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Der Orient · 1843-04-11 · 15 (11.4.1843) · p. Spalte 237-238

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Journal
Der Orient
Volume
1843
Issue
15 (11.4.1843)
Article
Jüdische Religionsphilosophie [Rezension]
Date
1843-04-11
Page
Spalte 237-238 (sequence 1)
Language
German
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237 238 Jüd. Religionsphilosophie. Die Unsterblichkeit rc. v. Dr. Sammler. Jüdische Neligionsphilosophke. D!e Unsterblichkeit unserer Person, wissenschaftlich beleuchtet von Dr. A. Sammler. Liegnitz, 1843. 8. Verlag von L. Görschel. Sind dem Menschen, der da!6thmet^und lebt, auch aus ewig verschlossen die Pforten des Jenseits, und wachen auch mit flammendem Schwert die Cherubim, den Eingang wehrend, damit man nicht genieße von dem Baume des Lebens, und schon hiemeden sich des Vorgefühls der Ewigkeit klar bewußt werde, gern hört man doch ein Wort über jene Zeit, und wenngleich ein Begriff über ein unbekanntes Etwas nicht gefaßt und nicht bezeichnet werden kann, willig nimmt man jede Auskunft, die geboten wird, mit Wissbegierde aus, und darum begrüßen wir auch freundlich vorliegendes Werkchen in diesen Blättern. In diesen Blättern, nicht darum, weil der Verfasser unserm Volke angehört, und wir die Vortrefflichkeit und Gediegenheit, sowie die Gründlichkeit seiner Forschungen und Leistungen rühmend, uns desselben freuen, sondern weil eine wahre Religiosität, die gewiß dem geläuterten Glauben eines Juden entspringen kann, das Büchlein 'durchweht, trotz dessen, daß es nicht den jüdischen Quellen entnommen, und nicht auf jüdischem Boden gediehen ist. Der Verfasser will auf theologisch-philosophischem Wege die Unsterblichkeit der Person debuciren; doch hat er sich nirgends ausgesprochen, die Theologie welcher Religion er meint, noch welche Richtung er verfolgt, und welchen Standpunkt er einnimmt; und scheint also das allen Religionen und alten Richtungen Gemeinsame, die Grundbasi's aller zu einer theologischen Selbstständigkeit erhoben, und mit philosophischen Kriterien dieselbe bei seiner Untersuchung applicirt zw haben. Er hat sonach seine Arbeit natürlich über alle konfessionelle Differenzen und mannigfachen Einseitigkeiten der verschiedenen Richtungen sicher stellen wollen, ist aber darum doch in dieser Welt dem Kampfe nicht entkommen. „Wer nicht für uns ist, ist wider uns"; und er, abstrahirend von dem individuellen Glauben und Meinen, hat somit negirt den Boden einer gläubigen Ueberzeugung, die Möglichkeit einer allgemeinen Neligionsanschaumrg zugebend. Doch so wenig dies Raisonnement über die individuellen Ansichten des Verfassers maaßgebend sein kann, der fußend innerhalb einer bestimmten Glaubens-Ueberzeugung, den allgemeinem Standpunct für sein Buch gewählt haben mag, um es zum Gemeingut auch derjenigen zu machen, die einer andern Ansicht und Meinung huldigen, eben so wenig kann dies dem Werth und dem Gehalte des Buches irgendwie nur nachtheilig sein. Wir behalten jetzr den Standpunct des Verfassers im Auge, den er einmal hier einnimmt, und der weder ein philologisch-kritischer noch ein mystisch-theologischer innerhalb bestimmter Grenzen einer Religionsansicht ist, und führen uns in einem Gesammtüberblicke die gewonnenen Resultate vor. Der Verfasser beseitigt zuerst die Einwürfe, die man gegen die Unsterblichkeit, was aber, wie aus den Einwürfen hervorgeht, besser gegen die Möglichkeit einer Erkenntniß oder die Erkenntniß der Unsterblichkeit genannt werden dürste, erhoben hatte. Den ersten Widerspruch nennt er „Juris aequi“, daß der Mensch im endlichen Wesen die Unendlichkeit nicht einfthen könne, und er widerlegt ihn mit Glück, indem er dagegen die Ewigkeit, die Unsterblichkeit der Person, der eben „das Richteramt" zuertheilt wird, geltend macht. Der zweite Widerspruch gründet sich auf die Unvereinbarkeit der Spontanaität und der Prädestination, die wiederum ein jedes für sich substituirt, und mit der Unsterblichkeit unvereinbar sei; denn ein Gott, der nicht allwissend ist, kennt die „Zubehör zur Förderung des ewigen Weiterbestandes nicht, um solchen zu verwirklichen, und ohne Freiheit giebt es keine Persönlichkeit, das sin6 qua non der Unsterblichkeit"; und dieser Widerspruch wird beseitigt durch die Voraussetzung, daß „der Mensch eine Person, als ein aus der Gottheit geflossenes Wesen ist" und was wir vornehmen, geschieht in demselben Moment unter den Auspicien und Mitwissen Gottes. „Gott existirt zwar von uns unabhängig, aber doch ist das leibliche Wesen ein von ihm ausgegangener Strahl." Er weiß Alles und übersieht das in der Verknospnng Eingehüllte schon bis über die Zeitigung und sogar Verwesung hinaus"; er wird jeder Regung inne, und billigt den Fortschritt und mißbilligt den Rückschritt jeder Entwickelung. Der Verfasser erwähnt nur diese beiden Widersprüche, die eigentlich nicht von solcher Wichtigkeit sind, daß sie eine solch' ausführliche Beseitigung verdienten, und übergeht viele andere und gewichtigere. Wir hätten allerdings gewünscht, daß der Verfasser sie alle gesammelt und rubricirt hätte, als solche, die dem Wesen der Unsterblichkeit der Form, dem Zweck rc. entspringen. Nachdem nun die Hemmnisse beseitigt sind, sucht der Verfasser den Boden auf, um darauf sein Gebäude aufzuführm. Indem er die Einheit des Geistes geltend macht, das nicht nach zweien Seiten hin verschiedenartige Resultate ermitteln kann, verweist er, daß Glauben und Wissen sich gegegenseitig ergänzen müssen, und daß beide dm gemeinschaftlichen Grund zur weitern Untersuchung ausmachen. „Getragen von dieser geistigen Grundlage wird nur zuerst der Mensch in Betracht gezogen, und gefunden, daß sich sein ganzes Wesen in Gefühl, Moralität und Intelligenz theile. Es findet der Mensch nämlich sich in den Dingen zuerst, die er fühlt und empfindet, ohne daß er sich selbst seiner bewußt ist, und als die intensivste Stufe des Gefühls bezeichnet der Verfasser die Clairvoyance. Dabei macht er nun einige sehr gute Bemerkungen: „wenn das Gefühl wesentlich nur ist das Erfassen des tiefsten Selbst's, so hat die Clairvoyunce ihren Grund in der völligen Jsolirung, der einzigen Funktion des Gefühls, die auf diese Weise zu ihrem Maximum gesteigert wird und zu sich selbst kommt." Wie nun in dem Gefühle auch das Religiöse sich vorsindet, und dieses wie jedes andere auf ewige; Wahrheiten hinaustäust, so ist auch der Ursprung, in dem diese wurzeln, das menschliche Gefühl als ein ewiges zu betrachten. Namentlich legt aber evident die eminenteste Stuft

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