Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1843)
- Article
- Hamburg
- Date
- 1843-07-04
- Page
- Seite 211 (sequence 2)
- Language
- German
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— 211 — sind. — Am folgenden Tage (Sonntag, Morgens 10 Uhr) folgte die eigentliche W-eihe von Gesang, Orgelton, Predigt, von dem Segen der Eltern und des Predigers begleitet. Wir werden auf die Feier selbst und den wesentlichen Inhalt der Consirmationsrede noch einmal zurückkommen. E. C. Köln, 20. Juni. Wieder zwei angenehme Nachrichten vom Rheine. — Die Aachener Zeitung meldet, die Majorität des Landtages fei entschlossen, dem Kommunalgesetze die Bestimmung beizusügen, daß die Juden zu allen Kommunalamtem, mit Einschluß der Bürgermeisterwürde, wählbar sein sollen. Die „Trierer Zeitung" meldet ihrerseits, daß auch von Trier eine Petition christlicher Bürger um bürgerlicher Gleichstellung der Juden nach Düsseldorf abgegangen sei, die in sehr kurzer Frist ISO Unterschriften der notabelsten Bürger erhalten habe. Anfangs habe man die Petition auf den nächsten Landtag verschieben wollen. Da man aber bemerkt habe, daß auch andere Städte dieselbe Bitte an die Provinzialstande gerichtet hätten, und daher voraussetzen dürfe, daß die Sache trotz der drängenden und wichtigen Geschäfte zur Sprache kommen werde, faßte man in Trier eiligst eine Petition ab, die zwar nur halb so viel Unterschriften als eine frühere, aber darunter die angesehensten Bürger der Stadt zahle. Hamburg, 21. Juni. (WB. v. 17—21. Juni.) Wie sich überhaupt seit Kurzem wieder auf dem Gesammtgebiet der franz. Literatur ein erfreulicher Fortschritt kund giebt, so ist dies besonders auch mit der religiös-philosophischen der Fall. Wir haben jüngst der ersten vollständigen französischen Uebersetzung der Werke Spinozas von Emile Saisset, gedacht und machen heute die Leser des „Orient" auf zwei andere, neuerschienene Werke aufmerksam, welche speziell für die Juden Interesse haben. Das Eine heißt: Philosophie sociale de la Bible par M. l’abbe F. B. Clement. 2 yoI. Paris 1843 cliez Paul Mellier. 15 Fr. Hierher gehört freilich nur die erste Abtheilung: Mosaisme, principes de de sociabilite ayant le Christ, et de la legislalion juive, während die zweite: Christianisme rc. nur der Vergleichung halber unser Interesse erregen wird. Dagegen wird dies mit dem ganzen Werke der Fall sein, welches der bekannte Orientalist, Prof. Ad. Fcanck in Paris (ein Jude) so eben unter dem Titel: LaKabbale, ou la philosophie religieuse des Hebreux. (Paris, bei Hachette, 1843. 7£ Fr.) veröffentlicht und worüber sich Cousin in der Akademie der moralischen Wissenschaften sehr günstig ausgesprochen hat. —' Die Spen. Zeit, vom 9. Juni enthalt eine Beschreibung der in der Berliner Synagoge am ersten Tage des Wochensestes zum Andenken des König Friedr. Wilh. III. gehaltenen Trauerfeier. Das hebr. Gebet des Vorsängers ist in deutscher Uebersetzung mitgetheilt und auch eines Segens, den dann Hr. Oettinger gesprochen, gedacht. Gutzkow's Telegraph Nr. 98 (Juni 1843) erzählt eine interessante Geschichte von einem Adeligen, der von einem Juden, den er zuerst beleidigt und dann für nicht satisfaktionsfähig erklärt, handgreiflich eines Bessern belehrt, worden sei. Vielleicht hätte der grand Seigneur später bessere Ideen von wahrer Ehre vom Juden sich angeeignet, wenn dieser nicht als Krieger bei Auerstadt gefallen, der Junker aber zu Hause geblieben wäre. Der nun verstorbene Staatsmann und Dichter Stägemann dichtete damals darüber einige beißend-launige, humane Verse. — Die Köln. Zeitung vom 11. Juni enthält eine Entgegnung von Dr. B. auf Kuranda's Aufsatz in den Grenzboten. Dr. B. will Konfession und Auswanderung nicht in einander geworfen und Rothschild nur mit Andern bei der Sache betheiligt sehen. Die Erwiderung ist wohlgemeint, aber etwas konfus gehalten. — Aus der „Vossischen Zeitung" erfahrt man, daß ein russischer Jude, der Kommerzienrath Helpert, der sich unbestreitbare Verdienste um den russischen Staat (die Finanzen?) erworben, zum Ehrenbürger für sich und seine Nachkommenschaft erhoben worden sei. — Die Allg. Augsb. Zeitung hat seit Kurzem einen Korrespondenten aus Lothringen, der ihr häufig über jüd.-ostfranzösische Angelegenheiten berichtet. So erzählt er u. A. (A. A. Z. 10. Juni), daß sich der Rabbiner in Metz kürzlich geweigert habe, in einem Prozesse der einen Partei den Eid nach der bisher üblichen, die Juden als der Rechtsungleichheit verfallen darstellenden, Eidesformel abzunehmen, und als das Gericht seine Weigerungsgründe verworfen, die Gegenpartei dem, der den Eid Leisten sollte, die Versöhnung angeboten habe, damit nur die schmähliche Formel nicht faktisch Rechtens werde. — Die D. A. Z. vom 12. Juni bringt einen kuriosen Artikel aus Posen. Der Korrespondent (ein Christ?) erzählt von einem Zwiespalte in der jüd.. Gemeinde zu Posen, der durch Sat. Pkeßners Anwesenheit erregt worden sei. Er stellt diesen als einen Fanatiker, Finsterling rc. dar, spottet über seine Anhänger, die ihn als einen jüd. Schleiermacher betrachteten, und stellt sich, als hatte er früher nie vor, ihm und seinem bisherigen Aufenthaltsorte (Berlin) gehört. — Am Schlüsse kommen dann wieder eine Unzahl jüdischer Ueberläufer aus Rußland zur Sprache. — Ich glaube, mit dem letzten Theile dieser Erzählung wird es bald eben so gehen, wie es die Polen 1831 machten. General Dwernizki, ein kühner Guerillaführer, hatte den Russen eine Anzahl Kanonen abgenommen; seitdem hieß er der Kanonenfresser und die polnischen liberalen Blätter berichteten alle Tage von neuerbeuteten Kanonen. Nach einer Berechnung eines Spaßvogrls hatte Dwernizki nach 3 Monaten bereits doppelt so viel Kanonen, als in ganz Rußland zu finden waren, weggeführt. — Aehnlich. ergeht es der Augsb. und der D. A. Zeit, mit den jüd. Ueber- 27*.