Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1843-06-06 · Heft 23 (6.6.1843) · p. Seite 178

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 23 (6.6.1843)
Article
Leipzig: Auszug aus der erwähnten Schrift
Date
1843-06-06
Page
Seite 178 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2360092-2360256-2360280-2369503--3480-2369541
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

178 ist bekannt. In allen Städten sind bestimmte Gabbaim für . die Palästina-Spenden bestimmt, die dafür Sorge tragen, daß die dort gesammelten Beiträge gehörig nach Amsterdam geschickt, uird die von da pünktlich alle drei Monate nach Jerusalem befördert werden. Die Verkeilung daselbst geschieht nach einem von Alters her festgesetzten Maaßstabe; Jerusalem nämlich erhält, wegen der großem Zahl feiner jüdischen Dürftigen, einen größer» Antheil. Hr. L, hat das Talmudstudium in Jerusalem befördert, dadurch daß er die damit sich Beschäftigenden unterstützte; er hat das Bet-Ha-Midrasch L i f e r e t Iisrael begründet, wo sehe fleißig der Talmud traktirt wird. Das hat Hr. Hicschel Lehren gethan, und diese seine Thätigkeit hat er stets ohne Herrsch- und Ehrsucht geübt; mit Gewissenhaftigkeit wird von ihm über alle Beiträge Buch geführt, und die kleinste Verwendung wird ausgezeichnet und darüber Rechenschaft abgestattet. Sein Buch ist für Jedermann offen, er fordert jeden auf, zu ihm zu kommen, und mit eigenen Augen in den Büchern alles dahin Gehörige nachzurevidirerr. — Und dieser Mann wird von verschiedenen Seiten angegriffen, zuerst soll der Ausgesandte Hr. A. Seelig Hrn. Lehren angeschwärzr haben und in entfernte Länder wurden seine Worte gesendet. Zwar hatte Hr. Seelig bei seiner Auswanderung die besten Zeugnisse, Ermächtigungen und Unterschriften, aber es war nicht vorauszuseheu, daß er Verdächtigungen über Lehrens Verfahren ausstreuen wird. Dieser A. Seelig wird nun von dem Komito in Amsterdam, so wie von den Angestellten desselben in Jerusalem nicht nur desavouirt, sondern mit der größten Härte verfolgt und verflucht. Der Zweite, welcher Einwendungen wagt, ist Hr. L. H. Löwen stein, der in einem Schreiben an Hrn. I^ M. Kulp in Frkf. a.M. sieben Anklagepunkte gegen Hrn. Lehren aufstellt. Gegen Löweüstein und Seelig werden nun die bittersten Klagen geführt, und zwar gestützt auf die Uneigennützigkeit des Hrn. Lehren; daher die Anklage gar nicht widerlegt werde. — Das ist der ganze Inhalt der Vertheidigungsschrift aus Jerusalem, die zwar nicht vertheidigt, sondern über die Anklagen sich entsetzt. Außer H. A. Gag in, der sich Oberabbiner unterschreibt, sind noch die Individuen unterzeichnet: I. Farhi, P. Saragossi, M. B. M. Danon, I. Finei, I. F. Hacohen, R. P. Misrachi, H. M. Pisanti, D. Alkalli, D. A. Karig, E. Peretz, I. Samero, N. S. I. Arwetz, und es ist sehr zu bedauern, daß nicht angegeben wird, welche Funktionen diese Männer bekleiden, und welches Recht sie haben, für Hrn. Lehren einzustehen. (Fortsetzung folgt.) Algier. Nismes, 17. Mai. Der Namenstag des Königs der Franzosen ward in Algier in der Synagoge der Juden besonders feierlich begangen. Nach dem Gottesdienste, welchem die höchsten Autoritäten -er Stadt Algier beiwohnten, hielt der erste Rabbiner, Amar, welcher zugleich Adjunkt des Maire der Stadt ist, eine Rede, worin er im Namen seiner Glaubensgenoffen die Dankbarkeit derselben gegen die Regierung des Königs aussprach, wodurch die Juden der Regentschaft aus der tiefsten Erniedrigung zu den Rechten eines freien Volks erhoben worden sein. D.A.Z. Deutschland. Berlin- 29. Mai. In Nr» 21 des Orients findet sich ein Aufsatz, datirt „aus dem Badischen," abgedruckt, der über angebliche Wahlumtriebe von Seiten der orthodoxen Partei bei der Besetzung des erledigten Karlsruher Rabbinats Beschwerde führt *). So löblich und gerecht ein gewisser Eifer gegen derartige Misbräuche und Umgehungen des Gesetzes jedem Unbefangenen erscheinen muß, so verdächtig wird er, sobald er durch Uebertreibung und Entstellung der Wahrheit, durch Verkleinerungssuchr und Herabsetzung ehrenhafter Männer sich selber das Siegel der Parteilichkeit aufdrückt. Dieser Vorwurf trifft jenen Artikel in verdientem Maaße, da der Vs. bei der Darstellung dieser Wahlintriguen sich erlaubt, zugleich den Kandidaten, einen im Amte stehenden, von seiner Gemeinde wie von der Behörde gleichgeachteten wissenschaftlich gebildeten Rabbinen, auf den nach seiner anerkannten Ehrenhaftigkeit auch nicht der leiseste Verdacht derartiger Machinationen fallen kann, in ein gehässiges Licht zu stellen und in hämischer Weise Würdige zu verdächtigen. S» läßt er ihn, „nachdem er im Inlande" lange vergebens auf eine Stelle gewartet „haben soll," endlich d. h. im vier- oder fünfundzwanzigsten Jahre schon, „in einem hannöver'schen Winkel" — nicht gerade Krähwinkel, sondern es ist nichts als ein Schmollwinkel unseres Freundes Anonymus — ein Unterkommen finden; stempelt ihn in der Eile zu einem „Geisteskind der Orthodoxen," sieht ihn dann in einer prophetischen Anwandlung als „frommes, lenksames Schäfchen" schon in der Residenz zum Aergerniß vieler, die doch schon wenigstens Schaase oder gar „erleuchtete Hirten" abgegeben härten und dedieirte ihm endlich zum Abschied noch das allerliebste Wortspiel eines „ausländischen obskuren Obskuranten." Die Stimmung des Verf's charakterisirt sich in diesen wehmüthigen Termen so vollkorn-' men, daß jede weitere Apologie ein Luxus wäre; auch zeugen die Schöpfungen jenes achtbaren Rabbinen, die Gründung eines jüd. Handwerker - Vereins, die Einführung des Choralgesanges und seine gediegenen deutschen Predigten, die Konfirmation, die Abschaffung mancher veralteter Gebete und Gebräuche re. nicht eben für seinen Obskurantismus. Das Räthsel übrigens, wie es nur geschehen sein mag, daß eine unreine *) Der Red. erklärt, daß er keineswegs jenen Artikel ausgenommen haben würde, wenn er gewußt, daß ein achtbarer und würdiger Gelehrter, der freilich nicht genannt, das Ziel des Angriffes gewesen. Red.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.