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Der Orient · 1843-06-06 · 23 (6.6.1843) · p. Spalte 361-362

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
23 (6.6.1843)
Article
Die orientalische Anschauung, daß Gott bete
Date
1843-06-06
Page
Spalte 361-362 (sequence 2)
Language
German
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361 362 Hat Hippokrates die ausgesagt wird, so bedeutet es Barmherzigkeit und Vergebung der Aünden; wird daher gesagt, daß Gott für Jemanden betet, so verstehet man darunter, daß er sich dessen erbarmt und ihm die Sünden vergiebt." — Auf solche Weise, d. h. mtt strenger Sonderung des Sprachlichen und der orientalischen Eigenthümlichkeit vom Ethischen und Religiösen, glauben wir, müsse die Äagada erläutert werden. A. Ink. * * * Hat Hippokrates die Beschneidung gekannt? *)+ Bekanntlich herrscht über diese Frage, ob wir bei Hippokrates, dem Vater der Medicin, der alle ihre Gebiete mit eben so umsichtigem Scharfblicke, als tiefer gründlichen Kenntniß umfaßte, die Operation der Beschneidung, wie sie zu seinen Zeiten bei den Völkern des Orients, namentlich den Israeliten gebräuchlich war, erwähnt finden, bei allen Schriftstellern ein bisher noch nicht zur Entscheidung geschlichteter Streit.- Ein Beitrag zu dieser Kontroverse dürste daher nicht unwillkommen sein, und es ist mir angenehm, einen solchen hiermit zu liefern im Stande zu sein. In einer der Hippokratischen Schriften und zwar in einer der echten, die nach dem Zeugnisse aller kompetenten Richter von den eigentlichen und wahren Kosischen Hippokrates verfaßt ist, nämlich in den Koflschen Sprüchen, utQoyvcSGetg nocexc'l, praenotiones coacae, findet sich folgender merkwürdiger Satz*): vsvqov diuKoitsv 7} yvd&ov to IsTtzov rj äyiQOnoGfi'ir} ov GOf-icpazcu. Duret übersetzt diese Worte ^): Nervus resectus, aut quod in genu est tenue, est praeputium, non coalescit. Da die Kosischen Sprüche bei allen Nachfolgern des Hippokrates, gleich denen des Orakels, als wahr und unumstößlich gelten und die Hippokratischen Schriften überhaupt in der medicinischen Welt aller Zeiten bis auf die neuere, die sich davon, sowie in andern Stücken, zu emancipiren suchte, eine Autorität erlangten, die man füglich mit der in Parallele stellen kann, welche die heilige Schrift in der theologischen Welt gewonnen hat; so versuchten die Exegeten und Uebersetzer des Hippokrates, von Galen bis auf die letzte Zeit hinab, alle dunkeln Stellen zu erläutern, und so viel als möglich der Wahrheit anpassend, sie mit der Erfahrung der Spärern in Einklang zu bringen. So ging es auch mit dieser Stelle. Ohne uns in eine weitläufige Diskussion über die Bedeutung des Wortes vevqov als Niere oder Sehne, und über die Versuche der Regmera- *) Hr. Dr. Berg son, der im vorigen Jahrgänge dieses Blattes einen so ausführlichen Aufsatz über die Beschneidung der Israeliten mitgetheilt, wird den medicinischen und kritischen Lheil dieser Abhandlung in einer eigenen Schrift ediren, so daß diese Abhandlung für dm Orient als geschlossen anzusehen ist. Red. 1) Magni Hippocratis Opera omnia ed. C. O. Kühn. Lipsiae 1825. 2) L. Dureti Interpretatioraes in Hippocr. Coacas praenotiones. Edit, nova, Lugdun. Bat. 1737, pag. 400. Beschneidung gekannt? tl'vn und das Wlederzusammenwachsens der durchschnittenen Sehnen und Nieren einzulaffen, wollen wir bloß hi dem dritten Kheil des Satzes, daß nämlich die abgeschnittene Vorhaut nicht wieder anheilt, etwas verweilen. — ' Zuvörderst, ,was den griechischen Ausdruck für Vorhaut a%Q07toGQ'L7) betrifft, so sind die Ansichten über die Bedeutung dieses Wortes und den Sinn, den Hippokrates damit verband, sehr getheilt. Die Etymologie dieses aus mqos (spitzig) und tzqg&Lt] zusammengesetzten Ausdrucks, läßt Hinsichts der Bedeutung des zweiten Wortes: KoG^ir^ mehre Deutungen zu: noGftr} nämlich heißt bei Aristophanes das männliche Glied selbst, demnach würde dHQonoG&irj die Spitze desselben, also die glans penis, die Eichel, bedeuten. Indessen führt das Dinunutivum nocfrcov lateinisch putium bte Bedeutung von Vorhaut mit sich. Der Grammatiker *£Iqos (Grus) leitet das Wort nocfri] von 7zo&r], die Sehnsucht, Wollust, Liebe her, womit vielleicht das französische putee (von putium) zusammenhängt, wenn man es nicht lieber von puteus ableiten wollte. Merkwürdig ist der Zusammenhang des Wortes putium mit dem puto (beschneiden) wie es namentlich im Worte amputo vorkommt, woher die Göttin?uta, die dem Beschneiden der Bäume vorsteht, nach Arnobius ihren Namen erhalten zu haben scheint. Der Grammatiker Pollux bezeichnet mit dem Worte tcog&t] die Vorhaut. Sonach würde ccKQonoG&La die äußerste Spitze der Vorhaut bezeichnen. Dieser Ansicht tritt Galen, der geistreichste aber auch flüchtigste Kommentator der Hippokratischen Werke, in Bezug auf unsere oben angeführte Stelle bei. Ihm folgen Rufus und Gorräus, welche sämmtlich das Wort d%Q07toG&i7] an unsrer Stelle für den vordern äußern Mündungsrand der Vorhaut, da wo die äußere und innere Platte am vordern Rande als Dnpplikatur der Haut in einander übergehen, auffassen. So sagt Letzterer ^): d-xQ07toGnHcc praeputium, cutis, quae glatidem integit, non totuni praepulium significat, sed eam modo praeputii cutieulae parteni, quae prominet. Auch Rufus erklärt d^gonoG^iov mit den Worten: t6 sG%ecTcv zfjg noG&rjs. Andere Erklärer wieder, an deren Spitze jenen gegenüber Duret steht, nehmen an, daß Hippokrates mit diesem Worte die ganze Vorhaut gemeint habe und nicht blos ihre äußerste Spitze. Er sagt nämlich*): duQonoGd'ir} praeputium i. e. extrema cutis, quae tegitur glans pudcnti^ et pars illa circumciditur verpis Judaeis, infantibus octo dierum in signum dudaesmi quia est regenerandi et accrescendi expers. Duret scheint hier das Experiment des Epispasmus, bei dem eine gewisse Art von Regeneration auf künstliche Weise bewirkt wird, entweder nicht gekannt oder übersehen zu haben. In demselben Sinne, wie später Duret, haben die LXX. dieses griechische Wort aufgefaßt, indem sie das hebräische Wort 3) Jo. Gorraei Definitionum medicoruin Libri XXIV. Francof. a. M. 1578. pag. 18. 4) Lc.

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