Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 27 (4.7.1843)
- Article
- Kurze Anzeigen [Rezension]
- Date
- 1843-07-04
- Page
- Spalte 423-424 (sequence 2)
- Language
- German
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424 423 Die Judenfrage. durch Juden gegründet, widmete im Gefühle der Hochachtung Hr. Sachs seine Predigt, was er auch mit begeisterter und beredter Sprache im Vorworte so trefflich schildert. Predigten, die man selbst als Beiträge darbringt, die man im erhabenen Gefühle, für leidende Mitmenschen etwas thun zu wollen, und nicht aus Eitelkeit veröffentlicht, waren von jeher sehr willkommen, und zu dieser Klaffe gehörtauch die hier angezeigte. Aber sie verdient auch ihres Inhalts wegen die ungecheilteste Beherzigung. Aus dem Wochen abschmtte Mschpatim sucht der Redner sehr treffend ein Bild unseres Lebens zu konstruiren und diese Allegorisirung wird mit den prägnantesten Gedanken gewürzt, - welche geeignet sind, die Gefühle der Menschenliebe in uns zu entzünden. Die Ju-enfrage. J. Judenfrage von Bruno Bauer. Braunschweig u. Leipz. 1843. 8. 2. Briefe zur Beleuchtung der Judenfrage, von Dr. Samuel Hirsch, Rabbiner. Leipz. 1843. 8. Heinr. Hunger. Beurtheilt von Hermann Iellirrek. III. Hirsch's positive Widerlegung der, Bäuerischen Judenfrage. * (Schluß.) Das Verhältniß des Judenthums zum Christenthuw aber, oder wie sich Bauer ausdrückt: das Verhältniß der Konsequenz zu ihrer Voraussetzung, ist nicht so leicht, wie man es gewöhnlich glaubt, anzugeben. Der Zweck meiner Erörterung kann aber keineswegs d er fein., diese gangbaren pulsirmden Ansichten hier-einer besondern Kritik zu unterwerfen, sondern ich werde blos die modern zugestützten Ausdrücke Bauer's einer Analyse unterwerfen, und durch diese Analyse zeigen, daß der kritische Bauer, wie ich schon im Laufe meiner Beurtheilung bemerkte, über die gewöhnlich orthodoxe Anflcht nicht erhaben ist, ja vielmehr diese in ihrer ganzen Strenge, Präcision und Ängstlichkeit vertritt. Dieser Bäuerischen Orthodoxie gegenüber werde ich aber die Ansicht Hirsches geltend machen, die im Verhältniß zu dieser Orthodoxie eine freiere und wissenschaftlichere ist. Denn frei nenne ich Hirsch's aufgestelltes Verhältniß zwischen Christenthum und Judenthum darum, weil er das evangelische Christenthum in vollem Maaße anerkennt, weil er den substantiellen Kern, der in denEvangelien enthalten ist, als Jude nota bene, mit Entschiedenheit anerkennt, was noch meines Wissens kein Jude wissenschaftlich zu begründen wagte. Es wird wohl Jeder einraumen, daß sowohl Muth als die tiefste Ueberzeugung erforderlich sind, um einem 1800jährigen Vorurthell entgegen zu treten, daß zu einem solchen Ausspruche, wie ihn Hirsch allen Juden gegenüber gethan hat, daß nämlich der Protestantismus und das Judenthum eine Tendenz und Mission*), einen und denselben weltgeschichtlichen Beruf haben, daß Christus der klassische Charakter des Monotheismus, also der klassische Charakter der Menschheit ist, daß Christus nichts mehr als di e Aufgab e ein es Israelit en in ihrem ganzen Umfange erfaßte und sie so zur That erhob, und endlich den Inhalt der Evangelisten als geschichtliche Data und Fakta über den Lebensverlauf Jesu und dessen wahre Ansichten über das, religiöse Leben gelten läßt. Wenn wir dies Alles summiren, so muß Hirsch als freier wissenschaftlicherer in Verhältniß zu den Bauer'schen Ansichten erscheinen, dessen Freiheit eigentlich nur in einer Destruktion ohne principielle Basis besteht. Dies ist also der Grund, warum nch Hirsch's Ansicht der Bäuerischen gegenüber geltend machen werde. Doch ehe ich zu der eigentlichen Auseinandersetzung dieser Ansichten schreite, muß ich bemerken, daß wenn ich auch Hirsch's Ansichten geltend mache, werde ich mich keineswegs dadurch ihnen anschließen, oder sie als die meinigen acceptiren. Denn daß ich mit Hirsch's Standpunkt überhaupt nicht übereinstimme, ist aus Nr. 1, 2, und theilö auch 3 ersichtlich. Auch werde ich hier nicht meine Ansicht über das Verhältniß dieser beiden Religionen darlegen, weil eine solche Darlegung, die ich für eine nicht so leichte betrachte, ich nicht in wenigen Worten abmachen kann, und weitläufig ins Detail einzugehen erlaubt dieser Zusammenhang nicht. Ich werde daher blos Hirsch vertreten, und nur als Referent im eigentlichen Wortsinne mich verhalten. Also zur Sache. Bauer nennt das Judenthum die Voraussetznng, das Christenthum die Konsequenz. Das Verhältniß dieser beiden Religionen gestaltet sich also nach dem kritischen Jupiter tonans: Die eigentliche Substanz des Judentums ist - das Gesetz (^o^og). Gott hat den Juden eine unendliche Anzahl von unmöglich zu erfüllenden Gesetzen aufgebürdet, er hat ihnen, um echt christlich, d. h. paulinisch und bäuerisch zu weben, das Gesetz darum gegeben, um ihnen den Abstand — von Gott zum Bewußtsein zu bringen, um ihnen einen sonnenklaren Beweis davon zu liefern, daß der Mensch nicht durch das „Gesetz" selig werden kann, sondern daß das Gesetz nur eine Last ist, die den Geist zu Vodm drückt, und mittelst dieses Druckes empfindet er die Schmerzen der Sündenhastigkeit. Das Bewußtsein wird in ihm wach, es drängt sich ihm die Nothwendigkeit einer höhern Erlösung auf, die ihn mit Gnade entgegcneiten muß, ihn Glauben lehrt, und jo ihm ein neues Himmelreich, eine neue Welt von Seeligkeit eröffnet. Nicht die Erfüllung des Gesetzes kann dem religiösen Gell Die Juden nur auf jüdische Weist, wie ich schon unter Nr. 1 bemerkte.