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Der Orient · 1843-06-27 · Heft 26 (27.6.1843) · p. Seite 204

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 26 (27.6.1843)
Article
Hamburg : Wochenbericht [Nachricht]
Date
1843-06-27
Page
Seite 204 (sequence 2)
Language
German
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204 Dänen, Hinblicken, wo man von Judenhaß Nichts mehr weiß. In der nächsten Umgebung des Hofes, als kön. Leibchirurg, wirkt ein auch in der Wissenschaft rühmlich bekannter Jude, der Prof. Jacobsen, den erst kürzlich die königl. belgische medic. Akademie in Brüssel einstimmig zum korrespond. Mitglieds erwählt hat. Wo aber der Staat die Juden bürgerlich im Zustande der Unmündigkeit erhalten und in kirchlicher Beziehung immer mehr einengen will, da kann nimmermehr etwas Anderes gedeihen, als Zwietracht im Innern der Gemeinden. Das traurigste Bild der Gegenwart bildet in dieser Rücksicht Breslau dar, wo, nach einer Privatmittheilung der Spen. Zeit, vom 6. Juni, mehre hundert Individuen weder Abgaben an die jüd. Gemeinde entrichten, noch sich öffentlich zum Judenthum oder zum Christenthum bekennen. Der Berichterstatter meint nun, die Absendnng eines königl. Kommissarius nach Breslau könne noch Licht in die dortigen verworrenen Verhältnisse bringen. Mannheim, 19. Juni. Die hiesige Abendzeit u n g enthalt in ihren ersten Juninummern (2. Juni) einen Aufsatz von H (Dr. Heß in Köln?): Aphoristische Gedanken über Nationalität und Freiheit, in welchem sich folgende treffliche Stelle findet: „Wie viel können wir in dieser Hinsicht (d. h. in Betreff des nationalen Charakters und der polit. Gesm'nung) von dem verachteten Volke der Juden lernen. Sein Gott war sein Volksgeist, also das Wesen und Band des ganzen Volks. Wer von den Jntereffen der Nation sich abwandte, war in ihren Augen von Jehova selbst abgefallen. Er war Verrather an Volk und Gott zugleich. Darum bieten sie auch das schöne Schauspiel, daß ihre politische Lage immer zur Zeit des Jehovahkultus am glücklichsten war. Abgötterei, Abfall zu den Göttern der Heiden war Vernichten ihrer Nationalität. Im Unglücke kannten sie daher keine Rettung als durch Jehova. Darum bewahrten sie auch in den unglücksreichen Perioden des Mittelalters ihre Volkstümlichkeiten, aber schnell war es damit aus in den freien Staaten des südwestlichen Europas, wo sie Spanier, Franzosen, Belgier rc. wurden. Auch in Deutschland giebt es keine jüdische Nationalität mehr, denn durch die Annahme germanischer Bildung und ihre Assimilirung mit dem deutschen Geiste ist ihnen der alte Nationalgeist und vererbte Gott der Väter entschwunden. Sie sind Deutsche, keine Juden, und das Einzige, was noch einen Haltpunkt hatte gewahren können, eine den Juden der ganzen Welt gemeinsame Sprache, die hebräische, Ist schon jetzt fast allenthalben gänzlich verdrängt! " Sctpjij}, 20. Juni. Nach der Angabe eines Ungars in der Augsb. Allg. Zeitung zählt das Königreich Ungarn eben so viel Deutsche als Juden unter seinen Bewohnern: etwas über 200,000. Sehr richtig bemerkt ein' hiesiges Blatt, daß die Magyaren eben so wenig eine gewaltsame Germanisirung als eine Judaisirung zu befürchten haben, und daß sowohl der Sprachenkampf von Seiten der Ungarn als die Vorsicht der österr, Regierung in Betreff der Judenemancipation zu weit getrieben werden. Hamburg, 11. Juni. In der Organisation der israelitischen Freischule zu Hamburg tritt zu Johanni d. I. eine Veränderung em. Es werden nämlich die seit kurzer Zeit bestehenden fünf Klassen wieder in vier zusammengezogen. Au den beiden erledigten Eiemmtarlehrerstellen haben sich etwa 40 Konkurrenten, hiesige und auswärtige, Christen und Juden gemeldet. O e ft e r r e i ch. . 8Wren, 16. Juni. Die Auszeichnung, welche dem hiesigen Herrn von Rothschild durch die Erhebung zum Ehrenbürger zu Theil geworden, haben sowohl jüdische als christliche Blatter bereits gemeldet; allein diese Auszeichnung, welche mehr dem Finanzier als dem Juden Rothschild galt, ist für das Judenthum nicht von so hoher Bedeutung als die ehrenhafte und charakterfeste Gesinnung, welche Herr von Rothschild in seiner Antwort an die hiesigen Gemeindevertreter, die ihm glückwünschten, ausgesprochen hat. In dieser schriftlichen Antwort zeigt sich Hr. von Rothschild als ein treues und anhängliches Mitglied des Judenthums, als ein. Mann, der sich des Namens „Jude^ nicht schämt und vielmehr, sowohl an den rechtlichen als religiösen Fortschritten des Judmthums den wärmsten Antheil nimmt. So mancher vorwitzige Jude, .der nicht genug Worte zu haben glaubt, um die Teilnahmslosigkeit und Gleichgiltigkeit des Hauses Rothschild zu-bezeichnen, wird, nachdem er dieses Schreiben durchgelesen, beschämt zurücktreten und andern Sinnes werden, und unsere Reichen, denen die jüdische Religion eine unerträgliche Bürde, der Name „Jude" zur Schande zu gereichen.scheint, dürften sich vom jüdischen Krösus belehren lassen. Doch zum Briefe selbst, von dem ich Ihnen das für das Publikum Interesse habende hier mittheile: „Verehrte Herren Vertreter! Ahr freundschaftliches Wohlwollen , die mir neuerdings bewiesene aufrichtige Anhänglichkeit, welche Sie, bei der Gelegenheit eines Ereignisses, das, wie Sie selbst sich ausdrucken, einen neuen Abschnitt in der Geschichte der österreichischen Israeliten bildet, in Ihrer verehrten Zuschrift von 11. Januar 1843 so gemüthlich mir an den Tag legen, hat mein Herz innig erfreut. Ja um so mehr erfreuet, als Sie, meine Verehrten, in diesem, meinen Enkeln noch aufzubewahrenden Dokumente, nicht nur die innigste Teilnahme an. der Ehrenverleihung, die mir persönlich geworden, beurkunden, sondern zugleich die in ihnen langst gehegten, durch das mir allerhöchst ertheilte Zugesta'ndniß noch mehr erweiterten Wünsche für das Heil der israelitischen Gesarnmtheit, der ich mit Liebe und Treue angehöre,

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