Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1843)
- Article
- Dresden: Die ständischen Verhandlungen über die Juden
- Date
- 1843-05-16
- Page
- Seite 158 (sequence 2)
- Language
- German
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158 vielmehr auf sich beruhen lassen", sodann spricht sie ihre allgemeinen leitenden Ansichten über den Gegenstand in folgenden Sätzen aus: 1) man könne nicht zugeben, daß die Erfahrungen in andern Ländern absolut gegen eine völlige, bürgerliche Gleichstellung der Juden sprechen, 2) die Ertheilung der städtischen Ehrenrechte bedinge durchaus noch keine völlige politische Gleichstellung, 3) die letztere könne nur durch allmälige Coneessionen vorbereitet werden. Bei Berathung dieses Gegenstandes in der I. Kammer am 7. und 10. April kam der vom Grafen Hohenthal (-Püchau) als Referenten abgefaßte Bericht nur bis zu Punkt 2 zum Vortrage. Prinz Johann'stellte den Antrag: „die Regierung zu ersuchen, in Erwägung zu ziehen, ob und inwieweit den Juden bürgerliche Ehrenrechte einzuräumen seien" z der Bürgermeister Wehner stellte hinsichtlich der übrigen Punkte einen Antrag gleicher Tendenz und folgenden Inhalts: „Die Staatsregierung wolle in Erwägung ziehen, inwieweit die in der Vorstellung der israelitischen Gemeinde zu Dresden ausgesprochenen Bitten und Wünsche zu berücksichtigen sein dürften, und nach Befinden in dieser Beziehung der nächsten Ständeversammlung einen Gesetzentwurf vorzulegen." Der letzte Antrag wurde einstimmig, der erste mit großer Majorität angenommen, das Deputationsgutachten hinsichtlich des ersten Punktes abgelehnt und somit die Berathung der übrigen Punkte überflüssig. Bei der Verschiedenheit der Beschlüsse beider Kammern kam nun der Gegenstand heute nochmals auf die Tagesordnung der 11. Kammer, welcher der Abg. Tzschucke als Referent mündlich Bericht über die gutachtliche Ansicht der dritten Deputation erstattete. Dieselbe lautete dahin: die Kammer möge von ihren Beschlüssen abgehen und dm Beschlüssen der 1. Kammer beitreten. Motivirt wurde dieses Gutachten dadurch, daß die I. Kammer an ihren Beschlüssen festhalte, daß man verfassungsmäßig nicht die Macht habe, sie davon abzubringen und zu dem Beitritte zu den Beschlüssen der II. Kammer zu nöthigen, daß es daher rathsam erscheine, den Beschlüssen der I. Kammer beizutreten, weil diese doch die Aussicht auf einigen Erfolg der Petition der israelitischen Gemeinde gewährten und weil es immer noch besser sei, daß in dieser Beziehung doch etwas, wenn auch nur wenig, als daß gar nichts geschehe. Dieses Gutachten wurde ohne Discussion von der Kammer einstimmig angenommen. (D.A.Z.) Oesterreich. Dfen, 1. Mai. Dm Verhältnissen der ungarischen Juden hat auch der „Orient" einen großen Raum in den Spalten seiner letzten Nummern eröffnet. Wir erkennen dies mit Dank und Lob an. Doch bleibt Vieles in den von dorther kommenden Berichten unverständlich, sobald man die ungarischen Juden an sich und nicht die Verhältnisse derselben zu den verschiedenen in Ungarn nebeneinander lebenden und einander bekämpfenden Nationalitäten betrachtet. Ich glaube daher manchem Ihrer Leser einen Dienst zu leisten, wenn ich die ungarischen Staatsmänner, welche sich für die Emcmcipation der Juden lebhaft interessiren, ihnen naher bringe. Ich beginne diesmal mit dem Grafen Zay, dessen schöne Worte uns kürzlich der „Orient" mittheilte. Er ist Generalinspeßtor des gesammten refocmirten Kirchen- und Schulwesens in Ungarn, und gilt für einen der eifrigsten Beförderer ungarischer Volksthümlichkeit, Selbstständigkeit, Literatur und Sprache. Seine zahlreichen Feinde nennen ihn darum einen Magyaromanen > aber er ist mit größerem Rechte ein vorurtheilsfreier Aristokrat in der bessern Bedeutung des Wortes zu nennen. Seine Schritte gegen die Professoren zu Leutschau, welche Disputationen in slavischer Sprache veranstaltet hatten und bei ihren Schülern, der allgemeinen Meinung der nichtslavischen Ungarn zufolge,, den Haß gegen diese nährten und dagegen einen allgemeinen slavischen Verein, der Rußland, Polen, Böhmen, Kroatien, Slavonien rc. umfassen sollte, zunächst freilich nur einen literarischen, gründen wollten, hinter dem die Gegner aber despotisch-russische, sogenannte panslavistische Umtriebe erblicken — des Grasen Zay energische Maßregeln gegen diese Professoren brachten alle Slaven gegen ihn in Hansisch. Dazu kommt noch, daß Gras Aay die Union zwischen Lutheranern und Refocmirten in Ungarn zu Stande bringen wollte, um gegen die Bekehrungssucht der römischen und griechischen Katholiken ein starkes Gegengewicht zu schaffen. Auch diesem löblichen Zwecke arbeiten Viele entgegen. Aber Graf Zay ist in seinen Bestrebungen beharrlich, und wird daher auch, trotz aller Einschüchterungsversuche und Bedenken, die Sache der Juden mit Kraft und Wärme vectheidigen. Prag, 16. April. Die Landau'sche Typographie hat in der von „Gott lieb Haase Söhne" neu errichteten jüdischen Buchdruckerei einen Konkurrenten,, aber, wie es scheint, keinen furchtbaren erhalten. Denn, dem Vernehmen nach, sollen die ersten hebe. Wecke, welche aus der Haas'schen typographischen 'Anstalt hervorgehen werden, blos aus Sidurim, Machasorim, Hagada's und dergl. bestehen. Es wäre aber zu wünschen, zumal ein Mann wie Hr. M. Letteris die Leitung derselben hat, daß sie, anstatt Bücher zu drucken und zu verlegen, deren Bedürftsiß nicht so sichtbar ist, ihre Thatigkeit wissenschaftlichen Werken zuwenden möchte. So könnte die neue jüdische Buchdruckerei und Veclagshandlung eine Berühmtheit erlangen und zugleich der jüdischen Wissenschaft auf die beste Weise Vorschub leisten, wenn sie Rapaports Werke, an welchen ec jetzt rüstig arbeitet, drucken und verlegen wollte. Zwar kann man es, bei der Lauhsit des jüdischen Publikums im Ankäufen wissenschaftlicher Werke, keiner Verlags- Handlung verargen, wenn sie sich sträubt, ein Werk,