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Der Orient · 1843-06-20 · Heft 25 (20.6.1843) · p. Seite 197

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 25 (20.6.1843)
Article
Hamburg : Wochenbericht [Nachricht]
Date
1843-06-20
Page
Seite 197 (sequence 2)
Language
German
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197 zugeben; denn so wie/es einmal jetzt noch mit der Unterscheidung der Konfessionen bestellt ist, und so wie überhaupt noch die Religion auf die Gemüthsstimmung, den Charakter, die Weltansicht, die Begriffe vom Verhältnisse zwischen Kirche und Staat — und diese verschiedenen Faktoren haben immer noch einen gewissen Einfluß auf bestimmte Kategorien vom Vergehen — einzuwirken im Stande ist, kann die Berücksichtigung des numerischen Verhältnisses der Religionsparteien bei der Ausübung der wichtigsten Funktionen nicht unterbleiben«. Doch gehe ich keineswegs so weit, daß immer Juden unter den Geschwornen sich finden müssen; es genügt, daß sie immer und ohne Ausnahme dazu gewählt werden können. Alles Uebrige hängt von dem Grade des Vertrauens, das sie sich bei ihren Mitbürgern zu erringen wissen werden, und von der Unbescholtenheit ihres Rufes ab. Ich gestehe, daß ich gern Widerlegung oder Zustimmung von Juristen von Fach in Bezug aus meine Ansichten vernähme. — In Frankreich selbst, wo die Rechtsgleichheit der Juden vollkommen durchgeführt ist, scheint sich jetzt das religiöse Bewußtsein, das lange zu schlummern schien, endlich zu ermannen. Selbst aus Lothringen bringt die X A. Z. vom 27. Mai von religiösen Bewegungen unter den Juden Kunde. Ihr Korrespondent unterscheidet 3 Parteien unter den franz. Juden: Kalmudisten (Orthodoxe), Christlichgesinnte (? — wahrscheinlich sollen damit die Rationalisten gemeint sein) und Philosophisch-Radikale, die sich aber auch gegen das Christenthum kritisch-negirend verhalten. Die Letzteren scheinen dem guten Manne besonders unangenehm zu sein. Au ihnen rechnet er Salvador und theilweise auch Cohen d. h. Cahen, den Red. der Arch. israelites. — Quelle tdeel könnte man der X X Z. zurufen. — Von der kürzlich angekündigten Brockhaus'schen Gesammtausgabe der Mendelssohn'schen Werke sind jetzt 3 Bände erschienen. — Die Wiener Theaterzeitung meldet, (22. Mai), Herr Leo Ieiteles, Rabbmaesassessor' und Prof, der Bibel (?) „ Liturgie und Naturwissenschaften an der Arader königl. Realschule habe 50 Exemplare seines Wanderers im Erzgebirge zum Besten der Hungerleidenden in Böhmen zum Verkaufe (a 10 kr. das Ex.) dem Bureau der W. Theaterz. überwiesen. — In Kopenhagen ist ein mit den Ständen der Inselstister berathenes Gesetz über die Eidesleistung bei den dänischen Juden durch eine k. Verordnung vom 10. Mai promulgirt worden. — Der Bildhauer L. Wichman in Berlin hat eine Büste der berühmten trag. Schauspielerin Dlle. Rachel vollendet, welche für Berlin bestimmt sein soll. — Ein jüd. Knabe, Harry Hirsch, ist kürzlich'in Kiel in einem Konzerte als Violinspieler ausgetreten und hat ein tüchtiges Talent verrathen.— In Paris erscheint jetzt wieder eine Revue de l’Orierit, die hauptsächlich die polit. Verhältnisse der Türkei besprechen wird. — Spinoza's Werke sind zum ersten Male von Saisset ins Französische übersetzt und mir' einer langen Einleitung versehen in Paris (2 Bde.) erschienen. — Auch Konrad von Orelli tu Zürich hat jüngst eine Schrift über Spinoza's System herausgegeben.— Am 1. Mai hat der Rabb. Amar in Algier, zugleich Adjunkt der dortigen Maires, zu Ehren des k. Namenstages einen feierlichen Gottesdienst veranstaltet. Leipzig, 14. Juni. Von unserem Antipoden dem „Occident, "*) dessen Erscheinen wir längst gemeldet, ist uns das erste Heft zugekommen, und wir beeilen uns, unsere geehrten Leser mit der Tendenz dieses periodischen Blattes und dem Inhalte des ersten Heftes bekannt zu machen. In den. einleitenden Bemerkungen, welche der Herausgeber, Herr Isaac Leeser, diesem Hefte vorangeschickt, ist die Tendenz klar ausgesprochen. Das Blatt soll nämlich erbauen — daher jedes Heft eine Predigt bringt, belehren — indem die neuen literarischen Erscheinungen besprochen werden, und berichten — insofern es für die Bewohner der westlichen Hemisphäre Interesse bieten wird. Dieser Tendenz zufolge bringt das erste uns vorliegende Heft — für den Monat Nisan April — außer den einleitenden Bemerkungen, folgende Stücke: l. eine sehr erbauliche'P re di gt üb er. die Wunder (on miracles), vom Herausgeber. 2. Uebersetzungen zweier Stücke aus lien Levy’s „ les matiners du Saimdi, “ und zwar eines über die Mutter der Roth sch ilde zu Frankfurt (unter der Aufschrift: the Jew Street) und eines über „die drei Moses," aus welchem wir folgende treffliche Parallelen hervorheden. „Die Israeliten zu Mosis Zeit kannten noch nicht das wahre Gesetz; die jüdischen Zeitgenossen Ma im uni's kannten es schlecht; M e n d e ls so h n's' *) Zeitgenossen hatten es schon vergessen. — Moses wirkte auf das Volk, indem er ihm die Vergangenheit in's Geoächtniß zurückritf, M a im u n i, indem er die Bedürfnisse der G e g e n w a 11 schilderte , Mendelssohn, indem er an die Zukunft es mahnte. — In Moses herrscht der Gesetzgeber, in Mainumi der Philosoph, in Mendelsohn der Dichter vor. Daher Moses droht, Maimuni ra'th, Mendelssohn unterhalt. — Alle drei waren denselben Verfolgungen ausgesetzt. Ein noch halb barbarisches Volk empörte sich gegen Moses; ein Bund gelehrtseinwollender Männer verbrannte die Werke Maimuni's, und ein pöbelhafter Hause unwissender Fanatiker schmälerte den Triumph Mendelsohn's. — Alle drei starben bevor sie die Früchte ihrer Werke sehen konnten, bevor sie den Traum ihres Lebens verwirklicht sahen: keiner von ihnen trat in das verheißene La n d." — 3. Ueber die Grund u n g *) Der vollständige Titel ist: The Occident, and American Jewish Advocate. A monthly periodieal devoted to the difl’u.sion of knoledge on dewish Literature and Religion. Under the ediiorial supervision of «isaac Leeser. Mit dem Motto: Dühh nwyi?i. *) Hr. Leeser berichtigt die matinees au Samedi, welche sagt, daß Mendelssohn die Bibel übersetzt hat, ist aber selbst in einen Fehler verfallen; denn weder Nut und das Klagelied noch Ester und Kohelet sind von M. ins Deutsche übertragen worden.

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