Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1843)
- Article
- Prag : Früher und jetzt [Nachricht]
- Date
- 1843-06-27
- Page
- Seite 206 (sequence 1)
- Language
- German
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Prag, 8* Sunu : Les extremes se touclient. Vor einigen Decennien beschränkte sich der Unterricht der Jugend in unserer Gemeinde auf Talmud und Bibel. Talmud und Bibel waren zwei Reisegefährte, welche das' Kind im Leben begleiteten, zwei schützende Engel, welche es gegen die Verlockungen der. Außenwelt wahren sollten. Aus der Bibel sollte das Kind das A.-B.-C. der. Wissenschaft — so dachte man sich wenigstens das Verhaltniß der Bibel zum Talmud — erlernen , aus dem Talmud die Ausbildung, das höhere Wissen schöpfen. Die Bibel war die Propädeutik, der Talmud die eigentliche Wissenschaft. Anders hat sich der Unterricht der Jugend in der Jetztzeit gestaltet. Anstatt des Talmud, den man für antiquirt halt, lernt das zehn- oder eilfjährige Kind Baukunst, memorirt die Erklärung der dorischen Säulenordnung oder auch eine geistreiche Definition von einer Kelle und dergl. Das Studium der Bibel soll der,Religionsunterricht ersetzen, der aber beim Kinde zu einem Gedächtnißwerke herabsinkt, indem darauf gesehen wird, daß nur das Gedachtniß des Schülers durch lange. Perioden und Gedichte bereichert werde. Wünschen wir nun nickt mehr jene Zeit herbei, wo das Kind ad ovo.-— d. h. mit Bezah anfangen mußte, wo der Talmud das All.in Allem war, so sollte man doch für den Unterricht der hebr. Sprache und Bibel Sorge tragen. Zwar besitzen wie eine öffentliche Schule für den hebräischen Unterricht; allein der Lehrer, Hr. Wolf Meyer, ist ein tüchtiger Veteran der jüd. Literatur und eben darum schon zu schwach für den öffentlichen Unterricht. Nun wird er zum Theil supplirt; aber suppliren heißt hier nicht ersetzen. Diesen Uebelstand sah unser Rapaport wohl ein, und dringt auch fast in allen seinen öffentlichen Vorträgen auf die Errichtung einer ordentlichen hebräischen Schule; allein bis jetzt gehört diese Schule zu den piis desideriis, und wir werden wahrscheinlich lange noch vier oder fünf Schülerdie gewöhnlich nicht aus Prag gebürtig sind — in den öffentlichen Prüfungen an der hebräischen Schule sehen. . —a. Licht- und SchutLenbildeV aus der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart. Dev EmaneipatLonskampf ' i m Friesenland. (Fortsetzung.) ■ ' Wer Unfreie. Die Emaneipationsfrage. Auch ein Votum. ■ Lieber Schmach und Verfolgung duldeten sie, als daß sie auch nur irgend eine politische und religiöse Färbung von den Heiden Annahmen , und wenn etwa einzelne Individuen .oder Gemeinden, wie B. die Samaritaner, dieses thaten, so wurden diese von den ächten Israeliten ausgeftoßen oder als Heiden gehaßt und gemieden. Zwar ging durch die Alles, besiegende Macht der. Römer ihr Staat endlich ganz zu -Grunde; -das heilige Jerusalem, die Residenzstadt ihres Gottes, ward zerstört, ihr Tempel ging in Flammen auf; ihre Heiligthümer, sammt der Bundeslade wurden eine Beute der Sieger und später von den Fluthen des Mittelmeers ver- Wer Freie. Protest eines Juden gegen das Votum eines Christen für die Emancipation der Juden. Nur im Vorbeigehen wollen wir als Probe der logisch-richtigen mnd tiefen Denkweise des Votums auf seine Definition des religiösen Partikularismus des Iudenthums aufmerksam machen, der nach dem Votum'darin bestände, „daß Gott einen ewigen Bund mir ihnen geschlossen und ihnen die Verheißung seiner Gnade und der ewigen Seligkeit gegeben unter der.ausdrücklichen -Bedingung, wenn sie diesen Bund hielten, daß hieße, wenn sie.Juden blieben!" Giebt's denn auch eine Religionslehre, oder was wäre eine solche, die.ihren Bekennern gestattete, auch einmal der lieben Abwechslung wegen—.sich von ihr loszusagen?! Erlaubt denn das Christenthum dem Christen, auch einmal Nichrchrist zu werden? Oder wäre es noch Chri-