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Der Orient · 1843-04-25 · 17 (25.4.1843) · p. Spalte 269-270

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
17 (25.4.1843)
Article
Beiträge zum Rabbinenwesen
Date
1843-04-25
Page
Spalte 269-270 (sequence 2)
Language
German
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269 Lit. Nachrichten und Miscellen, 270 Idee eines einzigen Gottes dem Begriffe eines Nationalgottes widerstreite, und beweisen dieß auch die angeführten Bibelstellen - allein kennt H. F. keine Stellen, die einen Nationatgott ' lehren, und warum wird dieser Widerspruch nicht ausgeglichen? Solche Stellen sind: Ex. 6, 7. Lev. 26, 12. Dt. 4, 6. 6. 7. 10, 15. Ps. 28, 9. 29, 11. 33, 12. 77,21. 95, 7. Jer. 7, 23. Hos. 1, 9. — Au Frage 5. Hier vermissen wir vor Allem eine Definition der Begriffe Messias und Unsterblichkeit. Sonderbar ist es, daß Hr. F. schon im Pentateuch Spuren des Messias finden will, während der Begriff des Messias doch erst nach David entstand und entstehen konnte,, wobei noch zu bemerken ist, daß das erste Citat Lev. 26, 43 gar keine Erlösung bezeichnet. Herr F. will nun die Idee von rpm pn und ^Dp unverkennbar in Moses und den Propheten finden und wirft denjenigen, welcher behaupten, die Propheten härten das priesterliche Reich in der Gestalt erscheinen lassen, wie sie dem Volke am Anschaulichsten war, daß sie dann die Propheten der Wahrheit in das Gewand der Lüge hüllen ließen, vor. Aber wenn Hr. F. nicht zugeben will, daß viele messianische Ideen nur Zeitideen und daher allerdings keine absolutwahre aber doch relativwahre sind, und wenn er jeden tropischen Ausdruck als Lüge auffaßt, wie steht es denn aber mit den Aussprüchen Jes. 11, 6 — 9. 30, 23 — 26. 55, 13. 60, 7. 65, 19. 20. 25. Iech. 34, 25 — 27. Joel 4, 18? Müssen diese Stetten auch streng wörtlich genommen werden? Und gewiß kennt hr. F. den Grundsatz der Rabbinen n™ ^3 min mm. Hr. F. will aber den Tempel nicht blos für die Juden hergestellt, sondern für die ganze Welt, als Tempel.nicht blos für den Weltkultus, und zwar sollen dann alle zerstreute Juden zum Tempel pilgern, und so wird die Verheißung des pnp m1?.} in Erfüllung gehen. Abgesehen von der Unmöglichkeit einer solchen Pilgerfahrt für ferne Gegenden, will hier F. den Ausdruck ni^ pQp beibehalten, legt ihm jedoch einen andern Begriff unter. Denn wenigstens haben die Zeitgenossen der Propheten etwas ganz Anderes darunter verstanden, und wenn der Prophet wirklich den Begriff des Hr. F. damit verband, trifft ihn dann nicht vielmehr die Beschuldigung, sich bei seinen Aussprüchen der List oder der Lüge bedient zu haben? Oder giebt uns Hr. F. vielleicht von folgenden Stellen Jes. 14, 2. 49, 23. 54, 3. 60. 61, 6. 6. Micha 5, 7. 8. Ps. 96 eine andere, seinem Systeme passendere Erklärung? Und wie läßt sich bei dem pDp des Hr. F. erklären, daß Israel einst seinen eignen König haben wird? Oder sollte Herr F. blos zu dieser Deutung von Messias und nr^l pDp seine Zuflucht genommen haben, um mit unserer Stellung zum ' Staate nicht in Konflikt zu gerarhen? Von dieser Furcht sind wir befreiet. Denn die Hoffnung, einst einen selbstständigen Staat zu bilden, steht unserer Anhänglichkeit an unser Geburtsland durchaus nicht entgegen, da wir diesen Zeitpunkt weder herbeizuführen suchen, noch herbeiführen können, er uns auch ganz unbekannt ist, andererseits aber der Patriotismus uns gerade von Gott geboten wird. Jerem. 29, 5—9. (Vgl. den Bericht des Jsr. Kreiscomitee in Würzburg in Dr. Adler's Synagoge 1. S. 122 fg.) Erklären wir aber die Messt'aszeit vom Standtpunkt der neuern Theologie aus als die Zeit, in welcher das Judenthum, d. h. die Lehre von dem Einen Gotte über alle Welt verbreitet sein, oder wie Hr. Dr. Formstecher in a. B. sich ausdrückt, der Geist über die Natup, das Judenthum über das Heidenthum den Sieg errungen haben wird, und alle übrige auf das monarchische Element sich beziehende Ideen der Propheten. als Zeitideen — dann können frielich unsere Gegner sich nicht mehr jener Sehnsucht nach dem gelobten Lande zum willkommenen Vorwände der Nichtemancipatr'on bedienen. — Zu Frage 10. Hier sind wir mit Hr. F. einverstanden, daß die israelit. Geburt den Israeliten zu einem solchen mache, und freuen uns um so mehr diese Ansicht ausgesprochen zu sehen, als die Meinung weit verbreitet ist, daß die Beschneidung, ähnlich der Taufe im- Christenthum, den Israeliten erst in die Gemeinschaft Israels einführe. Doch können wir nicht umhin, an Hrn. F. noch die Frage zu richten, wie es mit den Nachkommen eines Proselyten stehe, mit dessen Vorfahren doch kein Bund am Sinai geschlossen ward, er auch nicht die israelit. Individualität (gleichsam Ra^entypus!) besitzen wird? — Wir scheiden vom Hr. Rabbiner, indem wir ihm nochmals für die freie Darlegung seiner Ansichten unfern Dgnk sagen und m der Hoffnung, daß er unsere Bemerkungen, die nur durch die Wichtigkeit der Sache hervorgerufen wurden, nicht mißdeuten werde. — Offenbach, Febr uar, 1843. Dr. H. Werner, Caud. theol, hehr. Literarische Nachrichten und Miscelle». Zur Geschichte der Judeuverfokgunge« im IST. Jahrhundert. Die grausamen Verfolgungen im siebzehnten Jahrhundert, die so vielen Tausenden unschuldiger Juden das Leben raubten, rmd die Jeden, der sie in den davon handelnden hebräischen Werken *), Klageliedern und (gebeten liest, mit Grauen und Schrecken erfüllen, wütheten auch in M ä h r e n. Eine weniger bekannte Judenverfolgung verdient besonders hervorgehoben zu werden. --In eine mährische Stadt, Ungar i sch-B rod genannt, drang am 20.Tammus 5443—1683 eine mörderische Horde aus Ungarn, und metzelte den größten Theit der zahlreichen jüd. Gemeinde daselbst schonungslos nieder *) Eine treffliche literar-historische Zusammenstellung der von den Judenverfolgungen durch die Kosaken, in den Jahren 1648—49, handelnden Schriften, sowie eine schöne Uebersetzungder M e g il la Afa des R. Sabbati Cohen (^) gab Dr. Fürst im zweiten Hefte der Jahrb. für slavische Literatur, Kunst und Wissenschaft, herausgegeben v. I. P. Jordan. Leipzig, 1843. Robert Binder.

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