Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 20 (16.5.1843)
- Article
- Politische Literatur [Rezension]
- Date
- 1843-05-16
- Page
- Spalte 317-318 (sequence 2)
- Language
- German
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317 318 Politische Literatur. Die Petition des dankbares Zeichen der ewigen Erinnerung gesetzt hätte. Die Monumenten-Grassation der Neuzeit ist heidnischen Ursprungs, ein Surrogat der Jdololatrle, daher dem Principe des Judenthums ganz fremd. Sollte es aber \a mit diesem sich befreunden können, so verdiene die Oeffentlichkeit und Preßfreiheit die ersten zu sein, welchen es auf diese Art seine Dankbarkeit zu erkennen gäbe. Denn nur diese Institute waren und sind es, die seine Fesseln gelöset, und wo sie auch noch hasten und drücken, endlich gänzlich lösen werden. Jeder Laut der Bosheit, der wider uns ertönet, darf und wird sein Echo finden, das jenen zum Schwergen bringet. Das Monopol, das man zu besitzen glaubte, ungeahnet uns anzufeinden, ist abgelaufen. So politisch beengend der amtliche Standpunkt des Verf. vorstehender Schrift auch ist, lies er dennoch Raum genug, auf eine höchst würdige Art, die jüngsten Anfeindungen einiger Mitglieder der sächsischen zweiten Kammer zurückzuweisen - und in ihrer Nichtigkeit darzustellen. Mit stoischem Gleichmuthe, aber nicht ohne attisches Salz, tritt er seinem Manne entgegen und trifft den Nagel auf den Kopf. Es ist diese Schrift nicht geeignet Auszüge daraus zu machen, doch können wir es uns nicht versagen, deren Schlußworte, womit der Verf. gleichsam seinen innern Beruf zu deren Abfassung manifestirt, hier mitzutheilen: „Fragt man aber, was Schreiber dieses besonders veranlasse, diese Beschwerden auszusprechm, so liegt die Antwort nahe, daß ihn, den Lehrer der jüdischen Jugend, dem das Wohl und Wehe seiner Schüler wie das seine am Herzen liegt, das Gesagte doppelt schmerzlich verletzen muß. — Der jüdische Lehrer soll in seinen Zöglingen den Abscheu vor dem Trödel und ehrenwidrigen Erwerbe, die Liebe zu jeder nützlichen Thätigkeit wecken; und der Wege, solche auszuüben, sind für sie so wenig und von Hemmnissen und Beschränkungen umgeben; er soll ihr Ehrgefühl wecken und nähren, daß sie die Kränkung und Zurücksetzung doppelt empfinden. Wir dürfen hoffen, daß sie die Ehre kennen und lieben werden; aber wird sie ihnen, nach solchen Aeußerungen von Gesetze berathenden Männern, trotz ihres guten Strebens, bei dem Volke zu Theil werden können? — Sie sollen von Haß und Unterdrückung nichts erfahren, in edlem Selbstgefühle freier Thätigkeit erstarken, in Bruderliebe gegen ihre christlichen Mitbrüder erzogen und unterrichtet werden; aber sie erfahren nur zu früh die gesetzlichen Schranken und die ungesetzlichen Reden, die sie in ihren christlichen Brüdern nicht die gleiche Bruderliebe erblicken lassen; sie werken bald, daß man sie für etwas Anderes ansehe, als sich selbst, weil — sie etwas Anderes sein sollen. Muß sein Herz nicht bluten, wenn er einsieht, daß bei gegenwärtiger Unterrichtsweise sie den christli-. chen Brüdern an Bildung und Ehrenhaftigkeit sich gleich und doch nicht gleich gestellt fühlen werden, und also die ganze Frucht, ein heiß gefühltes nicht gestilltes Sehnen nach Ehre und Freiheit sein wird? — Sie sollen das Vaterland lieben Lernen, ach! und sie hören, daß es sie nicht haben möge: sie Vorstandes rc. Von Dr» W. Landau. könnten wieder gehen, „ihre Vorfahren wären ja nur als Hofjuden hergekommen als man ihres Geldes bedurfte," wie Herr Eisenstuck sagt. Solche Praxis chriftlicherseits tritt den guten Lehren schneidend entgegen. — Sie sollen für das Wohl der Landesvertreter beten lernen, ach! und Etliche von diesen verschreien ihre Eltern als die größte Landesplage . . . . u. s. w. Hat schon der Lehrer mitunter Mühe, schmerzliche Gefühle in die wunde Brust zurückzubannen, wie soll er den Fragen der Kinder begegnen? ' Das ist's, was ihn mit Trauer erfüllt und zum Reden zwingt! Drei Geschlechter unserer Glaubensgenossen wechselten; Großväter, Kindermund Enkel. Die Großväter waren von der Welt ausgestoßen, aber sie. fühlten es nicht; sie hatten ihre eigene Welt. Tiefgewurzelter Glaube, unerschütterliche Hoffnung machten sie stark in Leiden; das Schwärmen im Jenseits, die Freude im Gesetzstudium, die Wonne in der Beobachtung aller der religiösen Observanzen, von welchen ihr Leben durchftochten war, machten sie stumpf, gleichgültig gegen Entbehrung, Schmerz, Verachtung dieser Welt. Sie fühlten sich glücklich in ihrem Unglücke! — Ihre Söhne schauten aus dieser engen Welt hinaus in das Treiben der Menschheit, und siehe da! es gefiel ihnen. Sie mochten gern Theit nehmen an der Anstrengung und dem Lohne der mannichfachen Bestrebungen der Menschheit, gern mit Andern den Schweiß und das ehrende Bewußtsein theilen: aber die Kräfte versagten. Was die Jugend nicht gesäet, kann der Mann nicht ernten. Doch was sie versäumt, wollten sie ihren Kindern nicht vorenthalten. Diese sind nun des Lebens der Großväter ganz entwöhnt, kennen es kaum, lieben es nicht. Sie streben mächtig nach der Außenwelt, wollen Alles brüderlich umfassen : aber die Außenwelt ist eiskalt. Sie, die Ermunterung bedürften, werden durch mißtrauische Vorsichtsmaßregeln fern gehalten: sie reichen Herz und Hand, man kommt ihnen düstern, prüfenden Blickes entgegen. Die Pforte der beglückten, aufstrebenden christlichen Welt öffnet einer ganzen Generation, die nach Thaten, Ehre und Freiheit dürstet, eine kleine Spalte, daß sie das gelobte Land schaue, Lust bekomme, und — erweitert sie sich nicht bald — abermals wie ihre Väter in Sehnsucht verschmachte! Einer ist unser Trost, unser Vater im Himmel!" Es ist diese Schrift hier in vielen Händen, und wird mit großem Interesse und Beifalle gelesen. Auch ist sie nicht ohne einer Replick im hiesigen „Anzeiger" geblieben, die jedoch der Verf. kräftig und würdig duplicirte. Und wenn auch noch so viele Dünste der Erde entsteigen, dm ganzen Gesichtskreis verdunkeln, — einmal muß dennoch die Sonne der Gerechtigkeit den Sieg erringen und in ihrer Herrlichkeit Alles erwärmen und erLeuchten. Schwarzauer.