Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1843)
- Article
- Prüfung in der israel. öffentl. Freischule
- Date
- 1843-04-25
- Page
- Seite 130 (sequence 2)
- Language
- German
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130 Gebote stehen, guter Wille vereint mit einigem Aufwands von Kraft und Anstrengung von Seiten der Lehrer manche Lücken-ausfüllen, manche Mangel ersetzen könne. Deshalb seien die Lehrgegenstände vermehrt worden und würden jetzt auch solche Wiffenschaften betrieben, die, (Heils in den Kreis einer allgemeinen Bildung gehörend, theils als Vorbereitung für ein Gymnasium unerläßlich, früher entweder gar nicht oder nur privatim gelehrt wurden. Der Unterricht im Hebräischen wird auch nicht mehr, wie in den letzten Jahren, als eine bloße Anweisung zum Verständniß der jüdischen Liturgik betrachtet, nicht nur den Fähigeren wird eine Anleitung zur Erlernung dieser Sprache zu Theil, sondern alle Schüler werden theoretisch und praktisch auf gleiche Weise von unserem, namentlich im Hebräischen, so tüchtigen Retigionstehrer, Herrn Wiener, unterrichtet. Unsere Schule hat ja nicht allein darnach zu trachten, daß sie ihre Zöglinge zu sittlich guten Menschen und zu brauchbaren und nützlichen Mitgliedern der bürgerlichen Gesellschaft heranbilde,. nicht allein darnach zu trachten, daß sie den Verstand derselben entwickele, ihr Herz veredle und ihr Gemüth durch Sittlichkeit lautere, sondern sie hat auch die Aufgabe, aus ihren Schülern Israeliten hervorgehen zu lassen, von dem von ihren Vätern geerbten Glauben begeistert und von der Wahrhaftigkeit und Heiligkeit desselben tief durchdrungen. Wie wäre dies aber möglich, ohne einen gründlichen Unterricht im Hebräischen? Dastes aber wohl eigentlich in dem Streben unseres Religionslehrers liegt, in den jungen Gemüthern Geist und Sinn für das Religiöse und Erhabene zu wecken, hat derselbe in der schönen Rede, die er den 21. Jan. d. I. bei Gelegenheit einer hier stattgehabten Konfirmation, gehalten und durch welche er alle Zuhörer tief ergriffen und erbaut hat, hinlänglich an den Tag gelegt. Nur der Unterricht im Talmud wird von Herrn Wiener in einer sogenannten Selekta einzelnen Schülern, deren Eltern denselben wünschen, ertheilt und auf diese Weise wird auch den Wünschen unseres würdigen Herrn Landrabbiners, zu dessen Berdiensten um die Gründung unserer Schule noch dasjenige hinzukommt, verschiedene Legate zu erwähntem Zwecke verschafft zu haben, genügt. Eine rühmliche Erwähnung verdienen auch die Leistungen unseres Schreib- und Rechnenlehrers, Herrn Weg. So dürfen wir von. den Bemühungen und Anstrengungen unserer jetzigen Lehrer den besten Erfolg erwarten und der Hoffnung vertrauen, daß der fortgesetzte Eifer und der unermüdliche Fleiß derselben für unsere Jugend die ersprießlichsten Folgen haben werde. Möchten aber auch die samwtlichen Mitglieder, unserer Gemeinde die Ueberzeugung gewinnen und auch ihre Kräfte aufbieten, um dem redlichen Streben der Lehrer so sehr als möglich zu Hülfe zu kommen; möchten sie einsehen lernen, daß das Wohl und das künftige Fortkommen unserer Kinder einzig und allein von den Kenntnissen abhange, die sie sich in der Schute erwerben, zumal da unsere Heranwachsende Jugend sich spater nicht mehr dazu verstehen kann, jenes eine Gewerbe zu hegen und zu pflegen, das, von einer früheren Barbarei uns emgeraumt, in letzter Zeit oft noch mannigfache Beschränkungen erfahren hat! Vielleicht wird unsere künftige Generation durch ihre geistige Bildung und ihre höhere Intelligenz, die sie sich in der Schule erworben hat, fähig gehalten, den übrigen Mitgliedern des Staates als gleich berechtigte, und verpflichtete zugesellt zu werden; vielleicht gelingt es unfern Kindern endlich, die harten Schranken unserer bürgerlichen Verhältnisse aufgehoben zu sehen und von jener mittelalterlichen Bedrückung befreit zu werden, in Folge deren es uns in unseren Landen noch nicht gestattet ist, ein Handwerk zu treiben und uns durch dasselbe mühsam und redlich zu nähren, weil bei uns die Erlaubniß, ehrlich und redlich arbeiten zu dürfen, noch immer von dem Glaubensbekenntnisse abhangt. Leipzig, 14. April. Die Sächs. Vaterlandsblatter enthalten in ihrer letzten Märznummer einen Aufsatz über (gegen) die Juden, ln welchem wieder von ihrer Nationalität die Rede ist. Der Verfasser, der halb Dahlmanns, halb Bauers Ansichten kopirt, möge doch eine genügende Erklärung über die Theilnahme geben, welche die Juden allem Großartig-Gemeinnützigen, sowie allen Calamitaten unter Nichtjuden (z. B. auf Guadeloupe) .schenken? Wie reimt sich diese Erscheinung mit dem Phantom einer Nationalität, mit dem Hirngespinnst einer Judenkette? Leipzig, 17. April. Der Jom Tob Scheni in Brilon. Kennst Du, lieber Leser, die Metropole Brilon, wo, nach Cannabich, Blechwaaren und Nagel fabricirt werden und nach der Beilage zur A. A. d. I. N. 16, das größte Licht des Judenthums leuchtet? Du schüttelst den Kopf und stutzst, aber ich kann Dir nicht helfen; es ist wirklich dem also, höre und laß dich belehren. Unter den 3094 Seelen in der Residenz, ist auch eine kleine jüdische Schaafheerde von 80 Köpfen, deren Hirt der Rabbiner Friedländer ist. Dieser große Mann, obgleich, wie sein Enkel sagt, schon 88 Jahr alt, ist das größte Licht der Judenheit, und man würde sich wirklich wundern, daß die Juden Europa's und Aftika's so undankbar sind , und bis Dato ihm noch kein Monument gesetzt, wäre nicht Undankbarkeit unser Fehler von jeher gewesen, und wäre diese Erbsünde nicht sogar in der Dynastie Friedlander heimisch. Was kein Gaon, kein Rabbiner bis jetzt gewagt, das hat der Hirt Friedlander inmitten seiner Schafheerde glänzend ausgeführt; die große Heldenthat ist ihm gelungen, am W yitt DT» spazieren zu fahren und jede andere Arbeit zu verrichten. Von Jugend mtf an Thätrgkeit gewöhnt — denn unser Held, Rabbiner Friedlander, war früher Fleischer von Profession — hat er es nicht verschmäht, selbst in seinem