Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1843)
- Article
- Posen : Gründe f. die Hervorrufung d. Ukases ... [Nachricht]
- Date
- 1843-07-11
- Page
- Seite 218 (sequence 2)
- Language
- German
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- 218 - cher leben, schlechterdings unausführbar sein. .'Diese tn die persönlichen Rechte so tief eingreifende Maßregel des russischen Gouvernements läßt sich nur dadurch motiviren, daß es der Wille der Regierung ist, dem demoralisi'renden Schmuggelhandel zunächst um jeden Preis ein Ende zu machen und dann erst anderweitige Handelsverbindungen mit den Nachbarvölkern anzuknüpfen'); auch will man wissen, daß vorzugsweise die. Juden mittels ihrer angeborenen Verschmitztheit zahlreiche Desertionen möglich gemacht-haben d). .— Kaltfch, 29. Juni. Der vom 2. d. M. datirte, ihren Lesern gewiß schon bekannte Ukas, den wir hier aber nur von Hörensagen kennen, ist noch nicht veröffentlicht worden. Aber, so viel ich jetzt vernehme, sind die Behörden angewiesen, vor und nach dessen Veröffentlichung keine darauf sich beziehende Petition an den Kaiser anzunehmen. Die Juden Polens sollen keine Ausnahme machen; man will auch mit ihnen radikal verfahren. Man giebt sich jedoch der Hoffnung hin, daß diese Maaßregel nur bei den Juden auf dem platten Lande in Ausführung gebracht werden wird. Nächstens ein Mehres. Deutschland. /Hamburg, 26. Juni. Meiner Zusage gemäß, komme ich auf die am 18. Juni im neuem israel. Tempel stattgefundene Konfirmation und die Tags vorher gehaltene Vorprüfung heute ausführlicher zurück. — 3) Das ist auch das Einzige, womit man von Seiten der Regierung dieses Gesetz entschuldigt, aber es gehört wahrlich nur ein achttägiges Bereisen der Grenze dazu, um sich zu überzeugen, daß 1) diese Thatsache eine Unwahrheit ist. Die Juden haben nie an den Grenzen selbst geschmuggelt, sondern wenn überhaupt, durch Christen alle Defraudation veranstaltet, und zwar nicht die Juden an der Grenze, sondern die in den sogenannten innern Gouvernements. Und zu derartigen Defraudationen kann natürlich die unrechtliche und grausame Wegweisung von der Grenze nichts helfen, da sie von der Ferne her immer veranstaltet wird. 2) Durfte wohl Rußland, das Polen und jetzt die Donauländer zu besiegen wußte, mehr auf seine Grenzsoldaten vertrauen, und wenn trotz der strengsten Disciplin derselben, trotz der Entfernung der Kosaken und trotz der häufigsten und strengsten Revisionen diese Sperre nichts geholfen und der Schmuggel nach wie vor stattfindet, so hätte es zu der Ueberzeugung kommen müssen, daß das ganze bis jetzt befolgte Handelssystem ein nichtiges sei. 3) Sollte eine Regierung nie zu Eingriffen in die Rechte ihrer Unterthanen sich entschließen, selbst wenn sie dadurch ckanche Vortheile erlangt. Red. ' 4) Diesen Satz des Korresp. müssen wir so lange als Verläumdung ansehen, bis es ihm gefallen wird, denselben durch Fakta zu erhärten. Juden und Christen beherrscht der gleiche Gedanke, wenn es nur irgendwie möglich ist, sich hinüber nach Preußen zu flüchten, und beide haben'ein Interesse, sich gegenseitig die Emigration zu erleichtern. Red. Wir haben es hier mit einer religiösen Feier zu thun, die in Hamburg nicht wie in Dänemark und anderwärts eine obligatorische ist, die vielmehr zuweilen Jahrelang ausfallen und auch dann nur vielleicht einer kleinen Anzahl von Kindern die Weihe ertheilen kann- Unter diesem Gesichtspunkte erscheint es schon erfreulich, daß diesmal 8 Kinder, zumal in einem wenig zahlreichen. Vereine, von Dr,. Fran kfurter eingesegnet werden konnten. Sehr passend war auch der Tag des 18. Juni zur Begehung der Feier bestimmt; denn in der That ist. auch hier von einer belle alliance, von einem schönen Bunde die Rede, der für die reiferen Lebensjahre abgeschlossen wird. Ueberdies bleibt ein durch ein hervorragendes geschichtliches Ereigniß bezeichneter Tag fester im Gedächtnisse und in der Erinnerung haften. Für wen aber ist eigentlich der Akt der Konfirmation nothwendig? hört man noch oft fragen. Bedarf es des Unterrichts und des öffentlichen Zeugnisses, daß man einen solchen empfangen, um die treue, unverbrüchliche Anhänglichkeit an die Religion der Väter zu verbürgen? — Hätte sich nicht die Basis des Unterrichts und der Erziehung unter den deutschen Juden seit 30 Jahren gänzlich verändert, wären wir nicht an allen Weltgeschicken aktive oder passive Theilnehmer, ich würde vielleicht einer solchen öffentlichen Handlung meine entschiedene Billigung versagen. Wer sich freilich überall auf alte Satzungen tausendjährigen Herkommens und das sog. historische Recht beziehen will, wird sich auch gegen diese Feier als gegen eine Neuerung stemmen. Ja, dieses gute, alte historische Recht — sind die Juden ihm zufolge etwas Anderes, als der Schwamm", den man auspreßt, das Wild, gegen das man die Meute losläßt, mit einem Worte, wären wir da nicht des heiligen römischen Reiches deutscher Nation unglückselige Kammerknechte? Es giebt freilich kein deutsches Reich mehr; aber könnte nicht jeder souveraine Fürst, ja selbst die säkularisirten ehemals reichsunmittelbaren, Herren an die Juden als an ihr Eigenthum eben so gut auf das historische Recht, das ja noch hie und da Schutzgeld fortbestehen läßt, gestützt, Anspruch machen, als es viele derselben auf Patrimonialgerichtsbarkeit rc> thun? Die Zeiten sind Gottlob vorüber und werden, wenn wir anders unsere Aufgabe mehr und mehr verstehen lernen, nie wiederkehren. Mit dieser Aufgabe kann aber unsere Jugend, die in Bildung und Sitte hinter der christlichen nicht zurückstehen soll, die also nur noch für wenige Stunden des Tages dem engem Kreise des jüdischen Familienlebens angehört, nicht mehr durch talmudische Unterweisung und durch alle Details des Ceremoniells (dessen Beibehaltung ich indeß damit durchaus nicht verwerfe) bekannt gemacht werden. Dem jugendlichen Geiste, dem sich jetzt die Phasen des hellenischen und römischen Atterthums, die heiligen Hallen der Geschichte und der modernen Weisheit, die . Schätze der neuern Sprachen