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Der Orient · 1843-04-11 · Heft 15 (11.4.1843) · p. Seite 118

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 15 (11.4.1843)
Article
Aus dem Hennebergischen : Ungünstige Lage der Juden [Nachricht]
Date
1843-04-11
Page
Seite 118 (sequence 2)
Language
German
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- 118 - verheirathen. Namentlich sind ihnen die suhler Stadtrechte feindselig. Gleichwohl ist dieser kleine Lheil Landes verhältnißmäßig stark von Juden bewohnt, und namentlich hatten sich in den Flecken Heinrichs und Schwarza sehr viele auf. Nach Suhl darf Keiner ziehen. Ein junger Mann in Suhl, Namens Nathan Mayer, der früher dkr Kleinhandel betrieben, aber das Handwerk eines Leinwebers erlernt hatte und nun dem Handel entsagen und sich seiner Profession widmen, wollte, konnte, trotz aller Bemühungen, die Erlaubnis nicht erhalten, und mußte so zu seinem frühern Geschäfte zurückkehren. Ein angesehener und wohlhabender Jude in Heinrichs, Namens Julius Mayer, wollte nach Suhl ziehen und. wendete sich, da der dortige Magistrat widersprach, an die Regierung, endlich ans Ministerium, mußte aber, mit Rücksicht auf das bestehende Recht, abgewiesen werden. Er verkaufte'nun Hab und Gut und zog mit seiner Familie nach Neuyork, wo es ihm wohl gehen soll, und viele junge Leute aus der, Grafschaft schlossen sich, ihm an. Gleichwohl treiben die Juden jener Flecken viele Geschäfte mit Suhl und' leben mit den dortigen Bürgern, auf dem freundschaftlichsten Fuße. — Die .preußischen Unterthanen jüdischen Glaubens sehen einem neuen Gesetz entgegen. Won der Weisheit eines hochherzigen Monarchen., der seine Gesinnungen, die zu den schönsten Hoffnungen berechtigen, offen ausgesprochen, läßt sich annehmen, daß die Juden dieser wenigen Flecken von diesem Drucke befreit, daß ihnen mindestens dieselbe Freiheit-, gewährt werden wird, deren sich die übrigen preußischen Juden längst-'erfreuen. (D.A.Z.) D e st e r r e i ch. Preßbrrrg, 18. Febr. (Vgl. Nr. 12. S. 91.) Da es bestimmt ist, daß der Gegenstand unserer Emancipation auf dem den 14. Mai zusammentretenden Reichstage zur Sprache kommen wird, so werden es die Leser des Orients nicht überflüßig finden, wenn ich hier die versprochene Rede des Grafen Karl Za y, welche er auf dem vorigen Reichstage gehalten, mittheile. Graf Zay ist der Repräsentant der Gewissensfreiheit und der Duldung.auf, dem Reichstage; er war es vorzüglich, dessen Reden kräftig für die unirten Griechen, für Protestanten und Katholiken erscholl und die Mittheilung seiner kurzen Rede, die erst vor Kurzem in einer deutschen Übersetzung erschienen ist, möge als das einzige Zeichen der Dankbarkeit von unserer Seite erscheinen., Der Dortrag des Hm. Zay beginnt: „Die Fesseln der Juden, in welche sie der Fanatismus schlug, zu lösen, für ihr Bürgerthum zu streiten, ist e.ine heilige Pflicht der Kämpen des Fortschrittes und der Duldung; dies höhere Ziel zu erringen, eine der höchsten Aufgaben ihres Lebens. Durch die Unterdrückung dieses armen verlassenen Volkes, durch das Ausschließen desselben von allen'bürgerlichen Rechten werden die,-. ewigen- Gebote .der Nächstenliebe, die Gemeimnteressen der Menschheit verhöhnt und in. ihren Grundfesten erschüttert Auch hier mußte die Religion-ihren heiligen Namen zu den gräßlichsten Unthaten herleihen, mußte zum Deckmantel jenes Verfahrens dienen, durch welches eine : ganze.. Nation - der Bürger- und Menschenrechte unwürdig erklärt wurde, ohne sie jedoch von den bürgerlichen und menschlichen ,^PflichW' loszusprechen! — So wie aber bei der Erörterung anderer Lebensfragenso werden auch hier mehre Gegensätze aufgestellt, unter denen die folgenden besondere Aufmerksamkeit verdienen. Man behauptet nämlich: 1. „Daß die mosaische Religion nicht mehr ihre ursprüngliche, mit der Staatsverfaffung im Einklang stehende Form festhalte, sondern durch spätere, .dem Staatszwecke widerstreitende, neue Lehren eine andere Gestalt erhalten habe". — Jedoch alle diese Abweichungen hab.en nur Bezug auf das Aeußere des Gottesdienstes, sind daher nicht bindend, und das Bestreben der aufgeklärten Klaffe des Judenthums geht ohnedies dahin, diese entarteten Auswüchse zu vernichten. Der Grundpfeiler der mosaischen Religion Ist, wie früher, so auch jetzt, das alte Testament, dessen Aftersprossen eben so absterben werden, wie jene des neuen, und solche sophistische Deutungen an den unschuldigen Bekennen: jenes rächen zu wollen, wäre eben so ungerecht, als die christliche Religion der Inquisition, der Ketzerverfolgung, überhaupt der Ausschweifung des Fanatismus halber verantwortlich zu machen. 2. Pflegt man auch anzuführen: „daß die Juden in Bezug auf ihre Lebens- und Denkungsart, den übrigen Religionsparteien ferner stehen und sich auch freiwillig von-ihnen absondern, ja, daß sie der Christen geborne und geschorene Feinde sind". — Allein kann man gerechterweise etwas Anderes erwarten? Nähert sich ein Jude mit inniger Bruderliebe seinem Mitmenschen, so wird er als ein gebrcirmtmarktes Geschöpf mit Hohngelächter zurückgestoßen. — Kann und wird denn der gequälte Sklav seinen Peiniger lieben? 3. Man behauptet auch ferner, „daß die Juden unablässig über Bevortheitung der Christen brüteten, daß Geiz und schlaue Hinterlist der Inhalt und Hauptzweck ihres Lebens sei". — Allein, gesetzt, dies wäre auch der Fall, so ist ja blos das gegen sie beobachtete tyrannische Verfahren daran schuld. Vom Ackerbau, von dem Betriebe nützlicher Gewerbe und Künste ausgeschlossen, bleiben ihnen blos die .Wege des Handels offen, und um — durch Gewinn angelockt, vom Pfade des Rechts nicht abzuweichen, dazu gehört ein hoher reiner Sinn, der nicht jedem Sterblichen zu Theil ward. Verirren sich daher auch Einige unter ihnen, so ist dies ja uur eine Folge der menschlichen Gebrechlichkeit. 4. Man folgert auch, „daß die Israeliten nach Verleihung der bürgerlichen Rechte-unser Vaterland überfluthen und unsere Verfassung geistig und materiell gefährden werden, und zwar geistig, indem sie mit den übrigen Mitbürgern deutschen Ursprungs, als mit diesen in der nächsten Berührung stehend, sich verbinden u. unseren kaum erwachten Sinn für Nationalität unterdrücken, kurz, die Träger der Willkühr vermehren würden; materiell aber deshalb, weil sie alle Handelsunternehmungen in ihre Netze ziehend, das Mark Ungarns aussaugen würden". —- Was nun das Erste,' das „geistige Gefährden unserer Verfassung" betrifft, wenn das auf die Unterdrückung des Magyarenthums seit Jahrhunderten gerichtete Streben des mit aller geistigen und materiellen Kraft und Gewalt ausgerüsteten Deutschthums fruchtlos geblieben, so frage ich: jetzt wo unser guter König und ruhmvoller Reichspalatin an der Spitze der Gönner und Beförderer der Entwickelung unserer Nationalität stehen, wo bie. erlauchte Dynastie die Zauberklänge unserer Muttersprache zu der ihren macht, wo diese letztern ihre verbannten ursprünglichen Rechte, siegreich erkämpft, wo das ganze konstitutionelle Europa in der Entwickelung unserer Sprache und Nationalität den treuesten und kräftigsten-Wächter und Kämpen seiner Freiheit erkennt, — so frage ich, ist es nicht eine engherzige, un«. haltbare Behauptung, die Einwanderung einiger Tausend bedrängten, heimathlosen . Juden könne unsere Nationalität gefährden?

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