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Der Orient · 1843-04-11 · Heft 15 (11.4.1843) · p. Seite 120

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 15 (11.4.1843)
Article
Prag : Prüfung an der Haupt- und Mädchenschule ... [Nachricht]
Date
1843-04-11
Page
Seite 120 (sequence 2)
Language
German
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120 Naturlehre, aus den' schriftlichen Aufsätzen, aus dem Deutsch- und Lateinlesen und aus dem Style. Am folgenden Tage Vormittags von 9 bis 12 Uhr wurden die Schüler der 2., der 1. und der Vorbereitungsklasse geprüft: aus dem Bnezion und der Moral, aus dem Lesen, aus der Rechtschreibung verbunden mit der Sprachlehre und aus dem Rechnen;. Nachmittags von 3 bis 5 Uhr wurden zuerst die Schülerinnen, der 1. Klasse beider Abtheilungen geprüft: aus dem Bnezion, aus dem Rechtsprechen, Lesen und Rechnen; dann die Schülerinnen der zweiten 'Klasse beider Abtheilungen: aus dem Bnezion und der Moral, aus dem Lesen, aus dem Rechtschreiben in Verbindung mit der Kenntniß der Redetheile, aus dem Rechnen, aus der Verfertigung weibl. Handarbeiten unter Abflngung einiger Schullieder. (Diese letzte Phrase befindet sich wörtlich so in der gedruckten Einladung zur Prüfung!) An der Hauptschule waren 416 Schüler, an der Mädchenschule 208 Schülerinnen, Sonntagsschüler und Schülerinnen (so werden diejenigen Schüler und Schülerinnen genannt, welche nach dem Austritte aus der «Schule, Sonntags die sogenannten Wiederholungsstunden besuchen,) sind 85, und die Zahl der Praparanden (soll. derjenigen, welche zu künftigen Schul- und Privatlehrern herangebildet werden,) beträgt 21, also die Summe aller in dem Winterkurse Unterrichteten' 730. — Das gegenwärtig an unserer Haupt-■ und Mädchenschule ftmgirende Lehcerpersonal besteht aus dem Direktor Hrn. Johann Waniczek, einem tüchtigen und erfahrenen Schulrnanne, dem Religionslehrec Hr'n. Dr. Wolsgang Wessely, der den Lesern genugsam bekannt ist, dem Hrn. Markus Winternitz, der sich zugleich um den geregelten Kultus bedeutende Verdienste erwirbt, dem Hrn. Jakob Kor es, Lehrer der Mathematik, den Hrn. Utitz, Raudnitz und Foges, dem Fräulein I. Ecnesti und den Frauen I. Nowak und L. Preßburg. — Die Schulaufseher, Hr. Ernst Wehli und Hr. A. Karpeles, N. D., welche ihr Amt mit Gewissenhaftigkeit und Liebe verwalten, dürfen in dieser Aufzählung nicht mit Stillschweigen übergangen werde.n. — Die Prüfung siel zur allgemeinen Zufriedenheit aus und sammtliche Lehrer zeigten, daß sie ihres Amtes würdig sind. Mögen sie fortfahren ihre Kräfte zum Besten und 'zum Frommen unser. Jugend anzuwenden, und sich nicht zurückschrecken lassend von dem Zischen giftiger, verläumderischec Zungen! Personalchronik und Miseellen. Eine;al^er^ic^>>jrc 2Cn^t'bote die Rhein. Zeit, vom 9. März. In.einem dortigen Blatte standen die Worte „unsere Juden wurden adttig, und unser Adel jüdelt." Das erklärte der Censor in feiner Machtvollkommenheit für einen Druckfehler, und ersetzte es durch „juhelt." — Auch nicht übel! Ueber die Petition der Vorsteher der isr. Gemeinde zu Dresden an die zweite sächs. Kammer enthält die Rhein. Zeit, vom 24. Febr. einen umfassenden und wohlwollenden Bericht. Zu Celle im Hannoverschen steht dem christlichen Armen-Krankenhause der jüdische Arzt Dr. Simon Dawosky schon seit 2 Jahren als Arzt und Wundarzt vor. Federzeichnungen aus der Reisemappe eines jüdischen Schlesiers *). Meine Farben. (Beim Grenz - Schlagbaume.] * p-inV-ot pb ine/ * Ich bin ein Jude! kennt ihr meine Farben? Sie deuten Schmerz und Freude: schwarz und weiß! Früh mußte schon mein armes Herz ja darben, Und nirgends fand es einen trauten Kreis. Da plötzlich.— drang des Glaubens göttlich Walten, In meines Innern finstre, schroffe Spalten, Und fröhlich sang's im stillen Herzens Schrein: Ich bin ein Jude, will ein Jude sein! Ich bin ein Jude! Kennt ihr meine Farben? Sie deuten Nacht und Helle: schwarz und weiß! Schnell alle meine'Jugendträume starben, , Wie ich sie auch gepflegt, so zart, so leis! Weg finstre Nacht! hältst mich nicht mehr gefangen! Für Traum ist mir nun Wahrheit aufgegaugen, Die will ich nie, durchs Leben nie entweihn: Ich bin ein Jud'! muß wahr und redlich sein! Ich bin ein Jude! Kennt ihr meine Farben? Sie deuten Schuld uud Reinheit: schwarz und weiß: Dich schmerzen mancher böser Thaten Narben, Und die Erinnerung manchen Fehls brennt Heist; Doch wie ich auch versunken war in Sünden, Mein Glauben lehrte mich den Ausweg finden; . Ich Hab' gebüßt, mein Leben sei jetzt rein, Ich bin ein Jude! will stets einer sein! Ich bin ein Jude! Kennt ihr meine Farben? Sie deuten Tod und Leben: schwarz und weiß! Nimmt mich der Schnitter auch, zu seinen Garben, Am Grabesrand mir grünt ein Hoffnungsreis. Nicht werde beim Gericht ich zittern/zagen: Gott ist ja gut! ich will ihm bittend sagen: Ich bin ein Jud', o wollest gnädig sein! Erlitt auf Erden schon viel Noch und Pein. — 6 — *) Da die Tendenz dieses Blattes auf die Belletristik sich nicht mit erstreckt, so möge mir der biedere schlesische Verf. verzeihen, wenn ich von seinen mir übersandten Gedichten nur das Eine, als einen Beweis meiner Achtung, abdrucken lasse. Red.

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