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Der Orient · 1843-06-20 · Heft 25 (20.6.1843) · p. Seite 200

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 25 (20.6.1843)
Article
Der Emancipationskampf im Friesenland
Date
1843-06-20
Page
Seite 200 (sequence 2)
Language
German
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200 cipation? In bürge r l L ch e r Hinsicht würden sie freilich nur dadurch gewinnen können. Der bisher auf ihnen lastende schwere und entehrende Druck würde aufhören, die politische Scheidewand zwischen ihnen und den Christen würde Wegfällen, sie würden in die Verpflichtungen, aber auch in die Rechte christlicher Staatsbürger eintreten. Und in religiöser und kirch lieh er Hinsicht würden sie ja wohl nicht dabei verlieren; sie könnten ja, wenn sie wollten, ihren Glauben beibehalten und würden in der christlichen Kirche wie andre Sekten geduldet. — Aber, sollte dem wirklich so sein? Sollten die Juden in einem christlichen Staat, wirklich vollkommene Staatsbürger sein und-doch Juden bleiben können? Wir zweifeln sehr daran, sind vielmehr der Meinung: daß mit der unbeschrankten Emancipation der Juden das Judenthum selbst zu Grunde geht. Wir erlauben uns, dies im Folgenden näher zu begründen. Das Wesen des Judenthums ist politischer und religiöser P a rti k u la r i s m u s. Als Staat standen die Hebräer unter den übrigen Staaten des Alterthums ganz einzig in ihrer Art da. Ihr Staatsoberhaupt war nicht etwa ein Familien¬ oder Stammsürst, wie bei den übrigen Völkern, sondern ihr Gott, Jehovah selbst. Sie seien — so stellten sie ihr politisches Berhältniß dar — das einzige auserwählte Volk, das Lieblingsvolk ihres Jehovah, das nur von diesem Gesetze annehmen und sich regieren lassen dürfe. Einem fremden Könige könnten sie, die nur im Dienste Jehovah's ständen, nicht gehorchen. Gesetze und Vorschriften, die nicht in ihrer theokratischen Verfassung gegründet waren, vielmehr wesentlich davon abwichen, könnten sie nicht als Norm ihres bürgerlichen Lebens betrachten, ohne ihrem Gott, der ihnen seinen Willen durch ihre Priester und Könige kund thäte, untreu zu werden und sich als Rebellen gegen diesen ihren einzigen Oberherrn und Gebieter anzusehen. Dazu kam ihr religiöser Partikularismus. Sie hatten ihre Religionsgrundsätze durch Mose'unmittelbar von Gott erhalten. Dadurch hatte Gott einen ewigen Wund mit ihnen geschlossen und ihnen die Verheißung seiner Gnade und der ewigen Seligkeit gegeben, unter der ausdrücklichen Bedingung, wenn sie diesen Bund hielten, das heißt also, wenn sie Juden blieben. Durch diese politische und religiöse Verfassung, die in sich selbst ganz abgeschlossen da stand und keine Modifikation gestattete, bildete sich im Judenthum eine schroffe Opposition gegen alle übrigen Staaten und Religionen der Erde, und eben wegen dieser im Sßejm des Judenthums so tief gegründeten Opposition blieben auch die Juden unter A'egyptern, Syrern, Griechen und Römern immer — Juden, ohne mit diesem Völkern-, unter denen sie zum Theil als Besiegte und Unterjochte, oder als Gäste lebten, -jemals sich zu vermischen und ihren politischen und religiösen Glauben aufzugebm. heiten genießen, ohne zu ahnen, daß damit ihre ganze Nationalität und ihre Religion verloren gehen." Und für dieses ganze Naisonnement bringt der Vorant nicht etwa die Bekenntnißschristen der Juden herbei, um dort die ihnen aufgebürdeten Religionsgrundsätze nachzuweisen, — schlägt nicht die Blätter der Geschichte auf, in denen die verrätherischen Staatsverbrechen der Juden verzeichnet waren, — sieht sich auch nicht nach Hen Erfahrungen der Neuzeit um, die seinem visionairen Vorausverkündigungen von verdorrender Religion und christlichen Synagogen emancipirter Juden als prognostische Belege dienen müßten. Von diesem Allen Nichts, sondern es genügt, ein Paar gang und gäbe Schulbegriffe, Theokratie, Partikularismus aufzufassen, in diese bequem genug das ganze Judenthum einzuschachteln, um dann, nicht minder bequem, daraus, — unbekümmert um Wirklichkeit ■-=- Folgerungen zu entwickeln, die man eben will. Nur Schade, daß diese Wirklichkeit doch da ist, da ist in den jüdischen Bekenntnißschriften, da in der laut zeugenden Geschichte der Zeiten, da in der nicht wegzuraisonmrenden Gegenwart, und an dieser Wirklichteit aller Traum und Schaum zu Schanden wird. Die Fabel von dem jüdischen Nationalgott und dem Partikularismus des jüdischen Gottglaubens, mit all den judenfeindlichen Konsequenzen, die man daraus zu ziehen beqnem findet, ist an einem andern Orte von einem Juden mit der Bibel in der Hand gezeigt worden, wie gerade der jüdische Gottgedanke die höchste Universalität enthalte, wie selbst die scheinbar partikuläre Erwählung des jüdischen Volkes die universelle Erlösung der Menschheit vom polytheistischen Partikularismus zum Ziele habe, wie daher die jüdischen Gottesboten, auch in dem Geschicke und der Geschichte der andern Völker die Gottesoffenbarung verkünden und deren Vereinigung mit dem jüdischen Volke in Verehrung des einzigen Gottes als Ziel aller Menschheitentwickelung setzen, wie daher selbst der Tempel zu Jerusalem gleich (in) bei seiner Erbauung auch dem Nichtjuden geweihet worden und wie" daher überall im jüdischen Gesetze dem fremden Nichtjuden die Gleichheit vor Gott und Gerechtigkeit und Liebe von den Menschen zugesagt, und die freie, unbeschränkte und unverkümmerte Niederlassung im jüdischen Staate gestattet war, sobald er nur, ohne deshalb Jude zu werden, dem Götzenthume entsagen und die Erfüllung der allgemeinen menschlichen Pflichten übernehmen wollte. Alles dies ist an einem andern Orte nachgewiesen worden, und müssen wir uns begnügen , auf diese Nachweisungen uns hier zu beziehen, ’) da diese Blätter schwerlich der Ort für theologische Diskussionen sein dürsten. *). Jüdische Anmerkungen rc. von einem Juden. Oldenburg, 1841. 8. (Fortsetzung folgt.) Verlag von C. L. Fritzsche. Druck von I. H. Nagel.

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