Mannheim
Compact Memory

Der Orient · 1843-05-16 · Heft 20 (16.5.1843) · p. Seite 155

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 20 (16.5.1843)
Article
Von der Saale : Auszeichnung jüdischer Künstler [Nachricht]
Date
1843-05-16
Page
Seite 155 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2360092-2360256-2360277--3391-2369342
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

155 die eingewurzelte Judenscheu so leicht mit der Lüge des unermeßlichen Neichthums der Juden in Zusammenhang zu bringen pflegt. Es ist dies freilich, eine neue, eigenthümliche, sonderbare Art von Schlüssen. Dieser Schluß vom einzelnen Bekannten auf alle übrige Unbekannte ist es auch, der zuweilen den Gedanken erzeugt hat, nicht die Leistung, sondern bestochene Kritiker und Claqueurs hatten die Juden zu Koryphäen - der Kunst erhoben. Allmalig muß denn freilich diese kleinliche Feindseligkeit vor dem echten Verdienste dahinschmelzen. So können auch nach und nach die Gewaltigen der Erde nicht umhin, das siuim cuicjue auch auf jüdische Künstler in Anwendung zu bringen. -— Nur unter diesem Gesichtspunkte ziemt es uns, der Ehrenbezeugungen zu gedenken, deren sich jüdische Künstler erfreuen. So ist kürzlich dem Generalmusikdirektor Meyerbeer in Berlin für die Kompositionen zu dem# beim letzten königlichen Maskenballe aufgefühcten Hoffest zu Ferrara die goldene Medaille für Wissenschaft und Kunst verliehen worden; gleichzeitig ist er Mitglied der königl. Akademie der Musik in London geworden. Eben so hat der König von Preußen dem Komponisten Franco Mendes in Amsterdam, Violoncellisten des Königs von Holland, für eine ihm überreichte Komposition die goldene Huldigungsmedaille zustellen lassen. — Endlich hat der Kaiser von Oesterreich den Chefs des Handlungs- und Fabrikhaufes W. A. Meyer Söhne in Berlin, für Ueberreichung eines von demselben fabricirten Kunst-Seidenstoffes, die goldne Medaille de arte merilo durch die kaiserl. österreich. Gesandfchaft in Berlin einhändigen lassen. Dresden, 20. April. Die israelitische Gemeinde - Schule zu Dresden. Eine öffentliche Prüfung der hiesigen israel. Gemeinde-Schule am 29. Marz a. c. hat uns aufs Neue von den Segnungen dieses Instituts ein klares Bild gegeben; hat wiederholt die Ueberzeugung in uns befestigt, daß aus dem vierzigjährigen Aufenthalte in der europäischen Wüste der religiös-geistigen Zerrissen- und Zerfallenheit nur das Heranwachsende Geschlecht das gelobte Land des innern Seelenfriedens schauen und erhalten wird; hat auf das Klarste dargethan, daß um zu schwichtigen den Feind und Widersacher, nur aus dem Munde der Kinder und Säuglinge der Sieg gegründet werden kann. Nachdem durch ein Programm vom 24. März a. c. unterzeichnet: der Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde, und durch eine Annonce in dem hiesigen Anzeiger eine öffentliche Einladung ergangen war, fanden sich zur bestimmten Zeit so zahlreiche Gäste aus allen Klassen und Ständen ein, daß das etwas beschränkte Lokal sie kaum zu fassen vermochte. Nicht nur der Vorstand der israelitischen Gemeinde und viele deren Mitglieder, auch zahlreiche Deputirte der Hohen l. und 11. Kammer, einige der höhern Geistlichen, mehrere Direktoren der verschiedenen Lehranstalten hier, sah man mit großem Interesse der Prüfung beiwohnen. Die Gegenstände der Prüfung waren, Vormittags von 9—1 Uhr, der 1. und 11. Klasse: Gesang, Religion, biblische Geschichte und Geschichte der Juden. Naturlehre, deutsche Sprache, Stylistik, und Rechnen. — Nachmittags von 2 — 5 Uhr I., U. und 11L Klasse: biblische Geschichte, Pentateuch in der Ursprache, Denkübungen, Psalmen, Geographie, Weltgeschichte, Französisch, Gesang. Nach einem kurzen, der Gelegenheit entsprechenden Gesänge, geleitet von Herrn Ha nt sch, begann Hr. Dr. W. Landau, erster Lehrer der Schule, mit einer kleinen Anrede an die Jugend, die Religionsprüfung, in welcher derselbe in treffenden, ganz für das kindliche Gemüth berechneten Worten, die Gottesfurcht, als alles Wissens Anfang darstellte, und so zur Sittenlehre überging. Die Antworten der Schüler waren kurz, und einem jeden konnte man es anhören, daß er nur den darin athmenden Geist vom Lehrer empfangen, und die bezeichneten Worte, aus dem Kreise der Kinder- Sprache gewählet hatte. Mit einem Worte, es war nicht, wie das leider so sehr oft, in israelitischen, wie in christlichen Schulen zu finden, ein auswendig gelerntes Menschengebot. Jede Lehre, jeder Grundsatz wurde mit einem entsprechenden Bibelvers, oder Spruch aus dem Talmud in Original und in Uebersetzung begründet. Es war uns ein besonderer Genuß zu sehen, wie diese Jugend eine ordentliche Anthologie der h. Schr. und des Talmuds ihrem Gedächtnisse angeeignet hatte. Durch immerwährendes Hinweisen auf das Geschichtliche der h. Schrift wurde dieser Unterrichtsgegenstand mit dem der Religion verbunden und zeigten sie auch hierin eine gänzliche Vertrautheit. Was wir beider ersten Klaffe vermißten, paffende Liederverse zu den verschiedenen Lehren, wie dies schon von Iohlson und in Würtenberg geschehen, fanden wir bei der zweiten Klasse ersetzt. Eins nur hätten wir noch gewünscht, was aber sicher auch während des eigentlichen Unterrichts geschieht, wie es von einem Manne wie Hr. Dr.. Landau, dem die gründlichste, klassisch wissenschaftliche und tüchtigste pädagogische Bildung Eigenthum ist, zu erwarten steht, nämlich daß auch die Begründung der Lehren, ebenso wie aus der Bibel, aus der allgemeinen Weltgeschichte — wie es in den Glaubenslehren auch aus den übrigen Wissenschaften : Naturlehre, Naturgeschichte *) u. s. w. mit größtem Nutzen geschehen kann — vorgeuommen werde. Die Propheten verfuhren ebenso und machten Israel oft auf andere Völker aufmerksam, sie als Warnung oder als Muster vorführend. Noch besser ist es, wenn der Religionslehrer mit dem Familienleben der Kinder vertraut ist, auch dieses in den Kreis der anschaulichsten Religionserkenntniß herbeiziehet. Das eigene Leben muß der Jugend recht früh zu einer ununterbrochenen Offenbarung Gottes gemacht werden. Die erste und wichtigste Religionslehre befolgt diese Methode. „Ich 1) nijrjs pab U">i rmn rums isd pnv -V pn>j?) ^uma pN pn rara 'nyi rtox) *?»i ’pinno •(=>’ 'p 20

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.