Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1843)
- Article
- Loschitz : Ueber die österr. Gesetzgebung [Nachricht]
- Date
- 1843-04-04
- Page
- Seite 112 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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112 — so kann sie doch wenigstens von der Pietät gegen das Alte, welche in der legislatorischen Theorie herrscht, zeugen. — Der zweite Zug, den ich hier anzuführen habe, betrifft bk Gesetze über den Bann. Nach der jüd. Polizeiocdnung, Art. VIII. nämlich sollen die Landrabdiner gegen das jüd. Diebsgesindel und diejenigen, die ihm Unterschleif geben, oder von ihm etwas kaufen, wenigstens alle 2 Jahre den großen Bann im ganzen Lande bei jeder Judengemeinde in allen Synagogen ausrufen lassen. Sie sehen, die jüd. Diebe erfreuen sich bei uns einer besondern Aufmerksamkeit von Seiten der Regierung. — Der dritte Zug endlich ist ein christlichfrommer. Die Abhaltung jüd. Faschingsbälle während der christlichen Fastenzeit ist laut eines Hosdekr. vom 18. Dec. 1823 an sammtliche Länderstellen, - da die Balle in dieser Zeit überhaupt verboten sind, auch uns untersagt. Sie sehen, daß es eines besondern Gnadenakts bedarf, wenn wir am Purimfeste tanzen wollen. .— Schließlich muß ich noch bemerken, daß der Nikolsb. Korresp., wahrscheinlich aus Versehen, unserer milden Regierung Unrecht gethan, wenn et gesagt hat, daß wir 2 3c. CM. Verzehrungssteuer von einem Pf. Fische zu zahlen haben, da wir nur 1 X. EM. zu zahlen brauchen. 8uum cuique! Von der ungarischen Grenze, 24. Marz. Die Breslauer Zeitung laßt sich in einem Artikel, dd. Pesth, 12. Marz, schreiben, daß eine der wichtigsten Lebensfragen/ welche am nächsten ungarischen Reichstage werden verhandelt werden, die Gleichstellung aller christlichen Konfessionen ist. Wer nun diesen Pesther Artikel liest, glaubt gewiß, HÜß man in Pesth an'die völlige Emancipation der Juden gar nicht-denkt,-daß .die christlichen Edelleute dort auch mit der /bizarren Idee eines /christlichen Staates" jetzt schwangec gehen, und am Reichstage die Mißgeburt verstellen werden', damit sie von den Magnaten geliebkost und gepflegt 'werde, was aber in der That nicht so ist, und ich muß diesen eigentlich Breslauer Bericht als eine unwahre und mehr dem preußischen Verstände angemessene Erfindung bezeichnen. Denn Pesth ist gerade die am Meisten liberal gesinnte Stadt in Ungarn, die sich immer durch Toleranz und Liberalität gegen die Juden ausgezeichnet, wie es jeder, dec in dieser Stadt gelebt hat, bemerkt und sich davon überzeugt haben wird. Es ist daher unglaublich, daß ein Pesther Korresp., wenn er die Volksstimmung befragt hat, von einer Gleichstellung nur der christlichen Konfessionen sprechen kann. Ich glaube vielmehr, wenn in Ungarn eine Gleichstellung der verschiedenen Konfessionen zu Stande kommt, man auch die Juden als Staatsbürger anerkennen wird, und die Breslauer Zeitung hat sich verrechnet, wenn sie preußische Ideen in Ungarn einbürgcrn will. Ungarn ist ein freies Verlag von E. L. Fritzsche. Land, und wo Freiheit herrscht, schmiedet man nicht immer neue Fesseln für die armen Juden. Ein Ungar. Avtld, 1. Marz. Bei uns in Ungarn schwankt die Wage der Gerechtigkeit gegen die Juden noch hin und her. Zwar erlangen sie durch die Gründung der Monatsschrift des Baron v. Cötvös einen neuen wakkecn Beschützer und dec Adel im eigentlichen Ungarn, wenigstens so weit er nicht deutscher oder slavischer sondern -rein magyarischer Abkunft ist, nimmt sich ihrer an — worüber die slavische Partei -ein gewaltiges Lamento erhebt; — aber das Verfahren gegen sie ist nicht überall gleich human, wie folgende Thatsachen der neuesten Zeit beweisen. — Im Gomorer Comitat wird den Juden fortwährend die Aufnahme verweigert; im Saroser hat eine stacke Einwanderung galliz. Juden ein Kön. Rescript herbeigeführt, welches derselben Schranken setzt; dagegen ist in der königl. Freistadt Güns den Juden der Häuserbesitz unter eigenem Namen erlaubt worden. Wir hoffen, daß der nächste Landtag (vom 14. Mai 1843 an) die von dem früheren ererbte Schuld gegen die Juden vollständig entrichten werde. Personalchronr'k und Miseellen. Die Erzählung t'^nneau de Salomon wird im, Feuilleton des Constit. noch immer fortgesetzt. . , Ein geachteter jüd. Kaufmann aus Breslau, Hr. Julius Friedländer, kam durch einen bedauernswerthen Unglücksfall aus einer Reise nach Leobschütz ums Leben. Am 9. März wurde er daselbst feierlich begraben. Der evang. Pastor hielt eine ergreifende Rede,am Grabe. In Russ.-Polen beträgt, dem neuest, stat. Werke üb. dies Land zufolge, die Anzahl der Juden 469,930. In Prag ist die isr. Kleinkinderbewahranstalt zugleich eine Musteranstalt zur Bildung isr. Lehramtskandidaten für 'ünkinderbewahranstalten. Die Voss. Zeit, vom 11. März enthält in einer Privcümittheil. aus Petersburg einen Bericht über das Gedeihen der von Juden errichteten und mit jüdischen Arbeitern besetzten Fabriken in Polen. " Der 'Bischof Alexander zu Jerusalem soll seit dem neuen Jahre eine theologische Zeitschrift in deutscher, hebräischer und englischer Sprache herausgeben. *= Die Schles. Zeit, meldet, daß in der neuesten Zeit mehre jüdische Mädchen, welche sich raufen ließen und dann heiratheten, mit Ausstattungsgeschenken' von des Königs Majestät erfreut worden sind. Druck von I. H. Nagel.