Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1843)
- Article
- Leipzig: Der Jom Tob Scheni in Brilon
- Date
- 1843-04-25
- Page
- Seite 131 (sequence 2)
- Language
- German
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151 — 88. Jahre, wie sein Enkel sagt, ein Muster der Werkthätigkeit am *0$ w abzugeben; er hatte nie, wie sein Enkel mir auf Ehre (?) versichert, den Osy gehalten, sondern heldenmüthig. entweihet. „Ich kann dem Hm. Dr. Fürst auf Ehre versichern", sagt sein Enkelin gedachter Beilage, „daß mein Großvater die zweiten Feiertage nie gehalten, daß er noch voriges Jahr am HDD hw io*> eine Reise von 6 Stunden vorgenommen, um eine Beschneidung zu vollziehen". Ich, der Schreiber dieses, war leider so verblendet, von diesem Siege der Werkthätigkeit über den müßiggängecischen Rabbinismus Nichts zu wissen, ja es ist schrecklich, ein geborener Preuße zu sein und nicht einmal zu wissen, „daß er (Friedlander) bei einem zufälligen Besuche in Soest nicht anstand, mit dem Herrn H. (Hellwitz) am eine Spazierfahrt nach dem zwei Stunden von Soest entfernten Werl zu machen". Ich sage pater peecayi, unt> gebe dem trefflichen Enkel des trefflichsten Ahnherrn hier feierlichst mein Ehrenwort, daß ich von nun an von Rabbinen Alles glaube. Hr. Rabbiner Friedlander ist wahrhaft genial und die Lobrede,. die sein Enkel ihm hält, ist noch genialer; ich werde mich bestreben, anstatt für ein Hospital in Jerusalem Subskribenten zu sammeln? lieber für ein Friedländer-Monument eine Steuer auszuschreiben; denn was ist ein Hospital in Jerusalem gegen eine amüsante Spazierfahrt am M&y &? Mit Vergnügen unterschreibe ich den Satz des genialen Enkels: Eine solche musterhafte Konsequenz verdient wahre Anerkennung und nicht gemeine Verdächtigung"; ja ich gehe noch weiter und behaupte, eine solche Konsequenz, 88 Jahr^ am m & spazieren zu fahren, verdient eine Krone, und zum ersten Mal in meinem Leben bedauere ich es herzlich', daß ich nur Fürst bin und keine Krone zu vergeben habe. Es war von jeher'das Schicksal der Fürsten, Neuerungen und Reformationen mit Indignation zu betrachten, aber gewiß selten ist die Erscheinung vorgekommen, daß eine achtundachtzigjährige ein solches Schicksal erfahren hätte, wie die Friedländerische; aber die beste Genugthuung, die ich geben kann, ist, daß ich mich selbst an die Spitze dieser 88jährigen Neuerung stelle und sie gegen die schlechte Presse vertheidige. Die beschrankten Orthodoxen sind der Meinung,, daß nur das Fortfahren im Guten eine verdienstliche Konsequenz sei, daß z. 35. wenn einer sein ganzes Leben, und wenn auch 88 Jahre, die Religion mit Füßen tritt, Feier- und Festtage entweiht, verderbliche Lehren ausstreut und durch eigenes Beispiel zum Abfall verleitet, daß ein Rabbiner, der das my 'tib ]nn (also selbst wenn seine Heerde D^y sind) mit gemeinem Metzgersinn Übertritt, die Konsequenz höchstens als Hartnäckigkeit im Sündigen angesehen werden kann; aber wie gesagt, die beschränkten Orthodoxen wissen nicht, was eine Spazierfahrt am A heißen will, was das heißt, ganz unerwartet, wenn alle orthodoxen Konkurrenten zu Hause hocken, herumfahren u. ein Geschäft machen. An der Galizischen Grenze gab es einen Pascher, der am liebsten an Ä rh sein Geschäft betrieb, und analoge Vortheile weiß die jüdische Heerde in Brilon zu schätzen. Wie tief habe ich es empfunden, an diesem riDD hv ep z. B. bei dem schönen Wetter keine Spazierfahrt machen zu können! Der Enkel Friedlander hat Recht, daß jede Konsequenz eine Belohnung verdient und zumal eine 88jahrige. Ein Dieb, der 88 Jahr stiehlt, verdient jedenfalls ein Denkmal, und wenp Schobci nur noch länger sein Geschäft betrieben, so würde er gewiß noch König von Ungarn geworden sein; es ist wirklich unverzeihlich, daß die österreichische Regierung ihn in seiner Ehrenlaufbahn gestört. Der sehr gebildete Enkel, obgleich noch erst Student, macht mit Recht noch ein Argument geltend, warum die Reformen seines Großvaters ein Monument verdienen; er versichert nämlich, daß sein Großvater schon vor 71 Jahren ein gewesen, und wenn er auch seit 71 Jahren so wohl das Metzgerhandwerk als das Judenthum 'vergessen, so verdient er doch schon als einige Ehre; und gern stimme ich seinem Enkel, dem Student ohne Ehre, hierin bei. Die beschränkten Orthodoxen würden freilich sagen, was beweist das für einen Abtrünnigen? Elischa ben Abuja hat gewiß auch die OTB gehabt, er war sogar der Lehrer von 'l, und doch ist aus ihm ein Tin geworden. Allein keiner von diesen Orthodoxen weiß es zu schätzen, was das heißt, den W & zu entweihen, und das große Opfer zu bringen, von Soest nach Werl zu fahren. Ich fordere daher in allem Ernst meine Leser auf, für ein Fciedländer-Momument Subskriptionen in ihren Kreisen zu eröffnen. F. Köln, 1. April. Einem amtlichen Berichte zufolge wohnen jetzt im preuß. Regierungsbezirke Köln 5045 Juden. E Pofttt, Mitte April. Ja, wir sind überall gezwackt, Der so, der andere so geplagt, Der hier, und der dort angepackt. R ü ck e r t. Die privilegirte schlestscheZeitung beginnt es sich zum heiligen Berufe zu machen, den alten Kram von Vorurtheil und Haße aus den Tiefen der Zeit herauszusuchen, um gewissen Leuten einebittersüße, aber willkommene Kost auf Schalen geschminkter Humanität zu reichen. Jüngst geiferte ein gallsüchtiger Korrespondent in genannter Zeitung über die hiesige jüd. Glaubensgenossenschask in einem solchen durchsauerten Tone, der hier in den Gemüthecn große Indignation erregte. Wir erkennen darin gar zu sehr die geschmeidige Toleranz unserer benachbarten Schlesier, die sich anfangt mit dem Deckmantel einer erheuchelten Philantropie zu umhüllen. Verletzend sind die Worte, die nur der Stumpfsinn und die Rohheit diktiren konnte; 17 *