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Der Orient · 1843-06-06 · Heft 23 (6.6.1843) · p. Seite 180

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 23 (6.6.1843)
Article
Hamburg : Wochenbericht [Nachricht]
Date
1843-06-06
Page
Seite 180 (sequence 2)
Language
German
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180 Ascher Ge,rmal.korrsriL in Paris geworden. —- 'Das Hannöver'sche Judengesetz wird, dem Hamb. Korresp. vom 19. Mi zufolge, jetzt in Vollzug gesetzt. Die.bisher „Schutzgeld" genannte Abgabe heißt fortan Domanialsteuer. Geehrte und Künstler scheinen davon befreit zu sein. -- So haben sich denn die Gesetze überall im alten Anstande.erhalten, wahrend die Sitten wunderbare Veränderungen d^urchgemacht haben. Man lese z. B. die Beschreibung eines jüd. Volksfestes vor 100 Jahren zur Feier der Geburt Josephs. II. in Prag, die kürzlich im „Vaterland" zu/finden war, und man wird eine theils erfreuliche, theils wehmüthige Parallele mit der Gegenwart ziehen können. — Nur in Polen und Rußland müssen sich. auch, die Sitten neugestalten; doch vergesse man ja nicht, daß dort von christlicher Seite Vieles geschehen muß-, ..ehe eine durchgreifende Reform möglich ist. Ich werde darauf nächstens bei Gelegenheit der Mittheilung. eines Briefes des schristl.) polnischen Gelehrten Jean. Ezynski in Paris an Dr. Cahen, Red. der Arcli. i^raeliles, zurückkommen, den das Supplement zum Constitutionnel vom 14° Mai bringt. — Aber wir haben gar nicht nöthig, unfern Blick in die Ferne.schweifen zu lassen, wir können uns, wenn wir uns ganz in der Nähe umsehen, hinlänglich überzeugen, daß Ezynski Recht hat, wenn er sagt: Statt die Israeliten (zur Reform) vorzubereiten, müsse man die russischen und polnischen.Adeligen vorbereitendie Juden als Brüder und Mitbürger' zu betrachten. — Setzen wir anstatt des slavischen Adels unsere deutsche Bürgerschaft in Hamburg — und der Wahrheit ist kein Quentchen Eintrag geschehen. — Wie treffend ist es daher, wenn Herr Dr. Salomon in seiner neuesten Predigt 15 f.) sagt: „Fragt, fragt,-wem unsere Stadt, das Meiste verdankte in jenen unglückseligen Tagen und späterhin? Wem? Keinem Leichtsinnigen, keinem Pflichtvergessenen! nur den pflichtgeitttttlt Seelen in allen Klassen, in allen Ständen in allen Glaubensbekenntnissen! Sie sind das Salz der Erde, der Segen der Stadt, das Heil des Landes!" ,,Was haben wir mittel- und unmittelbar nach dem großen Brande erfahren?" „Daß kein Mensch, kein Haus, keine Familie, am allerwenigsten aber die große Familie des. Staates sich sicher wahnen, sich untrüglich wähnen, sich unfehlbar wähnen darf in ihren Verfassungen, in ihren Anordnungen. Die Zeit, m. Br., ist das „Ewig-Bewegliche", sie zerrt und rüttelt an den künstlichsten Maschinen; da setzt sie Rost an; dort löst sie ein Band nach dem andern; hier lockert sie, was *). Das Denk- und Dankfest. Eine zur Erinnerung an Hamburgs großen Brand am 6. Mai 1843 gehaltene und auf Verlangen dem Druck übergebene Predigt von Dr. Gotthold Salomon. (Preis 4 Schill.) Hamburg. Gedruckt in der Ofsicin v. I. I. Halberstadt. 18 S. 8. fest war;, dortnagt und zernagt sie mit ihrem scharfen Zahne so lange, bis unausfüllbare Lücken entstehen. Da müssen die Wächter das Auge immerdar offen halten und suchen und prüfen, ob nichts einzurichten und aufzubauen, ob nichts zu erneuern und zu verjüngen da sei. Wo nicht gesucht, nicht geprüft, nicht gewacht wurde, da ist jedesmal Unheil entstandenda sind Städte und Länder zu Grunde gegangene Alte'und neue Geschichte geben dasselbe Zeugniß.. . Leichen kann man einbalsamicen; dann werden es Mumien; aber zum Leben bringt ihr sie nicht; Leben gebt ihr ihnen nicht; ihr könnt sie schmücken und zieren; ihr könnt sie in dieselben Gewänder kleiden, die sie in ihrer Lebzeit getragen — .aufgeputzte Mumien find auch Leichen, ihr möget sie in den Andachtshäusern oder in dm Rathhäusern erhalten wollen." Und auf der sechszehnten Seite sagt der Redner: . . . der Bürger, der Einwohner, der Mensch soll neu werden, der Mensch!" — Doch — wozu noch mehr der Anführungen, wo die ganze Predigt, wozu der Parallelen, wo unzählige Zeitereignisse zur Eintracht unter uns, zur Anerkennung unserer Menschenrechte mahnen oder doch mahnen sollten. PJBeriitt, 20. Mai. Es cirkulirt hier in höhern Kreisen die Abschrift eines Schreibens des Dr. Frankel in Dresden, an den Minister der geistlichen Angelegenheiten, Eichhorn, welches wohl von Seiten des Ministeriums die Bestätigung der auf Dr. Frankel gefallenen Wahl zum Oberrabbiner in Berlin, sehr verzögern, vielleicht dieselbe ganz verhindern dürfte. Man sieht hier mit vieler Spannung dem Resultat entgegen, da sich an dieses Schreiben drei Lebensfragen knüpfen: 1) ob das projektirte neue Korporationsgesetz, wie es hinsichtlich der Juden in Aussicht gestellt war, nun gänzlich als aufgegeben zu betrachten sei; 2) ob die jüdische Konfession, die bis jetzt nur eine geduldete im Staate war, in Zukunft durch die Bestätigung, wie sie Dr. Frankel verlangt, rechtlich anerkannt werde; 3) ob gegen das Missionswesen der offene Kampf begonnen und die offene Sprache geführt werden darf, wie es der Briefsteller unumwunden ausspricht. — Da dieses Schreiben hier allgemeiner bekannt zu werden scheint, so stehe ich nicht an, es Ihnen wörtlich treu hier mitzutheilen. __ „Ew. Exrellenz! Wenn ich einen Schritt wage, der an Kühnheit grenzt und in den Augen des minder tiefblickenden einer Mißdeutung ausgesetzt sein könnte, so wird vor der tiefen Einsicht, mit der Ew. Ercellenz die Verhältnisse durchschauen undsie nach ihrem wahren Werthe zu würdigen wissen, das Auffallende schwinden und werden Hochderoselben hier nur das Streben nach Wahrheit und Offenheit erkennen. Die Wahrheit, die des Redlichen höchstes Gut sein muß, fordert mich aus, mit dem offenen Bekenntniffe meiner Ansichten hervorzutreren und sie dort niederzulegen, wo allein, nach

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