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Der Orient · 1843-04-11 · Heft 15 (11.4.1843) · p. Seite 119

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 15 (11.4.1843)
Article
Preßburg : Rede des Grafen Karl Zay ... [Nachricht]
Date
1843-04-11
Page
Seite 119 (sequence 2)
Language
German
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Auf jene Behauptung, „daß die Juden die Satelliten, Träger des Despotismus seien", bemerke ich, daß sie bei ihrer wankenden und gedrängten Stellung, ihm zu huldigen und als Mittel zu dienen gezwungen sind; allein durch ihre Emancipation in den besetzen Schutz- und Schirm findend, nur diesen huldigen werden. Denn auch ihre Brust birgt Keime der bürgerlichen Tugenden, welchen der Lebenshauch der Freiheit zu reicher Entwickelung entfalten wird. Was das Gefährden der Staatseinrichtungen durch dieselben in materieller Hinsicht betrifft, so liegt die Beseitigung dieses Besorgnisses schon in den zur Einwanderung auffordernden Beweggründen, nämlich in der Aufnahme der Heimathlosen zu Mitbürgern, und in der Verschmelzung ihrer Interessen mit dm unserigen. 'Der alte Jude stirbt, der mosaische Mitbürger wird auferstehen, der entweder ganz Magyar wird, oder am Altar der Freiheit diesem brüderlich die Hand reicht. Hochlöbliche Magnaten! Reichen daher auch wir die Bruderhand diesen unsern armen Mitmenschen, die, ihrer Heimath, ihrer Selbstständigkeit beraubt, auf dem Erdball zerstreut, gehaßt, verfolgt, bedrängt, kümmerlich ihr Leben fristen! Die Nächstenliebe schwebe uns nicht nur auf der Zunge, es schließe sich auch ihr unser Herz auf; das Christenthum sei den 'Juden nicht mehr die Religion der Unduldsamkeit, der Unbarmherzigkeit, sondern die der Liebe! Nur so werden sie durch die ewigen Bande der Dankbarkeit und durch ihr eigenes Interesse von unserem gemeinschaftlichen Vaterlande gefesselt, nur so entsprießen uns aus dem mit Fceudenthränen beihaueten Grabe ihrer Unterdrückung nie verwelkende Lorbeerkränze". — Kurz, ich unterstütze den Antrag der Stände! Ich kann diese Mittheilung. nicht besser schließen, als wenn ich hinzufüge, daß im Ganzen die Juden Ungarns sich einer solchen Fürsprache würdig zeigen. Die magyarische Sprache, welche fast mit zu großer Leidenschaftlichkeit als das erste Zeichen der Nationalisi'rung der Juden angesehen wird, macht unter uns bedeutende' Fortschritte und zwar nicht blos bei den. Hetorodoxen, sondern auch bei den Orthodoxen, ja die Orthodoxen sind vielleicht in mancher Beziehung, viel energischer in Betreibung der Emancipationsangelegenheit, als die sogenannten Neuern, d. h. modernen Rabbinen. Man wundert sich hier allgemein, daß weder unser Rabbiner, Dr. Schwab in Pesth, noch der Verwandte Dr. Löw in Groß-Kanischa, bis jetzt mit einer Schrift für die Emancipationssache aufgetreten, obgleich beide dazu durch Talent und Stellung vorzüglich berufen sindja nicht einmal eine kleine Petition, wie ich höre, ging von diesen aus« Wir sind so sehr daran gewöhnt, In unseren Rabbinern unsere gesetzlichen Vertreter dem Staate gegenüber zu sehen, daß uns das Gegentheil nur schmerzlich berühren konnte. Groß-Kanischa, 15. Marz. Das wache Selbstbewußtsein der Nationalitäten in unserm vielbewegten Vaterlande, dergraße Kampf, den unsere Patrioten unablässig für den Ausbau unserer Constitution, und für Erweiterung des Magyarenthums führen, haben auch in die träge Masse der magyarischen Juden eine gewisse Beweglichkeit geworfen, welche die beste Garantie für ihre künftige Emancipation auf ungarischem Boden gewährt. Nicht blos für dm Handel und den Schacher, sondern auch für seine geistigen Interessen, für seine bürgerliche Freiheit, für seine Ehrenrechte ist der hiesige Jude wach geworden, und mit jener Ausdauer und Gelehrigkeit sehen wir dieses Volk in die magyarische Nationalität sich versenken, wie sie der judenfeindlichste Patriot nur beloben kann, In allen. jüdischen Schulen ist die magyarische Sprache ein-Gegenstand des Elementarunterrichts geworden, auf vielen jüdischen Kanzeln ertönen die magyarischen Laute, und ein Jude Moritz Bloch, der Erste, welcher die Bibel ungarisch übersetzte und commentirte und jetzt auch der Erste ist, welcher ein magyarisch-deutsches Wörterbuch herausgibt, ist sogar Mitglied der ungarischen Akademie. Und doch war noch vor zehn Jahren die Sprache der Magyaren dem hierländischen Juden eine fremde, die er werder sprechen noch schreiben konnte, ja noch, viel fremder als z. B. die englische, wenn sie ihm nicht gar verächtlich war. Aber diese Regsamkeit erstreckt sich, wie gesagt, nicht blos auf magyarische Sprache und Bildung, sondern auch auf die Erlangung der noch entbehrten bürgerlichen J^echre oder auch auf die-eifrige Verfolgung ihrer bereits erlangten Rechte, wenn sie von der Statt- Halterei, welche die Juden gern in den Zustand der übrigen österreichischen Juden Herabdrücken möchte, verletzt werden. Dergleichen Uebergriffe sind schon öfter vorgekommen und auch dieses Jahr hat ein Beispiel der Art aufzuweisen, was aber durch die Wachsamkeit der Juden noch zur rechten Zeit zurückgewiesen wurde. Wie in den übrigen Staaten Oesterreichs versuchte nämlich die königl. ungarische Stcitthalterei ganz unerwartet eine Vermögenskonscription der Juden, die bekanntlich die Stelle der ehemaligen Toleranzsteuer vertritt, anzuordnen, aber die Juden protestirten gegen diese Zumuthung, indem.sie sich auf den Gesetzartikel 29 vom Jahre 1840 beriefen, wonach die israelitische Bevölkerung des Landes das Wohnrecht im Land als Eingeborene erlangt, und von einer bloßen Duldung, daher auch von einer Tvlecanzsteuer gar nicht mehr die Rede sein kann. Natürlich nahm die Statthalterei hierauf vorläufig die Anordnung zurück, und da die Juden Ungarns eine Petition in Betreff der Toleranztaxe dem Könige von Ungarn überreichten, so ist man auf die Entscheidung gespannt. Außer dem Finanzpunkte nimmt aber gerade die Statthalterei die Sache der Juden auch gegen die Unduldsamkeit einzelner Comitate in Schutz. Von unserm Rabbiner Dr. Löw und von. einigen andern Gemeindevorstanden werden, übrigens, wie wir hören, schriftliche Petitionen an den Reichstag um völlige Emancipation vorbereitet. : (L.A.Z.) Prag, 1. Marz. (Verspätet.) Gestern und vorgestern fand an unserer Haupt- und Mädchenschule eine öffentliche Prüfung der an derselben unterrichteten Schüler und Schülerinnen statt, und zwar in folgender Ordnung: am 27. Febr. Vormittags von 9 bis 12 Uhr wurden sammtliche Schüler der 4. Klasse beider Jahrgänge - geprüft: aus dem Bnezion (Leider!) und der bibl. Geschichte,'"'au.sder^ Sprachlehre, aus dem 'Rechnen, aus,.der Geographie, aus der Geometrie, aus der Baukunst. uNd 'äus den schriftlichen Aufsätzen; Nachmittags von 3 bis' 6 Uhr die Schüler der 4. Klasse 2. Jahrganges und die der 3., Klasse: aus dem Bnezion, der, Moral und-Bibel, aus der Naturgeschichte, aus der Rechtschreibung und Sprachlehre, aus der'Stereometrie und Mechanik, aus dem Rechnen, aus der

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