Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 16 (18.4.1843)
- Article
- Bescheidene Anfrage
- Date
- 1843-04-18
- Page
- Spalte 253-254 (sequence 2)
- Language
- German
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253 Beiträge zum für dieses Werk mit gleicher Theilnahme interesst'ren, den aufrichtigsten Dank wissen, wenn er die Güte haben wollte, 'den entsprechenden Ausschluß hierüber zu geben. Le ob schlitz, in Oberschlesi'en. Hollaende r. Beiträge zum Mabbiuenweseu. Im Literaturblatte des Orients No. 3 und 5, unter der Aufschrift: „Beitrage zum Rabbinenwesen" bringt Herr Rabbiner Fürst in Heidelberg einige Fragen aus dem Gebiete der stystematischen Theologie zur Sprache. Obgleich wir dem H. Rabbiner für diese Veröffentlichung unfern innigsten Dank zollen, indem diese Fragen einerseits für die speculative Theologie von großem Intereffe sind, andrerseits aber auch für die religiöse Praxis ihre hohe Bedeutung haben, so können wir -och nicht umhin, das, was uns in den Ansichten des H. Rabb. unstatthaft dünkt, nach Kräften zu widerlegen, weil hier jede unrichtige Ansicht zu einer falschen Beurtheilung der Religion selbst führen könnte, auf den Ausspruch uns stützend: Dlpzon iDD ppbin pN um Wn ww. — Zu Frage 2. Wenn H. F. als charakterisirende Grundidee der jüdischen Gotteslehr das rPHN ntibS1 »Ivnv, das absolute Sein, angiebt, so glauben -wir ihm hierin widersprechen und auf die Seite der examinirten Kandidaten treten zu müssen. Das. Charakteristische eines Dinges besteht in den Merkmalen, in denen es sich von einem andern Dinge unterscheidet, also ist das Charakteristische der jüd.Gottestehre offenbar das, worin sie sich von einer andern Gotteslehre, also der heidnischen u.christlichen unterscheidet. Und das ist doch wahrlich nicht die Idee des absoluten Seins; denn selbst das Heidenthum, wenigstens in seinen Mysterien, vindicirt seinen Göttern ein absolutes Sein. Ja selbst die h. Schrift giebt es nicht als Charakteristicum an; denn in jener allegirten Stelle will Gott dem Moses nur seinen Namen mittheilen, und wenn wir auch bei Gott Namen und Wesen identisiciren, so ist immer noch kein Grund vorhanden, das absolute Sein als charakterisirendes Merkmal des Judenthums anzunehmen. ' Bekanntlich erklären die Rabbinen obige Stelle auch nur durch: ooy rrriN H rnsn DDJ/?T»1N IDyBO. Vielmehr ist das einzige und wahre Charakteristicum der jüd. Gotteslehre die Einheit (nnriN). So sagt auch Bechaji in feinen Chobot ha - Lebab'ot (Pforte 1 zu Anfang) „Es spricht der Verfasser, als wir geforscht, was uns mehr am Herzen liegen soll, als unser Ge- . setz und seine Hauptwurzeln, haben wir gefunden, daß die Einheit Gottes mit vollem Gemüthe zu bekennen ihre Wurzel und ihr Grund sei; denn dies ist das erste Thor der Lhore der Offenbarung und durch die Lehre der Einheit unterscheidet sich der Gläubige vom Ungläubigen (pDNDn TW “1DDH jft) und dies ist das Haupt der Wahrheit des Ge- RabLinenwesen. 254 setzes." So sagt auch-Mendelssohn im Kommentare zu Ex. 20. 2. 3, daß Gott sein Dasein nicht offenbaren wollte, noch konnte; denn um der Offenbarung Gottes Glauben beizumeffen, müßte man vorher schon glauben, daß Gott der sich Offenbarende ist. Der erste Ausspruch ist also blos Einleitung zum zweiten, welcher ausdrückt, daß nur Ein©ott ist. Vgl. auch Abarbanel z. d. St. Daß Einheit das Judenthum charakterisire, lesen wir auch in dem, noch lange nicht genug gewürdigten . Buche, „Religion des Geistes" von Formstecher. Da heißt S. 106. „Höher vermag das Heidenthum sich nicht zu erbeben, als zum physischen Monotheismus, daß es in der wahrgenommenen Vielheit eine höhere Einheit erkennt und dadurch die ganze Natur als einen einzigen Gott hypostasirt. Eine Stufe höher : steht der eth i sch e Mo n o t h eis m us und dieser ist Judenthum". Wie wenig . das absolute Sein geeignet sei, den charakteristischen Unterschied des Judenthums zu bilden, geht auch daraus hervor, daß in der h. Schrift nichts mehr davon erwähnt wird, während die Propheten stets für Monotheismus und gegen Polytheismus eisern, und selbst die Rabbinen das yü® als tägliches Gebet statuirt haben. Ja der H. Rabb. steht mit seiner Erklärung fast auf spinozistischem Standpunkte; denn auch Spinoza definirt Gott als absolutes Sein, ohne einen biblischpersönlichen Gott zu haben. — Zu Frage 3. Was die Ansicht über Tradition betrifft, so kann sie als Hypothese zwar angenommen werden, obgleich sie nichts Neues darbietet, denn schon Michaelis (Mos. Recht 1. § 3) spricht von einem jus consuetudinarium; allein sie entspricht nicht ' der Entwicklungsgeschichte des Judenthums und wird, durch die angeführten Beweise nicht bekräftigt. Denn das rjfDl hirrHD “IDO rb giebt ja hinlänglich die Form der Ehescheidung an, und eine stereotype war auch gar nicht nöthig. Oder glaubt der H. Rabb. , daß die Form des £.1, bereu wir uns bedienen, damals schon dieselbe war? Dasselbe gilt vorder Unterscheidung zwischen naniND m>0 und pjfe) *c. Wenn Unterscheidungsich auch in der Volkssitte vorfand, da hier in dem jüd. Volksleben nichts Eigenthümliches ist, wer bürgt uns dafür, daß alle Formen sich in der jetzigen Gestaltung vorfanden? Wenn Hr. F. auch die Unsterblichkeit der Seele hierherzieht und das Vorhandensein derselben in der damaligen Volksgesinnung beweisen will, so glauben wir hierin das Gegentheil ebensogut darthun zu können. Denn in der ganzen Lora finden wir nie eine Hinweisung auf eine jenseitige Vergeltung, alle Belohnung und Bestrafung ist nur auf dieser Erde (Dt. 30, 15. 19. Jes. 3. 10. 57, 20. Prov. 33, 21). Erst in der babylon. Gefangenschaft lernte das Judenthum dm Begriff von einer jenseittgen Vergeltung kennen. Es ist sehr ungewiß, ja sogar höchst unwahrscheinlich, daß die Idee der Unsterblichkeit der Seele nach unserer'Vorstellung schon vor Moses in der Volksgesi'nnung lebte. Allein, wie gesagt', die ganze Hypothese über Tradition widersprich^ dem Entwickelungsgange des Judcnthums. Denn wie konnten bei einer solchen stabilen Tradition Streitigkeiten über die Ausübung