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Der Orient · 1843-07-04 · Heft 27 (4.7.1843) · p. Seite 216

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 27 (4.7.1843)
Article
Aufschwung des Judenthums
Date
1843-07-04
Page
Seite 216 (sequence 2)
Language
German
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216 des ethischen Momentes, welche aus allen seinen Behauptungen spricht, die Strenge, mit der er es in der Beibehaltung der Konfession gewahrt wissen will. Ein so rein menschliches Priesterthum, in Mitten eines bestimmten Glaubens, ist alle Mal'eine Bereicherung des Religiösen überhaupt und eine Hinweisung - auf das Wesen der a b s o l u t e n R e l i g i o n, welche allerdings (?) das Christenthum ist und bleibt'). Es sei deshalb jene Schrift einer weitern Beachtung bestens empfohlen. II. Eine neue jüdische Kolonie. Da hilft nun freilich kein Leugnen mehr! Die Juden siedeln sich in immer weiteren Regionen an; sie führen ihre Gesetzrollen mit sich, pflanzen die heilige Fahne ihres Gottes auf, dringen in fremdes Befitzthum ein. Die Scene aber, auf der sich diese „himmelschreienden^ Thatsachen zugetragen haben, ist nicht Amerika, wohin Tausende alter und junger Israeliten aus Baiern und andern Staaten pilgern,, auch nicht Australien, wohin sich alljährlich Einige verirren, endlich auch nicht Asien und seine syrische Landerstrecke, wo (was freilich den Juden selbst ein Gehermniß geblieben) nach der Versicherung der scharfsinnigen Leute, die das Gras wachsen hören, nächstens ein jüdisches Reich mit einem jüdischen Könige, jüdischen Ministern, jüd. Ständen, jüd. Zeitungen und jüd. Philosophie sich erheben soll — nein, die Sache hat sich wirklich im Jahre 5603 nach Erschaffung der Welt (um konsequent zu bleiben, schreibe ich von nun an nicht mehr 1843) in Deutschland zugetragen. Sagre ich's nicht, ruft Herr Brand, prophezeite ich's nicht, jammert Herr Marcard mit obligater Posaunenbegleitung, sagten wirs Euch nicht voraus, daß die Juden eine besondere Rationalität, der deutschen feindlich, nicht blos bewahren, sondern auch auf Kosten der Deutschen ausbreiten, verstärken und kräftigen? Wenn das bei mchtemancipirten Juden geschieht, wie soll es erst werden, wenn Ihr sie emaircipirt? Sehet Euch vor, daß Euch nicht die neue jüdische Kolonie ein Zwing-Deutschland im eigenen Reiche werde. Ja, sie werden es nun eingestehen müssen: sie machen uns nun das Missionsprivilegium streitig; sie werden uns bald auch in der Bekehrungssucht übertreffen und dieses einzige kostbare Erbtheil, das uns noch von den der Reformation vorangehenden Zeiten geblieben, uns streitig machen. — Beruhigen Sie sich meine Herren! wir lehren keine Heiden beten, wir wollen auch die Mohren nicht weiß waschen; wir überlassen Ihnen Australien und Amerika, wenn Sie es mit Ihrer Flotte erobern, Afrika und Asien, wenn Sie es den Ungläubigen entreißen könnten! Wir wollen beschcidentlich in Europa bleiben *) Da guckt wieder der abscheuliche Pferdefuß hervor! ' Red. und wohnen und uns nähren und dermaleinst gute Bürger werden. Fürs Erste aber hat Niemand, nicht einmal die Christen, in der neuen jüdischen Kolonie das Bürgerrecht; allesammt müssen wir „Schutzgeld" bezahlen. Und das ist nicht etwa eine jüdische Unduldsamkeit: es ist vielmehr überhaupt keine. — Ihr habt gewiß öfter, und sei es auch erst seit dem Mai vorigen Jahres, von St. Pauli, einer Vorstadt Hamburgs, gehört und gelesen, in welcher, bis vor 3 Jahren kein Jude wohnte und wohnen durfte. Hier gilt nun kein städtisches Bürgerrecht, Jeder bezahlt unter dem Namen „Schutzgeld" seine Steuer, Thorsperre und Accise scheiden St. Pauli von Hamburg und nähern es der Nachbarstadt Altona. In dieser Vorstadt nun wohnen bereits mehr als 15,000 Menschen; die Nähe des Hafens und der Elbe, wie das Zuströmen der Schiffsmannschaft erzeugen hier einen lebhaften., rastlosen, lärmenden Verkehr, der in einigen Straßen (was die Laternen nicht zu Wege bringen würden) die Nacht zum Tage macht. «— Der Mangel an Wohnungen nun, der zur Zeit noch im Innern der Stadt Hamburg stattsindet und der hohe Methpreis auch unbedeutenderer Lokale hat eine Anzahl jüd. Familien (man schätzt sie, wohl übertrieben, auf mehr als 50) zum Umzuge nach St. Pauli veranlaßt, und in der Woche vor dem Wochenfeste ist dort ein kleines Betlokal eingeweiht worden, das ^gewiß nicht lange mehr das einzige bleiben wird, ja es eigentlich schon jetzt nicht mehr ist, wenn man die zierliche mit dem (wohl in wenigen Monaten zu eröffnenden) Betty-Heineschen Krankenhause verbundene Synagoge mitzählt. — Wir wünschen der neuen Kolonie ein schnelles und kräftiges Gedeihen! Personalchronik und Miseellen. Juan de..Sevilla, ein spanischer Jude des zwölften Jahrhunderts, sagt in seiner Comedia humana, er möchte wissen, ob hinter seinem Leben ein Punkt oder Semikolon komme. Welch' eine tiefsinnige Frage! Ein jüdischer Arzt war es, der das erste Mikroskop aus England holte. Dies bezeugt Leibnitz im Otium hanov. p. 185. P. Johaninus, sagt er dort, narravifc quendam Judaeum Mediciuae doctorem .priiuuiti mieroscopiuni ex Ariglia Coloniani attulisse anno 1638. Nach Berichten aus Lemberg schreitet dort der Bau eines Tempels rüstig vorwärts und es soll bereits abgeschlossen sein, daß ein moderner Rabbiner, der aus der jüdischen Journalistik hinlänglich bekannt ist, die erledigte Stelle einnehmen wird. Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. 5p. Nagel.

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