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Der Orient · 1843-06-13 · Heft 24 (13.6.1843) · p. Seite 190

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 24 (13.6.1843)
Article
Hamburg : Wochenbericht [Nachricht]
Date
1843-06-13
Page
Seite 190 (sequence 2)
Language
German
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190 der Halle" losschimpst, hat auch die Posse „Unser Verkehr" ausgebeutet, um (im dritten, eben erschienenen Theile seines Mefistofeles) nachträglich die vermeintlichen Judenumtciebe bei der Rhein. Zeitung zu enthüllen. Hr. Steinmann haust fortwährend Schmutz auf achtbare Persönlichkeiten aller Stande,' aller Konfessionen und aller politischen Ansichten. Dabei gebärdet er sich noch als Judenemancipationsvertheidiger und verspricht für die Fortsetzung seines „Mesistofeles" einen Aufsatz zu Gunsten der bürgerlichen Gleichstellung. Hoffentlich wird die Indignation, mit der man jenen dritten Theil überall, wo noch Sitte und Ehrgefühl walten, aufnehmen wird, die Welt vor dem Erscheinen eines vierten Theiles bewahren. Denn ein größeres Unglück könnte wohl den Juden nicht wiederfahren, als wenn sie sich der Protektion des Hrn. Steinmann zu erfreuen hätten. So sehr wir auch Cotta's Berserkecwuth gegen ihn und gegen seinen unschuldigen Kommissionär, Hrn. Friedrich Fleischer in Leipzig, getadelt haben und noch tadeln, so warnen wir doch alle Juden vor jeder Annäherung an einen so pöbelhast-gemeinen literarischen Raufbold, wie der besagte Oberlandesgerichtssekretär es ist. Bei voller Preßfreiheit müßte Hr. Steinmann augenblicklich schweigen, es wäre denn, daß er sich dem Spotte und der Verachtung aller Welt preisgegeben sehen wollte. — Ein norwegischer Schriftsteller, der Amtmann G. P. Blom, hatte in seinem (Leipzig, b. I. I. Weber) erschienenen Werke: Das Königreich Norwegen statistisch beschrieben, bei der Erwähnung des §. 2. des norweg. Grundgesetzes, welcher die Juden vom Königreiche ausschließt, geäußert: „Die Ausschließung der Juden ist als ein illiberaler Zug der norweg. Verfassung getadelt worden, und man hat diese Maßregel sogar als unpolitisch ansehen wollen. Indessen darf man bei der Beurtheilung dieser Frage nicht unbeachtet lassen, daß die Juden niemals in Norwegen geduldet worden sind*), daher ihnen**) durch diese Bestimmung kein Unrecht zugefügt worden, sondern nur das Vorstehende erhalten ist. Der polit. Werth (?) der Juden ist wenigstens in dem Grade zweifelhaftdaß es nicht der Klugheit (?) gemäß sein würde, ein Verhältniß zu veränden, wobei Norwegen bis dahin sich wohl befunden hat. Dazu fügt nun der ungenannte Verfasser der wackern Schrift: Grundgesetz des Königreichs Norwegen. Aus dem Norwegischen übersetzt (Königsberg, b. H. L. Voigt 1843. 46 S. 8. Pr. 6 Sgr.) folgende Anmerkung hinzu: „So weit der geachtete Schriftsteller (Blom). Zur Wir haben im vorigjährigen „Orient" ebenfalls auf diesen Mlderungsgrund aufmerksam gemacht, ohne dagegen die Schlüffe des H. Blom im Mindesten gutzuheißen. A. d. E. **) Aber wie steht es mit dem Principeder Freiheit und des Rechtes und mit dem Principien des norm. Grundgesetzes? Anm. d. Eins. Ehre Norwegens und zur Verherrlichung seiner trefflichen Verfassung wollen wir hoffen, daß die künftigen Storthinge die Abänderung dieses Paragraphen wieder aufnehmen werden und endlich den Juden dieses freie Land geöffnet werden wird. Hat sich ja doch auf dem letzten Storthinge (im September 1842) die Stimme für die Juden gegen früher sehr verstärkt vernehmen lassen". Oesterreich. Proßttitz, im April. Das fünfzigjährige Geburtssest unseres geliebten Landesvaters wird von seinen hiesigen Stiefkindern — den Juden — durch einen Akt von Mildthätigkeit noch besonders gefeiert werden. Unser Rabbiner, Hr. Fasset, hat nämlich in seiner letzten Pefach-Predigt die Gemeinde aufgefordert, außer der von der Regierung ausgeschriebenen Kollekte für die Nothleidenden im Erzgebirge noch eine besondere zu veranstalten, und bezog dies auf die Geburtsfeier Sr. Majestät des Kaisers von Oesterreich. — Gewiß eine würdigere und angemessenere Feier als das Lebehoch- Jauchzen der Menge. Perfonalchronik und Miseellen. Statistisches. In Breslau bestehen 9 öffentliche jüd. Armen-Schulen und 2 aus Privatstistungen, wozu auch 4 Kleiukinderschulen gehören, welche sämmtlich über 2000 Kindern Unterricht ertheilen. In mehren Zeitungen ist jetzt von der ärztlichen Hülfe die Rede, welche Sir Moses Montefiore den Juden.und allen übrigen Konfessionen in Jerusalem durch Zusendung eines Arztes und eines Apothekers auf seine Kosten angedeihen lassen will. Vielleicht die größte und blutigste Verfolgung, welche die Juden in Osteuropa erfahren haben, war diejenige, welche in die Jahre 1648 und 1649 fällt. Damals nämlich warfen die Kosaken in Verbindung mit tatarischen Stämmen das Joch der polnischen Herrschaft ab. In Podolien, Wolhynien, Litthaum und besonders in der Ukräne stoffen Ströme Blutes. Der Adel ließ meist die Juden im Stiche, aber diese widerstanden muthig jeder Verlockung zum Abfalle. Das Andenken an diese Begebenheit ist uns durch Buß- und Klagelieder jüd. Zeitgenossen aufbewahrt; auch bestehen noch manche aus derselben Quelle geflossenen histor. Zeugnisse dafür. Dahin gehört u. A. die Aufforderung, am 20 Siwan deshalb zu fasten. Sabbati ben Meir Kohen aus Wilna schrieb darüber die Megilla Asah; sie findet sich unter der Aufschrift: das fliegende Blatt, v. Dr. Fürst übersetzt, in I. P. Jordan. Slav. Iahrb. Heft 2. 1843. Leipz. M. B. Die Erben des seligen Hartwig Weffely haben vor Kurzem durch den kais. Lsterr, Gesandten in Hamburg, Herrn

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