Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1843)
- Article
- Berlin : Dr. Frankel [Nachricht]
- Date
- 1843-05-23
- Page
- Seite 164 (sequence 2)
- Language
- German
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164 sacris der Juden und hat sie bisher noch nirgend als eigentliche Gemeinden (in religiöser Beziehung) anerkannt.. Nach der oben gedachten Kabinetsordre kann nur die Wahl des Oberrabbiners, als solche, bestätigt werden. Die Anführung dieser Sachverhältnisse möchte vielleicht zur Aufhellung mancher Mißverständnisse dienen. Dagegen werden nun die Cultu sverha ltnisse der Juden von Staatswegenmit Zuziehung der geeigneten Männer des jüdischen Glaubensbekenntnisses (wie dies schon im Edikt vom 11. März 1812 verordnet war) definitiv geordnet werden. Es sind auch deshalb bereits entsprechende Verfügungen einzelner königl. Provinzialregierungen mit Aufwerfung vieler zu beantwortenden Fragen ergangen. D.A.Z. Leipzig, 15. Mai. Bauer's „Judenfrage" wird auch von Christen als ein von Leidenschaftlichkeit nicht freies und aus Unkentniß der wirklichen Sachverhältnisse hecvorgegangenes schriftstellerisches Produkt beurtheilt. So sagt L. G. Kühne iy einer Schrift „mein Karneval in Berlin 1843" S. 98 ff. von Bruno Bauer in Bezug auf dessen „Judenfrage": Er scheint in der That die Zustände der Juden in den österreichischen Staaten nicht zu kennen, nicht zu wissen, daß in Mahren von den. Söhnen einer jüdischen Familie immer nur der Aelteste heirathen darf und ihm dies heilig freie Naturrecht auch dann noch versagt wird, sobald die Zahl der isr. Familien, die der Staat für erlaubt hält, voll ist. Bauer hatte, wäre sein Wissen weniger abstrakt und mehr aus dem Leben geschöpft, zur Erleichterung der Lage des Judenthums in gesellschaftlicher Beziehung ein Wort der Humanität gesprochen." — Wir können noch hinzufügen, daß Bauer, trotzdem, daß er aus dem trefflichen Werke „die Juden in Oesterreich", das ihm, wie die Broschüre es zeigt, bekannt war, die bedrängte Lage der Juden in Oesterreich hat entnehmen können, dennoch kein freundliches Wort für die Gedrückten erhob. Wohl genießt Niemand im absolutistischen Staate ein eigentliches Staatsbürgerrecht, was wohl Keiner läugnen wird; aber dies ist noch kein Grund, Juden und Zigeuner in eine Kategorie zu stellen, ja den erstem noch manche Rechte zu entziehen, welche die letztecn haben. Mttgöebuvg, im Mai. Dr. Philip pson, Rabbiner in Magdeburg und Herausgeber der Zeitung des Judenthums, hatte seit längerer Zeit den Plan verfolgt, in Jerusalem ein Hospital und eine Schule für Juden zu gründen. Jetzt zeigt derselbe an, daß die H. H. v. Rothschild in Paris ihm unterm 24. April 100,000 Franken zu diesem Zwecke überwiesen haben. — In Frankfurt a. M. bauen die HH. von Rothschild ganz auf ihre Kosten eine neue Synagoge. D.A.Z. Märk. - Friedlimd, 30 April. Ein schreckliches Ereigniß traf unsere Stadt, traf unsere jüdische Gemeinde; ein Ereigniß, das Grausen erregte, Furcht verbreitete und Mutlosigkeit zurückließ. Es war am Mittwoche, am 13. Tage des zweiten Adars, jenem Fasttage -tidn rrtyn, als Nachmittags zwischen 4 und 5 Uhr ein Hineilen nach einem Haufe erblickt und ein Weh- und Klagegeschrei von den betrübt Zurückkehrenden auf allen Straßen vernommen ward. Auf den Gesichtern der fastenden Männer las man Ingrimm und gerechten Zorn, die Frauen schlugen in die Hände und weinten, und Greise und Kinder fragten im schmerzlichen Tone, welch' ein Leid ist uns denn zugekommen? — „Welch ein Leid uns zugekommen", 'erwiderten die zornigen Männer und weinenden Frauen, „die Witwe Aaron Gottschalk und ihr Mädchen sind ermordet!" In der Nacht vom 14. zum 15. Marz ward diese Witwe, welche ihr eigenes Haus allein gewohnte und in der nach dem Hofe belegenen Parterre-Stube schlief, durch Axthiebe in den Oberkopf auf eine Schauder erregende Weise erschlagen. Die Mörder, denn es waren wohl Mehrere, kamen vom freien Felde, erbrachen die Thüre des Hintergebäudes gewaltsam, drangen in den Hofraum, von diesem in die Hinterstube, woselbst sie die Frau ermordeten, und gingen in den anliegenden, nach der Vorderstube führenden Alkoven, woselbst sie das Mädchen Wilhelmine Golz tödteten. Die Frau, ruhig schlafend und nichts Böses ahnend, scheint den Lärm im Hofe nicht gehört zu haben, und nur dann erst, als die Mörder mit. der Axt in der erhobenen Hand neben dem Bette standen, vom Schlafe erwacht zu sein, um im Ringen und Kämpfen für ihr junges Leben den Boden ihres Ruhelagers mit den Füßen zu durchbrechen, und die letzten Todesstreiche von den ruchlosen Händen der Ungeheuer zu empfangen. Die Raubmörder gingen nach vollendeter Unthat mit Licht im Hause umher,' öffneten mit den Schlüsseln den Laden, die Vorderstube, die Kommoden und Spinde, nahmen das baare Geld, das sie vorfanden, das etwa aus 50 Thlr. bestand, und ließen alle selbst silberne und goldene Geräthe an der Stelle liegen. Sie sind leider bis auf den heutigen Tag unentdeckt geblieben, obschon hundert Thaler, welche durch eine Kollekte von Juden und Christen gezeichnet worden, dem. Entdecker ausgesetzt sind. Mittwoch Abend fand man sich im Gotteshause zum Anhören der Gebete und zur Verlesung des Buches Ester beisammen; aber nicht Lust und Wonne herrschten am Freudenfeste, sondern Schmerz und Trauer an diesem Leidestaqe. Donnerstag am Purim fand die Sektion statt, welche kein anderes, bekanntgewordenes Resultat als die Vergrößerung des Schmerzes und die Erhöhung der allgemeinen Trauer lieferte. Noch am Vormittage, von einer andern stattgefundenen Beerdigung zurückgekehrt, begab sich der Rabbiner in das Haus und in das Zimmer der Erschlagenen, um über das an den Betten und auf den Wänden hastende Blut, welches an 4—5 Fuß weit