Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1843)
- Article
- Warschau : Ukas üb. das Wohnrecht an d. Grenze [Nachricht]
- Date
- 1843-07-11
- Page
- Seite 217 (sequence 1)
- Language
- German
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Berichte, Studie»» und Kritiken , . ■. : ' für "" v Das Abonnement für ein^ Jahr ist 5 Lhlr. Man abonnirt bei allen löbl. Postämtern und allen solid. Buchhandlungen auf ein Jahr. Geschichte und Literatur. Herausgegeben von Nr. Julius Fürst« Von dieser Zeitschrift erscheinen wöchentlich das Literaturblatt.mitgerechnet, zwei Bögen, und zwar an jedem Dienstag regelmäßig. MS8. Leipzig, den 11. Juli 1843. Ruß l a n d. W a r sch a u. Mas üb. daß Wohnrecht an d. Grenze. P o sen. Gründe st dieHervorrufung d. Mases. Bemerkungen d. Red. K a lisch. NichLveröffenrlichung des Mases daselbst. — D e utsch la n d..H am.b urg. Ausführlicher Bericht über eine Konfirmation. Berlin. W. Streckfuß schreibt für die Juden. Frankfurt a. M. H. Lehren und . die Palast. Spenden. Hamburg. Wochenbericht. /Schwerin. Jüd. Zustande im Großherzogthum Meklenburg-Schwerin. Breslau. Forts, des Berichtes über das Wirken des jüd. Lehr- und Lesevereins. Meklenburg-Schwerin. Zwei Aktenstücke.— Oesterreich. Von der mährischen Grenze. Rechtliche 'Fortschritte in Proßnitz. Fortschritt d. Gemeinde zu Nicolsburg. — Miscellen. — LB. des Or. Rußland. Warschcru, 2. Juli. Vor einem Monate, nämlich vom 2. Juni datirt, ist ein kaiserlicher Ukas erschienen, der sammtlichen Juden, welche innerhalb des 50 Werste breiten Grenzrayons wohnen, ohne weiteres iw die innern Gouvernements überzusiedeln befiehlt. Der Grundbesitz muß nach zweijähriger . Frist verkauft, sein. Die Lage der russischen Juden — von polnischen kann man seit der Erstürmung Warschau's nicht mehr sagen, — ist dadurch die traurigste von der Welt;, ein schweres, düsteres Geschick lastet auf den zwei Millionen Juden Rußlands. Von dem russischen Volke verachtet, weil es auf der tiefsten Stufe der . Kultur steht, von dem russischen bornirten und sklavischen Adel verhöhnt, weil Achtung Anderer mit einem .anerzogenen Sktavensinn sich nicht vereinbaren laßt, kommt noch eine Gesetzgebung, die nie nach Grundsätzen des Rechts fragt. Seit sechshundert Jahren wohnen die Juden in diesem Theile des ehemaligen Polens; die Juden hatten auf diesem Terrain zu einer Zeit ihr Heimathsrecht erlangt, als es noch keinen, russischen Staat und keine kaiserliche Dynastie gegeben; aber was fragt danach die. Autokratie? Rußland ist der Sieger, der Pole wie der Jude muß sich beugen. Posen, 30. Juni. (D. A. Z.) Die Nachricht, welche kürzlich von einigen öffentlichen Blättern verbreitet worden ist, daß nämlich in Folge eines vom 2. Jun. datirten Mas sämmtliche Juden, welche innerhalb des 50 Werste (fast acht Meilen) breiten Grenzrayons, wohnen, in die innern Gouvernements übersiedelt werden sollen, zu welchem Ende den Grundbesitzern unter den Israeliten eine zweijährige Verkaufsfrist bewilligt sei, klingt allzu unwahrscheinlich, um ihr unbedingten Glauben beizumessen; auch habe ich bei meiner vor noch nicht 14 Lagen stattgehabten Anwesenheit in Kalisch nichts darüber erfahren, indem man wenigstens in Polen von einem solchen kaiserl. Befehle, durchaus nichts mußte. ') Wohl aber war allen Juden, die sich Ln den Grenzorten äufhielten und zum Theil schon seit vielen Jahren dort ansässig waren, die aber denselben nicht durch. Geburt angehörten, der Befehl zugeganzen, sich ins Innere des Königreichs. zu übersiedeln. -) Ein noch strengeres Verfahren — und dies ist wahrlich schon streng genug — dürfte bei der Ungeheuern Anzahl von Juden in den Gzenzbezirken, die der Mehrheit nach bettelarm sind und lediglich vom Hausirscha- 1) Daß die Zeitungen es früher erfahren, als die Pro- ' vinzialstädte Polens wird jeder, der die grausame and barbarische Absperrung kennt, welche jetzt Polen, abschließt, leicht begreifen. Uebrigens ist dieser Mas auch dort bekannt, wenn auch gerade nicht publicirt. Nach Briefen aus Kalisch hat man auch dorr schon davon Kenntniß gehabt. Red. 2) Der Korrespondent der D. A. Z. scheint sehr wenig die dortigen Zustände zu können, daß er einen derartigen, unsinnigen Befehl für möglich hält. Wenn er mit den Zuständen bekannt wäre, so würde er wissen, daß es unnachweisbar ist, daß fremdländische Juden sich seit 1815 auf dem russischen Grenzgebiet sich'niedergelassen haben sollten, wenn eine solche Niederlassung nicht an und für sich undenkbar wäre. Red. 28