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Der Orient · 1843-05-09 · Heft 19 (9.5.1843) · p. Seite 146

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 19 (9.5.1843)
Article
Paris : Kommission zur Verbesserung der bürgerl. Stellung der Juden in Afrika [Nachricht]
Date
1843-05-09
Page
Seite 146 (sequence 2)
Language
German
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zu geben? — Und doch, Gottlob, ist es geschehen; wir besitzen bereits in der Provinz Pommern zwei gebildete, studirte und mit talmudischer Gelehrsamkeit ausgerüstete Rabbiner, die zu Stettin und StoLp ihren Sitz haben. — Sehe anerkennenswerth ist es, daß die letztere Gemeinde zuerst die Bahn gebrochen, und wenn die erstere um einige Monate darin zurückgeblieben, so ist die Ursache wohl nur darin zu suchen, daß sich kein geeignetes Individuum zur Anstellung als Rabbiner dort gefunden hatte. — Ueber die Anstellung des Hcn. Dr. Klein, Rabbiner zu Stolp, und dessen segensreichen Wirken, .ist bereits viel Rühmliches in diesen Blattern gesagt worden, wir wollen deshalb die Anstellung des Hcn. Dr. Meisel zu Stettin mit kurzen Worten berichten. — Am 11. d. Monats hielt Hr. Dr. Meisel seine Antrittspredigt zu Stettin. — Eine zahlreiche Zuhörerschaft, christlichen und jüdischen Glaubens, strömte in die schonen Raume des Gotteshauses, und gespannt lauschte jedes Ohr, auf den schönen, wahrhaft erbauenden Vortrag des Redners. — Derselbe hatte den schwierigen Text: ptoy i? wy “WN Ntt nDT (da es S. Sachor war) gewählt, und dies so gewandt und mit homiletischer Fertigkeit auf das-menschliche Gedächtniß, und fernerhin auf seine, wie auf die Stellung der Gemeinde Bezug nehmend, angewendet, daß diese Predigt wohl den vorzüglichsten angereiht werden kann. Die höchst populären Worte, der deutliche mit schöner kräftiger Stimme gehaltene Vortrag, dazu die achtungswürdige Persönlichkeit des Redners, verfehlten ihre Wirkung nicht, und alle Zuhörer wurden wahrhaft von den frommen Worten -erbaut. — Wie verlautet hat der Vorstand der Gemeinde den Herrn Rabbiner um das Manuskript der Predigt gebeten, um solches dem Drucke zu übergeben. — So werden denn nicht nur regelmäßig deutsche Synagogal- Vorträge in Stettin gehalten, sondern auch eine höhere jüdische Bürgerschule —woran es hier bis jetzt mangelt — ist eingerichtet werden, und diese wird sogar schon — da sie viel Theilnahme findet — mit dem 1. Mai e. ins Leben treten. — Durch Zuwachs an Mitgliedern hat sich aber auch der pekuniäre Zustand der Stettiner Gemeindekaffe sehr gebessert, und namentlich dürfte zu erwähnen' sein, daß durch düs 3600 Thlr. betragende Legat des sel. Levin Moses, (nicht 1000 Thlr, wie irrthümlich in der Allg. Zeit, des Jud. wahrscheinlich vor Eröffnung des Testaments angegeben war) die Gemeinde zu ihren Bedürfnissen Zuschuß erhält. — Möchten nun auch kleinere Gemeinden der Provinz sich den beiden erwähnten Rabbinaten anschließen, ihre Schulen und Lehrer prüfen und überwachen lassen, und sich so der geistige Fortschritt in unserer bisher arg verschrieenen Provinz zum Wohle Aller mehren. Aoyog. Steröt - Lengsfeld, im April. (Berichtigung.) Herr Redakteur! Von einer Reise zurückkommend, treffe ich Nr. 13 Ihres Orients an, in welcher einer Ihrer Korrespondenten die Güte hat, mein Streben als flachen Nationalismus zu bezeichnen, und zu behaupten, daß „Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts unter meiner Redaktion nun und nimmermehr gedeihen werde. Sie werden wohl nicht erwarten, daß ich darauf irgend etwas erwidere. Wenn aber Ihr Korrespondent jetzt noch mit der Anschuldigung hervortritt, daß ich die Reformmaßregeln der Weimar'schen Regierung gegen die überwiegende gläubige Mehrzahl meiner Gemeinden adoptirt, resp. provocirt habe, so nöthigt er mich, ihn deshalb einer baaren Unwahrheit zu zeihen und ihm zu sagen, daß wenn irgendwo die Gewissen der Gemeinden von dem Seelsorger gewahrt und geschützt, und dadurch in Beziehung auf gottesdienstliche Reformen ein friedliches, die gegenüberstehenden Ansichten vermittelndes und beide Theile vollkommen befriedigendes Verhältniß hergestellt worden ist, dieses im Großherzogthum Weimar der Fall ist, und wer irgend jetzt noch daran zweifelt, möge nur kommen und mit eignen Augen sich eines Bessern überzeugen. Ich würde auch dieses, nachdem meine Gemeinden sich langst öffentlich (S. Israel. Annalen von 1840 und die Beilage zu Nr. 1 des ersten Jahrgangs vom Israeliten rc.) in gleichem Sinne ausgesprochen, nicht einmal gedenken, beträfe die wieder auftauchende Insinuation nicht das hohe und heilige Gut der Gewissensfreiheit, welches mir, wie Allen, die für die rechtliche Gleichstellung unserer Glaubensbrüder kämpfen, noch heiliger, noch unverletzlicher und unantastbarer, sein muß, weil gerade auf seine Verbannung unser Unglück, unsere fortwährende Ausschließung von dem Rechte des Menschen und des Bürgers sich gründet. Was übrigens dm Obervorsteher Hellwitz betrifft, so würden Sie, Herr Redakteur, wohl Anstand genommen haben, sich in der geschehenen Weise gegen ihn zu äußern, wüßten Sie so gut, wie ich, was dieser Mann schon für Förderung unserer edelsten Interessen gethan« Solche Männer gehören leider! noch zu den seltenen, aber darum um so größere Hochachtung gebietenden Er> scheinungen unter uns, die man ihnen auch dann zu zollen die Pflicht hat, wenn man mit einzelnen von ihnen unternommenen Reformen nicht einverstanden ist *). Dr. M. Heß. Hr. Hellwitz hat bei allen seinen Reformen nicht dem Iudentbum oder den Juden, sondern wahrscheinlich seiner persönlichen Laune gehuldigt z daher der Fanatismus gegen diejenigen, die gerade diese Laune nicht theilen. Ich muß noch 5prn. Dr. H e ß bemerken, daß Hr. Hellwitz der angreifende Theil war und ich nur erwidert. Wenn"meine Erwiderung übrigens etwas scharf scheint, so mögen Sie bedenken, daß ich doch nicht, wie Hr. H., mir einen Gaffenbuben zum Bundesgenossen ausgesucht, welcher die A. Z. d. J's. zur Mistpsütze macht. Red.

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