Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1843)
- Article
- Wiesbaden : Instruktion für die Vorstände der isr. Kultusgemeinden des Herzogthums [Nachricht]
- Date
- 1843-06-06
- Page
- Seite 184 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- correspondence
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2360092-2360256-2360280--3500-2369547- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
184 Herzog!. Amte berichtiget, im Anfänge.eines jeden Jahres aber durchgegangen , und Ab- und Zugang der einzelnen Steuerquoten darin bemerkt. Die Aufstellung eines Ecganzungskatasters findet im Laufe des Jahres nicht statt, sondern die Matrikel wird im Anfänge des Jahres revidirt und für das ganze Jahr festgesetzt) dev festgesetzte Steuerbetrug muß für das ganze Jahr entrichtet werden, auch wenn wahrend des Laufs desselben der Besteuerte aus der Gemeinde austtitt. (Beschluß folgt.) Oesterreich. Pilsen, 28. Mai. Am 24. Mai starb hier Hr. Leopold.Hochh auser, Doktor, der Medizin, in seinem 38. Lebensjahre. Wie sehr der Verewigte von Allen geachtet und geliebt wurde, welches Vertrauen er sich als Arzt erworben hatte, dies zeigte sich bei seinem am 26. Mai erfolgten Leichenbegängnisse. Eine Menschenmenge aus allen Einwohnerklassen folgte feinem. Sarge; sammtliche Doktoren in schwarzer Kleidung, viele Beamte, Professoren, Offiziere, Bürger, so wie Damen aus der Elite, der Gesellschaft, begleiteten die Leiche. . Diese Pietät von Seiten der christlichen Einwohner für einen Israeliten, gibt einen schönen Beweis von dem Bildungsgrade unserer Stadt, und ich behaupte, daß keine andere Stadt unserer Provinz sich eines ähnlichen Aktes rühmen könne. Der Hingeschiedene verdiente aber die ihm gewordene Theilnahme und Anerkennung auch in vollem Maaße, und,die Trauer um ihn ist nur eine gerechte zu nennen. Die Ursache des Todes war eine langjährige Lungenkrankheit, gegen welche alle Bemühungen der Kunst fruchtlos waren. Trotz des eigenen Leidens war er für feine Kranken stets der freundlichste, thäügste und. unverdrossenste Arzt, und obgleich er nicht seltenkränker war als der Patient zu dem ec gerufen wurde, so verweigerte er seine Hülfe doch nie, auch da nicht, wo er kein Honorar zu hoffen hatte. Er hinierließ eine, trauernde Witwe und zwei Knaben, deren ganzes Erbe in dem guten Rufe besteht, den der Selige sich erworben. Der Leichenzug bewegte sich aus der Wohnung des Verstorbenen in der Stadt durch die Schulgasse, Reichsgasse und Reichsvocstadt, wo der Sarg von den schwarz gekleideten Trägern, auf einen freien Platz niedergesetzt wurde, und wo der, dem Sarge vorgeschrittene Herr Kreisrabbiner A. Kafka eine würdige, auf die Verdienste des Tobten hinweisende Rede hielt. Nach Beendigung derselben fetzte man die Leiche^ aus einen Wagen, und brachte sie, da hier kein jüdischer Gottesacker ist, nach dem zwei Stunden entfernten, in Tuschkau befindlichen Beerdrgungsorte. Mehre Chaisen mit christlichen Einwohnern hiesiger Stadt, worunter' eine sehr hochgestellte Dame, deren Hausarzt der Verblichene ' ebenfalls gewesen, der genannte Herr Kreisrabbiner und mehre jüdische Bewohner, die -ihm durch Freundschaft : oder Verwandschaft näher gestanden, geleiteten ihn noch bis zur letzten Ruhestätte, wo er den Schlaf schläft? dem das schönste Erwachen, das- Erwachenim Him- : mel folgt.; Boseotvitz, 30. April. Die österreichische Regierung, welche, wie ich früher berichtete, zwischen dem Landrabbinate und Kreisrabbinate schwankte, scheint wieder dem Landrabbinate mehr geneigt zu sein, und somit ' wären die Gründe, welche ich, im Sinne der intelligentesten Männer in Mähren, gegen die Einführung von Kreisrabbinen vorgebracht, überwiegend gegen diejenigen, durch welche eine schwache Partei sich veranlaßt fand, dem Kreisrabbinate den Vorzug einzuräumen. Wen die : Wahl treffen wird, läßt sich, bei so vielen tüchtigen und gelehrten Rabbinen, welche in unsecm Lande sind, noch nicht bestimmen. Personalchronik und Miseellen. Statistisches. Einem jüngst erschienenen Handbuche für Reisende von Neigebaur entnehmen wir folgende statistische Notizen: TU ton a zäijtt über 2,000 Juden, Berlin gegen 6,000, Frankfurt a. M. 5,000, Glogau 1,500, G n e se n 1,300, Güstrow 2,00, Hamburg 10,000, Karlsruhe 1,100, Pesth mehr als 8,500, Posen 9,000, Prag 8,000, Preß bürg über 5,000, Wi en 1,600 und Würzburg 800. — Der neuesten amtlichen Zählung zufolge leben in Rom 828 jüdische Familien mit 3732 Seelen. Eine mir eben zu Händen gekommene neue Arbeit des Herrn Dr. Kley, auf die ich in Ihrem Litteraturblatte nächstens ausführlich zurückkommen werde, verdient von jedem jüdischen Pädagogen berücksichtigt zu werden. Zwar sind wir in den Letzten Jahren mit jüdischen Lesebüchern, Fibeln und Kalendern reichlich versorgt worden; aber keine dieser Produktionen dürste dem Zwecke der Jugendbildung überhaupr und der israelitischen insbesondere, wenige überdies der Tendenz, gerade der Element arklasse einer sehr zahlreich besuchten jüdischen Volksschule so durchaus entsprechen, wie „die erste Morgengabe" zur Lehre und Bildung. Gesammelt milbesonderer Rücksicht auf die israelitische Schule von Eduard Kley, Dr. — Grünberg und Leipzig. Druck und Verlag von W. Levysohn. 1843. XVili. und 94 S. kl. 8. In Oesterreich soll noch immer eine Schulverordnung. 'existiren, die ausdrücklich besagt: daß Judenkinder, welche ein Gymnasium besuchen wollen, mit einer schriftlichen Erlaubnis, der Landesregierung versehen sein müssen. Verlag von E. L. F r i tz s ch e. Druck von I. H. Nagel.