Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1843)
- Article
- Märk.-Friedland: Eine Mordthat
- Date
- 1843-05-23
- Page
- Seite 165 (sequence 2)
- Language
- German
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165 gespritzt war, wie über ihren Sterbeanzug Verordnungen zu treffen. Die getroffenen Verordnungen waren nach ib&y pro nyi mp t nach na wo b'inu, und nach den vom ^'ui und fty angeführten Gebrauchen, nur daß einiges weniges Blut an den Betten und an den Wänden auf Geheiß des Richters zurückblieb, der dies f^r die Mörder aufbewahren zu' müssen behauptete. An diesem Tage dachte wohl Niemand an dhid oder an dhid rrnyo. Freitag Vormittag um neun Uhr fand die Beerdigung statt; Männer und Frauen, Juden und Christen, sogar Greise auf der Krücke gestützt, kamen schlotternd herbei, den Schmerz in tiefer Brust verbergend und das Gesicht mit Thränen benetzt, um der Erschlagenen zu folgen und der Theuren die letzte Ehre zu erweisen. Am Grabe sprach der Rabbiner über Jec. 15, 2. DID*? mob iwn 1 lDK.na, mnb mn1? und erwähnte zugleich, daß er gegen das Gesetz a iVin ''D HN eine Klagerede halte, um alle Anwesenden -zur Ermittelung der Mörder auffordern zu können, während das Weh noch Alle so heftig ergreift. Bei der Bestattung selbst weinten die Umstehenden des Grabes, und benetzten mit ihren Zähren die aufgegrabene Erde, als das von dem Boden aus dem Zimmer der Erschlagenen aufgenommene und in einem Gefäße hergebrachte Blut in das halbzugeschüttete Grab gegossen und dabei der Vers gesprochen ward, Deut. 21, 7- Din DN DDty UH' .11,1. Am Sabbat darauf betete der Rabbiner vor dn Diomn einen von ihm verfaßten D'DHl ttbv b&, in welchem das Leben und der Tod der Witwe, die Störung do.s Purimfestes und die Trauer der hiesigen Israeliten geschildert ist, und bestimmte diesen D'DH &bü bx in das Synagogen-Gebetbuch einzutragen und bei jedem niDü'J niDM öffentlich vorzubeten. An diesem Tage fand zugleich die Beerdigung des christlichen Mädchens Wilhelmine Ge lz statt, bei welcher der Superintendent Herr Stips eine sehr humane, auch auf die erschlagene Witwe bezügliche Predigt hielt, die alle anwesende Christen und Juden tief erschütterte. Ebenso soll derselbe am darauffolgenden Sonntag in der Kirche mit vieler Humanität der Witwe Gottschalk erwähnt, und die Mörder,. welchen Glaubens sie auch seien, verflucht haben, daß sie nicht der Witwe, nicht der Waise schonten. Wir sagen ihm Alle dafür unfern herzlichen Dank mit dem Wunsche, daß ec nie mehr nöthig haben möge seine öffentlich bekannt gewordene Toleranz bei einem solchen Falle darzuthun. Den folgenden Sabbat ... U'D&y 'd knüpfte der Rabbiner seine Predigt an den durch ein Feuer vom Himmel herbeigeführten Tod Nadab's und Abihu's und vorzüglich an den Vers 3 im 10 Kap. des Lev. idn!? i im itsw ton pnu hx n^u idni piN du irntt Dyn b ud by) KnpN oipa, und führte dies schreckliche Ereigniß nochmals vor den Kreis seiner Zuhörer, um zur Ermittelung der Mörder anzuregen, undum besonders die Niedergeschlagenheit und Muthlosigkeit zu verscheuchen, pna Dil. — □Hl '1 lann na »un, oder Hannchen Heimcmn Lehmann, geboren etwa 1801 in Krojanke, ward, 18 Jahre alt, an Aaron Perez in Filehne verheirathet, und wollte nach dem Tode ihres nur acht Monate nach der Hochzeit lebenden Mannes in keine eheliche Verbindung mehr willigen. Durch vieles Zureden ihrer Eltern endlich bewogen, reichte sie ihre Hand dem Witwer Aaron Gottschalk, dem von seiner verstorbenen Frau ein Sohn geblieben war, und lebte Hierselbst mit diesem vermögenden und edlen Manne in einer fünfjährigen, sehr glücklichen Ehe, aus welcher ihr'drei wohlerzogene und in der Fremde jetzt verweilende Söhne entstanden. Nach dem Tode dieses biedern Gottschalk blieb sie hier als Witwe 10 Jahre mit dem unerschütterlich festen Vorsatze kein Ehebündniß zu schließen, und war in zärtlicher Besorgniß für alle ihre Kinder, für welche sie noch auf Purim etwas Kuchen zubereiten wollte, wie die auf dem Tische gefundenen, den Abend früher geschnittenen Rosinen und Mandeln zeigten, auch eine hilfreiche Mutter der armen Kranken, indem sie etwa seit einem Jahre das Amt einer Vorsteherin beim Frauenkrankenvereine verwaltete. Sie war sehr eigen in ihrem Anzuge wie in ihrer Wirthschaft und leicht reizbar, empfindlich; doch freundlich und zuvorkommend, und hatte bei ihrer Bildung viel Gemüthliches und vielen religiösen Sinn. Sie schloß sich als vermögende Witwe von den Gemeindeabgaben nicht aus, und lebte still und. zurückgezogen; doch in inniger Freundschaft mit ihren Nachbarn und mit den Frauen, die sie zu ihrem Umgänge sich gewählt hatte. Sie wird von uns nicht vergessen werden, weil sie zu den edelsten Frauen gehörte; sie kann von uns nicht vergeffen werden, weil sie ihr zwei und vierzigjähriges, oft getrübtes Leben 'DP V,1 D\yn DyD rrnrn U&y zu schrecklich und grausenhaft beenden mußte. Möge sie -im Grabe sanfter schlafen, als in ihrer letzten Nacht, und möge dieser Nachruf ein Denkstein für sie werden zum Tröste derer, die den Schmerz mit uns so tief empfanden. 811 terra tibi levis! Oesterreich. Karlsbad, 1. Mai. Wenn in einem fremden Welttheile, irgend ein feindseliger Fanatiker einen Verdacht zu erheben und zu begründen sucht, daß einige Juden eine That an einem Christen begangen haben, welche zu Millionen Malen von Seiten der Christen an Juden begangen wurde und nicht selten noch begangen wird; so wird dies gleich wie ein Alarm durch alle europäische Blätter ausposaunt, und Jahre lang werden darüber Glossen aller Art geschmiedet und ganze Volumina mit dem Geiser des Judenhasses geschrieben. Wenn