdischen Familie des Kaiserstaates angehörig, Dr. phil. Ignaz I e i n el e s, starb am 19. Juni, 60 Jahre alt, in Wien. Geboren den 13 Sepr. 1783 zu Prag, studirte er Jura, wurde dann Associe eines Wiener Großhandlungshauses und wandte sich später abermals literar. Beschäftigung zu. Sein „ästhetisches Lexikon" (Wien 1835) verschaffte ihm großen Ruf. Er war Mitarbeiter an der Wiener Theaterzeirung und unternahm 1842 eine wissenschaftliche Reise durch Italien, wo ec besonders Mailand, Florenz, Rom, Genua und Neapel besuchte. Bei der Ausarbeitung seiner Reiseskizzen überraschte ihn der Tod, doch ist diese „italienische Reifte so weit vollendet, daß sie einer frühem Uebereinkunft zwischen dem Verfasser und dem Verleger gemäß, bei Cotta (in 2 Banden) wird erscheinen können. — Von dem bekannten (Übersetzer -orientalischer Werke, M. E. Stern in Wien, sind „Dichtungsblüthen, gesammelt aus der Mappe jugendlicher Erstlingsversuche" (gedruckt bei Schmid in Wien) erschienen; auch ein Festgedicht an Rothschild findet sich darunter. — Herr Dr. Kirsch bäum hat sich die, wie es scheint, sehr undankbare Mühe gegeben, seine schon bei .Fritzsche in Leipzig einzeln verlegte Aufsatze noch einmal gesammelt unter dem Titel: Aufsätze „im Gebiete der Religion und des socialen Lebens" in Zürich und.Winterthur (1843, im lit. Comptoir) herauszugeben. Auch hier begegnen wir wieder dem jüdischen Alexandrinismus und „den jüd.-griech. Originalen, Philo nnd Sirach".— Neu scheinen die Excurse zu sein; so viel ich bis jetzt gesehen, werden besonders die Herrn Drn. Zunz und Jost und Dr. Großmann, wenn ich nicht irre, sein Recensent im Orient angegriffen; auch gegen H. Dr. Delitzsch wird losgezogen. — Daß Hr. Prediger Sommerfeld sein „Sabbatblatt" von ullima Thule, Elbing nach Leipzig verlegt und daselbst einen Mitredakteur gewonnen hat, ist im Interesse dieser Wochenschrift selbst als ein erfreuliches Faktum zn bezeichnen, da Leipzig für alle Schriften zur Verbreitung der Kenntniß jüdischen Wesens und Wissens vorzugsweise geeignet ist. — Nachstdem sehen wir begierig dem Erscheinen des ersten Heftes von Dr. Wilh. Freunds „Zur Judenfrage in Preußen" (Berlin bei Veit u. Comp.) entgegen. — Da wir annehmen dürfen, daß solche Flugschriften auch beim christlichen Publikum mehr Anklang und Beachtung finden werden, so erlauben wir uns,-an. Hrn Dr. Freund die Bitte zu richten, er möge seine Hefte zu einem Repertorium aller in sein Thema einschlagenden Materien machen und namentlich z. B. die Aufsatze d. H. Jellin e k über B. Bauers Abhandlung aus dem „Orient" in seine Sammlung mit herübernehmen, dann aber auch auswärtige Freunde der Emancipation,.christliche und jüdische, durch Beiträge sich an seinem Unternehmen betheiligen lassen. — Unsere geringen Kräfte stellen wir ihm zur Beförderung seiner Bemühungen gern zur Disposition. — Breslau, Ende Mai. (Schluß.) . Allein sollte durch Vorträge nicht blos dem größeren Publikum die literarische Bewegung der Zeit verständlich nnd zugänglich gemacht werden, solltenffie vielmehr auch für Studirende im jüdischen Gebiete förderlich sein, so mußten auch eigentliche Vorlesungen gehalten werden. Wir erkannten hier allerdings, daß aus den schwachen Mitteln eines Vereins, der keine Lehrer zu solchem Zwecke besolden und anstellen kann/ nur Dürftiges geleistet werden könne; wir wollten jedoch nicht unterlassen, unfern guten Willen zu beweisen und auch nach dieser Richtung hin unser Scherfleinbeizutragen. Nachdem wir nun am 2. Juli v. I. den Mitgliedern in einer Versammlung von diesem Entschlüsse Kenntniß gaben, begann alsbald auch'Herr Dr. Freund über Cicero de fato, Rad. Dr. Geiger, linguistische (sprachliche) Einleitung in die Mischna, Herr Dr. Levy den vorbereitenden Theit zur Einleitung in die Bibel, jeder in zwei wöchentlichen Stunden,