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Der Orient · 1843-06-13 · Heft 24 (13.6.1843) · p. Seite 191

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 24 (13.6.1843)
Article
[Nachricht]
Date
1843-06-13
Page
Seite 191 (sequence 2)
Language
German
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191 v. Kaisers selb, die Nachricht erhalten, daß die oberste Polizei- und Censurhofstelle in Wien den Verkauf des Kommentars ihres set. Vaters zum Alten Lestam. an Einzelne zulasse» Wir glauben im Interesse der Wissenschaft und der Erben des gefeierten Dichters die Leser des Or. in Gallizien, Ungarn, Böhmen, Mähren und im Erzherzogtum Oesterreich, namenilich auch die im lombardisch-venetianischen Königreiche darauf aufmerksam machen zu müssen. (In Leipzig sind 100 Expl. in der Rein'schen Buchhandlung niedergelegt; und auch mit Smid in Wien sind Unterhandlungen eröffnet). E. C. Mehre ungar. Kongregationen sollen beschlossen haben, ihre Deputaten dahin zu instruiren, daß auf die Anstellungsfahigkeit der Juden erst nach ihrer völligen Emancipation angetragen werden solle. Ist das nicht ein Zirkel, in dem man sich herumdreht? Am 25. März hat Dr. Goldenthal in Odessa zum ersten Male in deutscher Sprache gepredigt. Auch in Warschau hebt sich durch die Bemühungen des dortigen Predigers Hrn. Dr. G o t d sch m i d t (aus Krotoschin) der jüd. Kultus sichtlich. Licht- und Schattenbilder aus der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart. Das Haus Rothschild und die Juden in Deutschland. Ern Vorschlag zur Güte. *) Die Herren von Rothschild haben, wie die Zeitungen melden, 250,000 si. zur Erbauung eines neuen jüdischen Gotteshauses in Frankfurt und 100,000 Fr. zur Begründung eines jüdischen Hospitals in Jerusalem gespendet. Frankfurt ist die Vaterstadt dieser reichen Finanzfamilie, Jerusalem das Symbol des mosaischen Glaubens. Wir finden es natürlich, daß ein Mann an der Stelle, wo seine Wiege stand, und an dem Orte, welcher als die Wiege seines Glaubens betrachtet wird, ein Denkmal seines Daseins und seiner Pietät hinterlassen will. Es ist dies eine Privatsache, gegen die etwas einzuwenden Niemand ein Recht hat. Wohl aber hat man ein Recht zu fragen, warum der Deutsche, dem Kräfte und Verbindungen zu Gebote stehen, wie nie ein deutscher Handelsherr sie je besessen; der Israelit, der eine Macht in Händen hat, wie sie keinem seiner Glaubensgenossen je geworden; warum, kann man fragen, verwendet dieser Mann seinen Einfluß und seine Mittel nicht zu einem Werke, wofür ihm Deutschland im Allgemeinen und seine Glaubensbrüder insbesondere Dank wissen würden? Wir wollen uns deutlicher erklären. Ost und dringend ist in den letzten Jahren von der Notwendigkeit einer plangemäßen Organisirung deutscher Auswanderung gesprochen worden. Man hat das traurige Loos der schutzlosen deutschen Emigranten, die auf gut Glück sich einschiffen und oft nur schweres Unglück finden, mit den lebhaftesten Farben geschildert, während andererseits mit jedem Lage (wie die Noth im Erzgebirge erst wieder gezeigt hat) das Bedürfniß der Emigration sich neu herausstellt. Ist es nun nicht natürlich, wenn, indem man die Kräfte und Hebel mustert, mit deren *) Aus dem Grenzboten Nr. 22. Hilfe der Plan einer wohlorganisirten Auswanderung realisirt werden könnte, der Gedanke an das Haus Rothschild sich unwillkürlich zuerst austringt? Hat man nicht ein Recht zu sagen: Ihr, die Ihr die reichsten in Deutschland seid, unterstützt die ärmsten; nicht etwa durch Almosen und Geschenke, Ihr sollt Euch keines Groschens berauben, nur Euern Schutz, Euern Kredit schenkt ihnen. Stellt Euch an die Spitze einer großen Aktiengesellschaft, die Land ankaust, Schiffe miethet und den Auswanderern das Ueber- und Ansiedeln erleichtert und sichert. Millionen Menschen werden Euch danken. Ihr könnt Deutschland neue Gebiete in fremden Welttheiten erobern und das Mutterland durch Ableitung hemmender, krankhafter Säfte verjüngen. Ihr könnt einen richtigen Abschnitt in der Entwicklungsgeschichte des Vaterlandes beginnen und ein dauerndes Monument in der Geschichte der Humanität Euch begründen. Und dieses Alles ohne Schaden, ohne Opfer; blos durch Euern Willen, Euern Namen. Welch' ein beneidenswertes Loos! Freilich könnt Ihr sagen: Sollen wir schlichten Handelsleute den Fürsten in ihrem Berufe vorgreisen? Und wo sie, in deren Hände das Schicksal Deutschlands die Fürsorge für seine Volker, seine Familien, seine Zukunft von Gottes Gnaden gelegt wurde, unbeweglich zusehen, da sollen wir, die wir unsere Macht nur von der Gnade des Augenblicks erhielten, uns zu einem so wichtigen Werke als Vormünder und Führer aufwerfen? Nun denn, wir wollen vor der Hand das Große nicht von Euch fordern; aber versucht es im Kleinen. Kaufende Euerer Glaubensgenossen schmachten in Armuth und unter politischem und religiösem Druck. Noch werden viele Tage in Deutschland auf- und untergehen, ehe die Civilisation und die Erkenntniß des Menschenrechts den Sieg über Vorurtheil und bösen Willen davon getragen haben werden. Wie viele dieser Euerer unglücklichen Religionsbrüder ringen die Hände, weil man ihnen nicht erlaube, den Boden als Ackerbauer zu bearbeiten, weil man ihnen den Hausirersack

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