Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1843)
- Article
- Labes
- Date
- 1843-04-25
- Page
- Seite 134 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2360092-2360256-2360274-2369094--3301-2369133- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
134 der alten Synagoge über Prediger 1, 4 und über das Thema: „der Abschied von der Synagoge gleicht dem Abschiede vom Leben," und eine Einweihungsrede in der neuen Synagoge über Hagai 2, 9. und über das Themar „welche Vorzüge hat das neue vor dem alten Gottes- Hause," und schloß mit einem sehr innigen Gebete für König, Vaterland und alle Bürger Preußens, in welchem Gebete, wie überhaupt in den beiden Reden, er, als streng gläubiger Israelit, viel Humanität und Liebe zum Vaterlande entwickelte. Die Ceremvnien und hebräischen Gebete beim Einzüge in die neue Synagoge, waren und blieben für uns unverständlich, so.würdig und bedeutungsvoll auch Alles stattfand. Wir gingen gerührt und erbaut davon, mit dem Wunsche, daß die Israeliten unserer Stadt wie die unserer Provinz noch ferner fortschreiten und recht wackere Bürger werden mögen. E. F. G. Schnell. Aus WeMrmrkerr (in Baiern), 29. März. (Verspätet.) Die erste Nachricht, die ich' Ihnen von hier aus mittheile, ist mindestens keine unerfreuliche, wenn auch durch ein trauriges Ereigniß veranlaßt. Der Jammerruf der Unglücklichen in Smyrna, der in allen Blättern.ertönte, veranlaßte den Distriktsrabbiner Dr. I Adler in Kissingen sich an die kön. Kreisregierung mit der Bitte zu wenden, die Erlaubniß zu einer Kollekte zu gestatten. Unsere humane Regierung wendete sich an Se. Majestät^ und Allerhöchstdieselben gestatteten eine solche' für unseren-Kreis. Sie wurde durch die kön. Landgerichte vorgenommen und der Ertrag an die kön. Regierungs-Expedition eingesendet. Er belief sich im Ganzen auf 359 st. 15 kr. Diese sind von der kön. Negierung an den obengenannten Distriktsrabbiner mit dem Aufträge Übermacht worden, das Geld, seinem Vorschläge gemäß, durch Hrn. Rabbiner Kohn in Hohenems nach Smyrna zu befördern *)♦ — L) e sie rr et ch. Krag, 3. April. Eine verhängm'ßschwangere Wetterwolkedie an unserem religiösen Horizonte aufstieg, ist nun nach einigen harmlosen Donnerschlägen und unschädlichen Blitzen glücklich über unserm Haupte hinweggezogen. Es ist die „Erbsen- und Reisfrage", die durch einen Anonymus voriges Jahr in der Broschüre und zwar erfolglos angeregt wurde, uud nun in einer andern Gestalt austauchend wieder durchzudringen versuchte. Damals wollte die Reformparthei zugleich dadurch H. Rapaport auf den Zahn fühlen und ihm endlich die Parole abzwingen, ob er ihr oder der konservativen angchören wolle. Bis dahin hatte sich H. R. weder für die Orthodoxie noch für die Neologie ausgesprochen gehabt, oder *) Die Redaktion erlaubt sich noch die Anfrage, ob das Geld wirklich mm an den Ort seiner Bestimmung abgegangerss da, wie der Korr, weiß, in Nr. 13 Zweifel dagegen erhoben wurden. Red. vielmehr beiden zu genügen gestrebt. Er hielt regelmäßig : seinen Gottesdienst in der Altneusynagoge, besuchte biswei- - len aber auch dm Tempel, wodurch alle Richtungen irre an ihm wurden. Man staunte nicht wenig, den freisinnigen Forscher, den Freund Zunz's, den einstigen Mitarbeiter der freilich nun ) halb desavouirtm Geiger'schen radikalen Zeitschrift, sich den j kleinlichsten und Lächerlichsten Cermonien der Hyperorthodoxen, i zum Exempel dm Malkutschlägen am my unterziehen zu sehen, was hier die berühmtesten Altrabbinen nie j gethan. Und doch war ihm ein Ruf vorangegangen, wie sobald keinem Rabbinen. Er wurde wie ein Messias erwartet, s sschon sah man im Geiste alle Gebrechen geheilt, alle Ucbel s gehoben, unsere Anstalten, unfern Kultus, ja auch unsere bürgerlichen Angelegenheiten glaubte man gehen nun einem Umi schwungsmomente entgegen. H. Rapaport kam herein, i Er wurde mit Jubel empfangen, in seiner Antrittsderascha; versprach er eine rastlose Wirksamkeit. Wurde diese auch An- . fangs nicht sichtbar, so dachte man R. wünsche vorerst sein | Terrain kennen zu lernen, die Verhältnisse vorher zu sondiren. i Aber Wochen vergingen, es vergingen Monde, Ein Jahr? hatte bereits seinen Kreislauf vollendet, wir waren stehen * 'geblieben, und nichts, gar nichts hatte sich in unfern Zustän- 1 den geändert. Der Unmuth erwachte, man war nun des Systems der Unthatigkeit und bloßen Observation, dem R. zusehnds huldigte,-endlich müde. Doch vielleicht wollte er bloß den ersten Schritt nicht thun, .wünschte er früher ein Entgegenkommen von Seiten der Privaten, wartete er bis die Gemeinde die Initiative ergreife. Auch dies sollte geschehen als die letzte Probe. Er sollte genothigt werden die Neutralität aufzugeben, und sich entweder pro oder contra, zu erklären. Die Erbsenfrage sollte ihn an den Scheideweg stellen, wo er sich endlich für die eine oder die andere Bahn aussprechen muß, es sollte das Schibolet sein, woran man ihn als Freund oder Feind erkennen sollte. Bekanntlich entschied sich H. Rapaport, mit Savigny, unserer Zeit das Recht zur Gesetzgebung absprechend, für die Nichtaufhebung des Verbots. Nun war das Loos gefallen, die Reformer wußten nun, daß sie bei ihren Bestrebungen auf dm Beistand des geistlichen Oberhaupts nimmer rechnen könnten, sie standen nun wieder isolirt auf ihre eigene Kraft verwiesen. Ihr Angriffsplan hat sich seitdem geändert, sie suchen die umzubildenden religiösen Gegenstände ihrem eigentlichen Gebiete zu entrücken, sie in die bürgerliche Sphäre hineinzuziehm, und so einer andern Jurisdiktion zu überantworten. So sind mit gänzlicher Umgehung der religiösen Behörde, die Trauungen unter freiem Himmel vomH. Gemeindevorsteher La Md au untersagt, und in den Synagogen vorzunehmen angeordnet worden^ Eben so ist dieses Jahr v. H. Landau gestattet worden,-sich zum Verfertigen der Mazot in den dazu bestimmten Backhäusern der Frauenzimmer zu bedienen, ohne daß vorher mit den Appellanten (wie die Religionsvorsteher heißen) die geringste Rücksprache darüber genommen worden wäre, ungeachtet das Ganze hier eine Neuerung ist, und von