Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1843)
- Article
- Posen : Intoleranz der Schles. Zeit [Nachricht]
- Date
- 1843-04-25
- Page
- Seite 132 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- 132 - es Heißt nämlich: Die Juden erscheinen in jedem Lande, wo sie in solcher Menge und in solchem Zustande sind, wie hier (auf die ganze Provinz beziehend) .als eine wahre Landplage. Auf alle erdenkliche Weise saugen sie das. Volk aus, demoralisiren es nach allen Seiten und ertödten den Wohlstand auf allen ihren Wegen. ' Verschiedene Verordnungen suchten bisher dem Nebel Einhalt zu thun, doch gibt's für den Juden kein Gesetz und keine Verordnung, die er nicht zu umgehen wüßte. Da-, her ist ein direktes Verbot des gemeinen Benehmens der jüdischen Kauf- und Handelsleute in Posen sehr erfreulich. .Da in Posen nämlich unter 800 Handels- und Schacherjuden etwa 30 christliche Kaufleute leben, so sind alle Plätze und Messen von jüdischen Handelsleuten überfüllt". — Der liebäugelnde Korrespondent hat sich in der Statistik hiesiger jüdischer Kaufleute wahrscheinlich verrechnet; denn es sind hier höchstens 200, und auch unter diesen viele, die in das Ausland ihre Produkte führen, daher ihren christlichen Handelsgenossen keinen Schaden zufügen. Daß mehr als 200 christliche - Kaufleute hier existiren, weiß ein Jeder, der nur im Mindesten mit unserm Handels.stande vertraut ist. Dem wohlwollenden.Korrespondenten ist es aber nicht um die Wahrheit zu thun, sondern nur um Juden und Judentum zu beschimpfen. Noch ist nicht verstummt das von Unduldsamkeit erfüllte Herz; während auf der einen Seite die jüdischen Geisteskräfte, mit glühendem Eifer für Einheit und Harmonie der Herzen kämpfen und ringen, erhebt der alte Haß das Panier der Lüge, und sprüht Unheil und Verderben aus. Wahrlich, dem Einzelnen stehen viele Wege ^zum Heil offen, und wäre es auch das Grab; aber eine ganze Volksmasse läßt sich nicht Hegraben! Berlin, 4. April. In der Preuß. Staatsz. vom 1. April wird die am 30. Marz zu Berlin stattgehabte Feier, der Grundsteinlegung zum Gebäude einer Alterversorgungsanstalt der Berl. jüd. Gemeinde beschrieben. Der Plan dazu ward beim Tode Friedr. Wilh. III. entworfen. Das neue Gebäude wird sich in der großen Hamb. Straße Nr. 24 erheben. — Eine Deputation des Magistrats und der Stadtverordnetensammlung wohnte der Feier bei. Nach einem Ehoralgesange begann der Gemeindealteste, Geh. Kommerzienrath I. W. Meyer einen Bottrag; auch der Oberbürgermeister Geh. Rath Krausnick sprach einige angemessene Worte. —Den Segen Gottes erflehte dann Hr. Rabbinatsverwalter Oettin ger für die neue Stiftung. Ein Halleluja des Sängerchocs beschloß die Feier. Berlin, 11. April. Sie erlauben mir, Ihnen einmal zur Abwechselung einen ärztlichen Bericht aus unsrer Gemeinde zukommen zu lassen, da er einen Gegenstand betrifft, der hier in stillen und offenen Debatten vielfach besprochen wird. Vor'einigen Wochen starb der Arzt des hiesigen jüd. Krankenhauses, Dr. Fürst. Es handelt sich nun um die Besetzung der dadurch vakant gewordenen Stelle. Obgleich dieselbe so geringe materielle Emolumente bietet, daß in diesem Betracht eine Konkurrenz selbst unter den jüngern und weniger bemittelten Aerzten nicht füglich zu erwarten ist, so knüpfet sich doch an das jüdische Krankenhaus, als an ein Institut, an dem man in wissenschaftlicher und technischer Beziehung Gelegenheit zur weitern Ausbildung findet, ein Interesse, das manchem strebsamen Arzt den Wunsch einflößt, demselben zum Nutzen der Menschheit und zum Heil der Wissenschaft seine Kräfte und Talente widmen zu können. Nachdem so eben erschienenen Saniräts-Bericht für die Provinz Brandenburg vom Jahre 1839 (erstattet vom Königlichen Medicinal-Collegium, Berlin 1843. S. 138), waren im jüd. Krankenhause am Schluffe des Jahres 1838 im Bestand 29 Kranke; im Laufe des Jahres 1839 wurden ausgenommen 207, zusammen 236. Aus dieser statistischen Notiz ersieht man, daß die Anzahl der jährlich in dieser Anstalt behandelten Kranken durchschnittlich über 200 betragt. Wenn diese Zahl in Vergleich mit großem Anstalten nur als eine unbedeutende erscheinen mag, so ist sie doch vollkommen ausreichend, um einem wissenschaftlich gebildeten, mit den neuesten Fortschritten der Medicin sattsam vertrauten und auf der Höhe seiner Zeit stehenden Arzt Material genug zu bieten, an dem er die Kräfte seines Talentes zum Heile der ihm anvertrauten Patienten und zur Beförderung der Kunst erproben kann. Bei der Wahl des neuen Arztes darf daher voranstehende Rücksicht auf wissenschaftliche Befähigung des anzustellenden Kandidaten von dem Vorstande der hiesigen Gemeinde um so weniger übergangen werden, als uns die Erfahrung gelehrt, daß nicht immer die s. g. praktische Routine und alterskluge Weisheit vor Fehlern zu schützen iw Stande sind. Der Vorstand, obwohl er kein rigoroses Examen über die Fähigkeiten des zu wählenden Arztes an stellen kann, besitzt doch in den bisherigen Leistungen mancher hiesigen jüdischen Aerzte einen erwünschten Maaßstab, den er als Regulativ seiner Wahl wohl benutzen könnte. Jüngern Kräften wäre ein solches-Amt jedenfalls eher angemessen, als vorgerückteren Praktikern, die so oft (Heils aus Bequemlichkeit, (Heils aus Ueberfluß die Wissenschaft wenig mehr kultivrren und es bei dem einmal hergebrachten praktischen Treiben bewenden lassen. Der Vorstand könnte durch eine glückliche Wahl nicht wenig zur Beförderung des Wohles der ihm anvertrauten Krankenanstalt und zur Zierde der Wissenschaft beitragen. — Ein anderes Moment, das. den Vorstand bei der Besetzung der Stelle als Arzt am jüdischen Krankenhause leiten dürste, wäre die Religion des Kandidaten. Soll der Vorstand einen christlichen oder getauften Arzt an dieser Anstalt fungiren lassend Wir glauben dieses, nicht aus Mangel an Kosmopolitismus oder Humanität, ver-