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Der Orient · 1843-05-30 · Heft 22 (30.5.1843) · p. Seite 174

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 22 (30.5.1843)
Article
Prag : Hrn. M. J. Landau's Streben für die pol. Freiheit der böhm. Juden [Nachricht]
Date
1843-05-30
Page
Seite 174 (sequence 2)
Language
German
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174 uns machte, nicht abhalten, Recht zu verlangen, die Aufhebung drückender Steuerlasten zu fordern, zu welchem Zwecke er sich auch gegenwärtig in Wien befindet. Zwar kann.ec nicht Freiheit, dem ganzen Inhalte nach, fordern wie dies leicht einleuchtet, wenn man die österreichische Verfassung nicht aus den Augen ver«' liert —; allein das raKse und muthige Arbeiten an unserer, wenn auch nur successtv sich verwirklichenden, Freiheit, zeugt von seiner Geistesstarke, von seiner innern Energie und seiner würdigen Verwaltung des Vorsteheramtes. Wie kleinlich und armselig erscheint nun, dem Streben eines solchen Mannes gegenüber, der Nimbus der Frömmigkeit, der seit der „Reisfrage" um das Haupt unserer geistlichen Vorsteher strahlt. Egev, 12. Mai. In dem Orient Nr. 7 d. I. werden von einem Prager Korrespondenten mannigfache Glossen über das Verfahren der böhmischen Kreisrabbiner ' bei den Prüfungen der Brautleute gemacht, und wird dieses als willkührlich und gewissenlos bezeichnet. Daß nun der Berichterstatter, in wiefern er den Stab über alle böhmische Kreisrabbmer ohne Ausnahme bricht, nicht minder gewissenlos beii seinem Berichte zu Werke gegangen; möge vor allem Anderen die einzige Thatsache idie man auch durch amtliche Aktenstücke zu dokumentiren sich erbötig macht), deutlich beweisen, daß die in Rede stehende Aufforderung von Seiten der Regierung an sämmtliche Kreisamtec, in Beziehung der;jura stolae einem Kreisrabbiner und zwar dem saazer und elbogner Kreisrabbinec Ärn. S. Sachs ihr Entstehen zu verdanken habe. Dieser Rabbiner hat schon Lm Jahre 1840 das-Ansuchen bei der hohen Regierung eingebracht, daß der alles rechtliche Gefühl beleidigenden und entwürdigenden Stellung der böhmischen Kreisrabbiner, eine andere Gestaltung gegeben, die Pflichten derselben in ihrem ganzen Umfange genauer bestimmt, der Gehalt festgesetzt und die Sporteln entweder ganz aufgehoben oder taxirt werden. Bei dieser Gelegenheit gestand er es offen und frei, daß er in dieser prekären abhängigen Lage, nicht gewissenhaft die ihm obliegenden Pflichten erfüllen könne. Um dieser Petition einen um so wirksameren Erfolg zu sichern, reiste er zu Ende desselben Jahres nach Wien und machte persönlich bei der betreffenden Behörde die geeigneten Vorstellungen. Dieses Streben hatte nun den Erfolg, daß im Jahr 1842 die Bestimmung von Seiten der hohen Regierung getroffen wurde, daß den böhmischen Kreisrabbinern ein jährlicher Gehalt von 300 bis 400 fl. CM. ausgemittelt werde (wornach benanntem Kreisrabbiner der Gehalt von 360 fl. CM., dem pilsner und klattauer von 400 fl. CM. rc. zugewiesen wurde). Da nun wie leicht 'zu ersehen, diese Dotation keineswegs hinreicht, um die erwünschte Unabhängigkeit der Rabbiner zu erzielen und man ihnen auch andere Emolumente zugestehen mußte; so war Nichts natürlicher als, um allen Uebelständen vorzubeugen, eine Regulimng in Betreff der jura stolae einzuleiten. Daher die erwähnte Aufforderung an sämmtliche Kreisämter Böhmens. Uebrigens findet obenerwähnter Artikel seine vollkommene Berichtigung, in dem Berichte über Böhmen., in den Nrn. 19, 20, 21 der. israelitischen Annalen, Jahrgang 1840, der mit weit mehr Sachkennrniß und weit weniger Leidenschaftlichkeit gegeben ist. Licht-und Schattenbilder aus der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart. Der Emancipatümskampf i m Friefenland. Der Kampf um Freiwerdung der Zuden ist in Deutschland, wo auch die Bekenner des Christenthums nach einer Abstreifung der mittelalterlichen Formen ringen, und um gesetzliche Freiheit streiten, ein allgemeiner geworden. Nicht blos in den konstitutionellen Staaten Deutschlands, wo man durch wortreiche Debatten die Freiheit hinzuhatten sucht, nicht blos in .Preußen, wo der christliche Staat exclusiv auftritt, nicht blos in Oesterreich, wo man die mittelalterlichen Elemente nur unter schweren Koncessionen flüßig machen will, sondern bis in die kleinste Region des Germanismus ist dieser Kampf gedrungen, und in diesem Kampfe wird auch zugleich für Deutschland gekämpft. Keine Provinz, keine Stadt, kein Flecken kann mehr diesem. Kampfe entgehen; die Provinziallandtage in Preußen haben diesen Gegenstand in den Kreis ihrer Benutzungen

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