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Der Orient · 1843-06-20 · Heft 25 (20.6.1843) · p. Seite 199

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 25 (20.6.1843)
Article
Odessa: Schulbericht
Date
1843-06-20
Page
Seite 199 (sequence 2)
Language
German
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199 Sandwüste der Gedanken, pausbackigen Predigerbombast. mit hochrother Schminke von geheucheltem Pathos, meilenlange Perioden behaglich hingestreckt; da gabs lauter alte Kupfermünzen, von Grünspan bedeckt, — Nichts von jenen glänzenden Goldstücken, die der Geistreichthum, frisch aus seiner eignen Münze, königlich um sich streut; keine Rede war's, eine Rhede war es zu nennen, wo die entmasteten, längst unbrauchbar gewordnen Gedankenschiff- Tcümmer und Moralphilosophie - Wracke sich auf dem klaren Wasser schaukelten, aber keine neue Segler, keine frische Ideen-Ladungen anlangten; kurz, der Herr Lehrer der deutschen Sprache hat sich im Geschmack seiner Zuhörer geirrt, wenn er hoffte, dieselben mit dem Ausspinnen einiger Faden des schon langst zur Charpie für die ungeheilte*) jüdische Nationalwunde gezupften Stoffes „religiöse Erziehung der Jugend" — nicht zu langweilen. Was hierauf der Hr. Lehrer der hebräischen Sprache deutsch las, war eine kritisch-grammatische Abhandlung. Was sie enthielt? Ganz gewiß etwas gar wichtiges, denn höchstens drei im ganzen Saal, der von Damen und Christen überfüllt war, können Ihnen darüber Bescheid ertheilen! 'Man hörte den Vorleser mit offnem, oder bester, sich jedesmal öffnendem Munde zu. Giebt es aber in der That etwas Unpassenderes, als eine stundenlang dauernde Beweisführung, daß die Sylbe so und so, ganz gewiß so ist, wie der Herr Vorleser es ha- ') Wäre sie geheilt, hätten .wohl so viele Ihrer Glaubensgenossen nöthig, erst eine Wasserkur zu unternehmen?? den will — und das Alles in Gegenwart eines solchen Auditoriums!... Was war der Effekt? „dies neigte sich zu flüstern, das lachte sich halb todt". Ich gebe gern zu, daß der Gegenstand an und für sich, für den Sprachforscher erheblich, ja wichtig sein mag; aber der Herr Vorleser sollte zum Beispiel den Herrn Curator des hiesigen Lehrbezicks und andere mehre nicht ignocirt haben, meine ich .. . — Doch wenden wir uns zur Lichtseite der Sache/ Hr. Finkel, Lehrer des Russischen, brachte einen ausführlichen Bericht über den Zustand und die Fortschritte der Anstalt, welche wahrhaft erfreulich und überraschend sind; Odessa ist die erste Stadt Rußlands, wo die Civilisation der Judenschaft diese schöne Blüthe getrieben hat, rasch und üppig ist sie aufgeschossen diese Blüthe und die Männer, die sie warteten und pflegten, verdienen die Anerkennung, die sie allgemein genießen. Vertheilung der Prämien unter den Ausgezeichnetsten der Schüler, Absingen der Volkshymne „Gott schütze den Czaaren" und eines hebräischen Gedichts bildeten den Schluß dieser Feierlichkeit. — Ich bitte, mein Herr, betrachten Sie mich nicht für einen muthwilligen Spötter; sehen Sie in mir einen Christen, der aller Menschen Besserung und Veredlung wünscht. Hiermit scheide ich von Ihnen, indem ich Sie versichere, daß die Aufnahme dieses in' Ihr Blatt uns ein Beweis mehr sein wird, wie aufrichtig Sie es mit dem Fortschritt, mit der Wahrheit meinen. Ein anonymer Russe und Christ. Licht-und Schattenbilder aus der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart. Der Emancipationskaiiipf im Friesenland. (Fortsetzung.) Wer Unfreie. Die Emancipationsfrage. Auch ein Votum. Doch, eine andere Frage ist: wünschen die Juden, die sich und ihre Religion begreifen, die vielfach von Christen angeregte und in der letzten Zeit so sehr besprochene Eman- Wer Protest eines Juden gegen das Votum eines Christen für die Emaucipation der Znden. Christliches Staats- und und Missions-Interesse können daher nur durch die Emancipatron gewinnen, — die Juden jedoch träumten sich goldene Lage, wenn es dahin käme, daß sie mit den christlichen Staatsbürger gleiche Rechte und Frei-

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