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Der Orient · 1843-05-30 · Heft 22 (30.5.1843) · p. Seite 173

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 22 (30.5.1843)
Article
Aus dem Würtembergschen
Date
1843-05-30
Page
Seite 173 (sequence 2)
Language
German
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173 Bürger" spricht den Kreis, für den es geschrieben, sebc an. — Es wäre wünschenswert!), wenn es unter unfern Glaubensgenossen allgemeine .Verbreitung fände; mancher Prediger thate besser daran, dieses Schrifrchm in Privatcirkeln vorzulesen, als ein zusammengestoppeltes Plagiat aus den Stunden der Andacht Zollikofers und Reinhardts Predigten von der Kanzel herab zu verkünden. Die Liebe zum bescheidenen, thacigen Gewerbsstande ist leider noch nicht in der Masse unsres Volks heimisch; Geldaristokratie und Prunksucht treiben immer noch ihr Unwesen und wollen nicht aufbören die ullinia raLio zu bleiben. Den größten Einfluß in einer Gemeinde übt der, der die meisten Kronenthaler marschiren lassen kann, nicht bedenkend, daß wie der geniale Auerbach sagt: „Oer edelste Einfluß auf Erden der ist, den man auf einen Charakter ausübt; wer das thut, vollführt eine große Handlung, wie beschrankt und dunkel auch seine Lebensstellung sein mag. Der Vater und die Mutter einer unbemerkten Familie, die in ihrer Zurückgezogenheit nur eines einzigen Kindes Seele zu dem Gedanken der Liebe und vollkommenen Güte erwecken, die eine .Willenskraft in ihm wach rufen, die jeder Prüfung Widerstand zu halten vermag, und die dann ihr Kind hinaussendm, um aus den Kämpfen des Lebens Nutzen zu ziehen, diese Menschen überragen an Einfluß einen Napoleon, der die Wett unter seinem Herrscher-Stab zerbricht. Und nicht bloß der Art und dem Wesen nach ist das Werk dieser Menschen ein höheres, wer weiß, ob sie nicht auch an Umfang und Ausdehnung ein größeres Werk vollbringen als jener gewaltige Eroberer. Wer kann ermessen, wie das Wesen, dem sie heilige und uneigennützige Grundsätze einflößen, wiederum seinen Einfluß aus andere aüsüben wird; von Herz zu Herz, von Geist zu Geist kann von ihm aus eine unendliche Kette edler und heiliger Bestrebungen sich bilden, und so kann sich die Veredlung über eine ganze Nation, ja über die ganze Welt ausbreiten, und jene stillen Eltern sind der Ursprung und die Quelle dieser unendlichen Macht re." Den Werth der Schrift von dem Standpunkte der Wissenschaft aus zu beuccheilen, will ich gelehrten Kritikern überlassen, daß sie auf viele Gemüther wohlthatig einwikkl, Gutes weckt und stärkt, ist gewiß. Möchten Geistliche und Lehrer diese Schrift in ihren Gemeinden verbreiten, besonders da die Verlagshandlung durch den niedriggestellten Preise sie kostet nur 36 Kreutzer, die Anschaffung auch für Unbemittelte möglich gemacht hat. A. Leipzig, 29. April. Die Identification der Junghegelianer mit „Judenjungen" wird den Lesern periodischer Blätter wohl bekannt sein. Daß ferner Herr Wolfgang Menzel, der Judenfeind par excellence, auch unter den Althegelianern verkappte Juden wittert, wird dm Lesern seiner Schriften ebenfalls nicht entgangen sein.. Daß aber die ganze Zuhörerschaft des Prof. M arheineke in Berlin eigentlich Juden sind und nur den Namen Christen führen, wird nicht einmal einem Berliner geträumt haben; und. doch behauptet es Hr. Menzel in dem von ihm redigirten Literaturblatte Nr. 40, in einer Recensi'on der letzten Schrift Marheineke's: zur Kritik Schellingischer OffenHlrungsphilosophie. „Wahrscheinlich", sagt Hr. M., „versteht der gute Prof. Marheineke unter dem Volke, in welches der metaphysische Geist eingedrungen sein sott, die zahlreiche literarische Jugend, in der bekanntlich eine jüdische Gesinnung die christliche überwiegt, und die zu derselben antichristlichen Fahne Hegels geschworen hat, wie der gute Prof. M. selbst." Herr Marhemeke wäre demnach ein jüdischer Prof, an der Universität zu Berlin! Oesterreich. Proßnrp, im April. Die vielgepriesene christliche Liebe, welche in der Dogmatik so schön klingt, bringt im Leben gewöhnlich lauter schrillende Mistöne hervor. So trug es sich vor noch nicht langer Zeit in unserer Stadl zu, daß die jüdische Schuljugend und ihre Lehrer auf einem Spaziergange von christlichen Knaben mit Steinen geworfen wurden! Als es nun dem Pfarrer und Schulrektor geklagt wurde, wiesen sie die Klagenden zurück! Wahrscheinlich dachte der Herr Pfarrer an Matth. 5, 6. „Selig sind, die da hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden", und wollte durch den ungestillten Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit blos für unsere Seligkeit sorgen. — Uebrigenssind solche Steinigungspcozesse auch in andern Städten Mäbrens an der Tagesordnung. Prag, 1. Mai. Wer Freiheit fordert, mit klarem und deutlichem Bewußtsein über das Wesen der Freiheit sie fordert, der ist auch zur Freiheit reif. Der Sklave, dessen Geist durch Ketten und Peitschenhiebe geschwächt, gelähmt, niedergedrückt wird, erhebt sich nie zur Idee der wahren Freiheit; er bettelt um einige Freiheits- Brosamen, bittet um etwas Freiheits-Almosen, ist zufrieden, wenn die Ketten minder drückend, die Peitschenhiebe minder schmerzlich sind. Nur Derjenige, dessen Geist immer frisch, und lebendig ist, der aus jedem Schiffbruche seinen geistigen Schatz zu retten weiß, den weder das Rasseln der Ketten noch der durchschneidende Ton der Peitsche zum Schweigen, zum Unterdrücken der innern Stimme bringen kann, fordert sein gutes Recht, will, daß ihm Gerechtigkeit angediehen werde, be harrt auf seinen gegründeten Ansprüchen. Ein solcher kräftiger, männlicher Geist ist unser geliebter Vorsteher, Hr. M. I Landau. Im Bewußtsein des seinen Mirbrüdern vorenthaltenen Rechts arbeitet er unermüdlich für unsere politische Freiheit, laßt sich von einigen Kon cession e n, welche die Regierung voriges Jahr

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