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Der Orient · 1843-07-04 · Heft 27 (4.7.1843) · p. Seite 212

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 27 (4.7.1843)
Article
Hamburg : Wochenbericht [Nachricht]
Date
1843-07-04
Page
Seite 212 (sequence 2)
Language
German
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- 212 laufern aus Polen. Nach gewöhnlichen Berechnungen wüßten bald alle Juden aus Polen entflohen sein. —• Dem Franks. Journal soll der Prinz von Preußen, das Oberhaupt der preuß. Freimaurerlogen, wegen vieler die Aufnahme der Juden in den Maurerbund betreffenden Debatten, verfügt haben, daß in Zukunft weder Juden noch getaufte Juden beitreien dürsten, diejenigen aber, die von letzterer Sorte schon einmal recipirt waren, darin bleiben sollten. —Die Geschichte ist wirklich erbaulich. Ich hoffe, die preuß. Juden werden sich nun am Wenigsten zur Aufnahme drängen. — Man sieht, hier fängt das Princip der Gleichstellung — zwischen Juden und Convertiten zu herrschen an; und bald werden in Preußen Mauererei und Christenthum einander umarmen. Probatum est. — Den Anhängern der Idee vom christlichen Staate empfehlen wir übrigens als drastische Medicm den Schlußaufsatz im ersten Bande von Dr. Wells constitut. Jahrbüchern. — 5^err Obervorsteher Hellwitz in Soest fordert in der Köln. Zeit, vom 14. Juni zu Beiträgen für die jüdischen Armen in Jerusalem auf. Breslml, Ende Mai. So eben ist hier der erste „Bericht über das Wirken des jüdischen Lehr- und Lese- Bereins in Breslau" gedruckt erschienen, und da dieser Verein in vielen Bezügen seiner Gestaltung eine Nachahmung in vielen andern Gemeinden verdient und in Betracht, vaß der Bericht nur als Manuskript erschienen, so wird es den Lesern des Orients gewiß nicht unlieb sein, wenn ich aus demselben hier einen Auszugs mittheile. — Wenn schon in den früheren Zeiten eine Kenntniß der religiösen Literatur und der geistigen Tharigkeit der Juden als etwas Unentbehrliches auch für den Nichttheologen betrachtet wurde, so müßte in unserer Zeit, in der die jüdische Literatur einen neuen nie geahnten Aufschwung nimmt, in der das jüdisch-geistige Leben eine neue Gestaltung annimmt, das Bedürfniß nach einer solchen Kenntniß noch fühlbarer sein. Dazu kommt noch, daß die verschiedenartigen oft sich feindlich begegnenden Strebungen in der Gegenwart, die einen unberechenbaren Einfluß auf das Leben selbst üben, es dem Einzelnen, der Theologie fernstehenden nothwendig machen, einen Einblick in die äußern und innern Zustände der Juden sich zu verschaffen, um dadurch in den Stand gesetzt zu werden, ein Uctheil sich zu bilden. Um , aber diese Kenntniß zu erhalten, um sammtliche Schriften zu erlangen, die diese Kenntniß uns verschaffen, ist vorzüglich ein Leseverein nothwendig, da ein solcher Verein vorzüglich dergleichen Schriften anschaffen kann, und das Bedürfniß dieser Nothwendigkeit hat bei vielen Individuen auch diesen Lefeverein hervorgerufen. Wie dieser Verein sich gestaltete, möge hier der erwähnte Bericht selbst erzählen. „Es ist ein anerkennenswerthes Verdienst des Herrn M. Breslauer, daß er die Aufmerksamkeit auf diesen wichtigen Gegenstand lenkte, und bei dem lebendigen, für alles Nützliche rasch empfänglichen Sinn unserer Gemeinde waren bald die Mittel zur Ausführung des' Unternehmens vorhanden. Sehr erleichtert wurde es aber durch den damit eng zusammenhängenden Plan des Herrn Commerzienrath F r ä n k e l, m dem großartigen Gebäude, welches das Hospital und die Waisenanstalt' aufzunehmen bestimmt war, auch eine Stätte für die höhere geistige Ausbildung zu eröffnen, und zwar Studirenden, welche sich der jüdischdn Theologie befleißigen, ein Lokal einzuräumen, das ihnen zu diesen Studien die nöthigen Hilfsmittel darbiete. Herr Commerzienrath Fränkel war alsbald bereit, die Verbindung beider Zwecke zu genehmigen, die ja^ ohnedies Hand m Hand gehen. Und so ward zur Bildung eines „jüdischen Lehr- und Lese-Vereins" geschritten. Derselbe stellte sich den Zweck, „eine Bibliothek, bestehend aus älteren wichtigen Schriften im Gebiete des IudenthumS zu gründen, die neuern jüdischen Werke, Brochüren und Zeitschriften anzuschaffen und auszulegen, und dafür Sorge zu tragen, daß Vorträge, welche der angegebenen Tendenz entsprechen, von Zeit zu Zeit gehalten werden." Nachdem ein Comitv ernannt war, bestehend aus den Herren: Rabbiner Dr. G erger, als Direktor, Dr. W. Freund, als Sekretär, Dr. M. Levy, als-Bibliothekar, H. Joachim sohn, als Kassirer und I. Schiff, als Controlleur, die Statuten festgestellt waren, ward der Verein, unter dem Protektorate des wohllöblichen Ober-Vorsteher-Collegiums, das durch einen Commiffarius denselben beaufsichtigt, am 29. Mai 1842 in angemessener Weise durch einen Vortrag des Direktors eröffnet. (Fortsetzung folgt.) O e st e r r e i ch. Prag, 17. Juni. (Vermischtes.) Der siebente Band des Kerey, Chemed ist endlich unter der Presse. Es wäre zu wünschen, daß die Theilnahme des jüdischen Publikums, das in jeder Beziehung, außer im Bücherankaufen, fortschreitet, nicht nur nicht erkalten, sondern zunehmen und ein literarisches Institut, an dem Männer wie Rapcrport, Aunz, Luzzatto, u. m. A. arbeiten, fördern möchte. Meine frühere Mittheilung, daß Hr. Sachs ein Buch über die „religiöse Poesie" herausgiebt, war irrthümlich.'—Vorwitzige Köpfe wollen von der Ankunft des Dr. Frankel aus Dresden allhier auf gewisse wichtige Unterredungen schließen, deren Gegenstand ich Ihnen aber, um nicht Ungewisses für Zuverlässiges zu geben, nicht mittheile. — Den Verfasser der „Juden in Oesterreich" wollen Einige in einem hiesigen jüdischen Gelehrten (Hrn. Dr. Wessely) finden. * Von der mährischen Grenze, im Juni. Am Schlüsse des Hosdekrets über die Regulirung des Rabbinen- und Schulwesens in Mahren (vergl. Nr. 14

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