Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 20 (16.5.1843)
- Article
- Philosophie des Judentums
- Date
- 1843-05-16
- Page
- Spalte 315-316 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/8555529-9897774-9897861-2369321--2791-2369353- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
315 Philosophie des Judenthums. — Politische Literatur. 816 langes Wegblerben mich glauben läßt, daß sie noch gar nicht geschrieben sei, so fühle ich mich, aus Achtung vor dem dieses Blatt lesenden Publikum, welches nicht 2) getäuscht sein will, veranlaßt, diese Beleuchtung auch über einen kleinen Theil der Beurtheilung des Hrn. Dr, Hirsch erscheinen zu lassen. — Einem jeden Schriftsteller müssen Recenflonen über seine in die Welt geschickten Schriften angenehm sein, weil sie unbestochen und vorurtheilösrei die Fehler, welche in der Zukunft zu meiden und die Anlagen, welche noch auszubilden sind, mit überzeugenden Motiven Nachweisen. Mit Freude griff deßhalb auch ich nach Nr. 41. 42 und 43 der von Hrn. Dr. Jost herausaegebenen „ Israelitischen Annalen 1841," hoffend in dem dort niedergelegten Referate über mein Buch eine ausführliche und motivirte Recension zu finden. Die daselbst hervorgehobenen Widerlegungen meiner Ansicht (S.237. b. Z. 28 u. f. S. 335 b, und 343 b. Z. 29. v. u. 344, a. Z. 31 v. u.) überzeugten mich zwar, daß Hr. Or. Jost, wie dies auch von seinem 2) Charakter zu erwarten ist, seine daselbst gespendeten Lobeserhebungen aus seiner vorurtheilsfreien und unbestochenen Beurtheilung meiner Schrift schöpfte, weshalb sie mich auch allerdings höchst erfreuten und zu ferneren literarischen Tätigkeiten aufmunterten; allein als Recension konnte mich jene Beurtheilung nicht befriedigen, da Hr. Dr. Jost selbst mir seinen Worten: „Wir maßen uns kein entscheidendes Urtheil über die Grundlage dieses Werkes an, obwohl wir nicht leugnen, daß sie uns im Allgemeinen nach festem System richtig entworfen zu sein scheint" andeutete, daß er sie als streng wissenschaftliche Recension nicht betrachtet wissen will. — Hoffnungsvoll richtete ich deshalb mein Auge auf Nr. 12. 13. 14. 15. 16 n. 17 des „Israeliten u. s. w. von Dr. M. Heß, 1842" da in diesem Blatte das Besprechen meines Buches einen größeren Raum umfaßte und sich gleichsam mit einem geschichtlich-philosophischen Ueberblicke (inleirete. Aber auch hier wurde ich in meiner Hoffnung auf eine Recension getäuscht; denn nur Nr. 17 dieses Blattes enthält eine Beurtheilung über mein Buch, und diese ist in .ihren Behauptungen so unmotivirt und so sich 2) Ich würde hierzu Etwas sagen; doch da es noch viel arger kommt, so mag Ihr Borwurf, daß ich oder die Redaktion das Publikum täuschen wollten, zu den adiacpoQcc, zu den gleichgültigen Sünden gehören, für die ich erst dann um Ablaß nachsuchen werde, wenn Ew. Hochwürden mir meine mich sehr drückenden Todsünden vergeben haben. 3) Herr Dr. Jost mag sich bei Ew. Hochwürden bedanken, daß Sie seinem Charakter so viel Lob spenden. Ich mache das Publikum hierauf im Voraus aufmerksam, warum? deshalb : das Publikum könnte der Meinung sein, daß der Charakter eines Mannes vor das Forum der Sittlichkeit gehört , daß aber in der Wissenschaft der Charakter nicht mit zu sprechen habe; denn der beste Mensch kann ein wissenschaftlich unbedeutendes Buch schreiben. Doch Ew. Hochwürden, im Besitze der Himmelsschlüssel sind — wie wir sehen werden — eines Andern belehrt worden und ich armer abgesetzter u. s. w. Rabbiner beuge mich in Demuth vor höherer Einsicht. selbst widersprechend,, daß sie durch die Worte: „doch verhindert uns der Raum dieses Blattes ins Spezielle einzugehen" keinesweges sich hinlänglich entschuldigt hat. Hr. Dr. Heß wirft mir „Verstöße gegen die Wahrheit" „Halbheit und Inkonsequenz" vor, läßt aber die schönen Spinoza'schen Schlußworte: „quod est demonstrandum" gänzlich unbeachtet und vergißt, daß kein wissenschaftlich gebildeter Mensch solch einem allgemeinen Urtheile ohne irgend eine Begründung Glauben und Zutrauen schenken wird. In dem Tadel gegen meine Bezeichnung von „subjectiv" und „objectiv" (S. 68, a. u.) verrückt Hr. Dr. Heß durch seine, mir stets fremde, Definition dieser beiden Wörter gänzlich den Standpunkt, auf welchem ich in meiner Schrift mich befinde. Was Inkonsequenz, welche ich mir habe „ zu Schulden kommen " lassen, heißt, scheint aber Hr. Dr. Heß selbst in seinem Blatte zeigen zu wollen, indem er in dem Resultate seiner Beurtheilung unter Anderem schreibt „er (der denkende, namentlich theologisch gebildete Leser) wird bekennen, daß diese Durchführung mit großer Gewandtheit und. überraschender Konsequenz bewirkt worden." Durch solche Widersprüche und durch den ganzen Charakter seines Referats zeigt uns Hr. Dr. Heß, daß er keine wissenschaftliche, streng motivirte Recension meines Buches liefern wollte. — Die Allgemeine Zeitung des Judenthums von Hrn. Dr. Philippson, welcher mir den Empfang meines Buches am Fuße seines Blattes schon langst anzeigte, hat bis jetzt das Dasein meiner Schrift, gegen seine Gewohnheit, gänzlich ignorirt. Nur einmal erwähnt in Nr. 39 dieses Blattes Jahrg. 1842 Hr. Dr. med. Steinheim im Vorüb ergehen meines Buches und spöttelt: in ihm tritt der Rationalismus „im philosophischen Talare auf, und stipitzt uns die Offenbarung Gottes unter den Fingern weg, wenn wir ihn nicht auf die Seinen klopfen." Alle Achtung vor der Theologie des Hrn. Arztes, aber so lange er nicht das dritte und siebente Kapitel und SS. 88. 89. u. 90. meines Buches, wo ich gerade den „diametralen" Gegensatz seiner Ansichten aufstellte, widerlegt und nachgewiesen hat, daß sein System die Offenbarung nach dem Lehrbegriffe der Synagoge und nicht nach dem der heidnischen Mystik lehre; so lange er nicht ohne alle satyrische Witzeleien, sondern mit ruhigen, wissenschaftlichen Beweisen uns überzeugt hat, daß die Synagoge eine Offenbarung gegen den Rationalismus lehre, so lange muß ich es abschlagen bei einem Mediciner Kollegin über jüdische Theologie zu hören. —- (Fortsetzung folgt.) Politische Literatur. Die Petition des Vorstandes der israelitischen Gemeinde zu Dresden und ihr Schicksal in der 11. Kammer März 1843. von Dr. W. Landau. Dresden, 1843, Walther'sche Hofbuchhandlung. ^4 Ngr.) Noch ist es beispiellos, daß das Judenthum einer sich um dasselbe Verdienst erworbenen Idee, oder deren Schöpfer, ein