Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 14 (4.4.1843)
- Article
- Dresden: Damascia in Böhmen
- Date
- 1843-04-04
- Page
- Seite 109 (sequence 2)
- Language
- German
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109 hinweg, den höchst verlegenen G. unbeachtet im Finstern allein lastend. Nach abgemachtem Geschäfte findet man die Stube leer, und der junge Schulmann wollte sich nie wieder in dem Hause sehen lasten. Unterrichtete Freunde der Famlie, theilten dieser nach einiger Zeit mit, wie der G. in der Stadt verbreitet habe, welch ein Schicksal ihm in ihrem Hause bevorgestanden! — Nun Einiges von hier: In den täglichen Gebeten hat unser würdiger Dr. Frankel einige zeitgemäße Veränderungen vorgenommen. So wird für die bisherige Formel '?a? Vin hx ü^wbübi jetzt gebetet: DWbftb? jj’OT.-mnD onini und yro nymnm mpn inn bx :oni yyaoi nyBnn ~ow M »ihn ina: •pbn. ftitpv ]ynb In dem Dirn dr?l?-Gebet am Montag und Donnerstag, ist die Phrase: 'w "jma^ rmy rmi riNöioa mpw verändert in: 703^ Dz-ft' bN? D1JD üiiaa bi DDft.l b>v 'ft? -porn?)?ftip' ino, irmNba — Das: dwo üan ft? INI? heißt jetzt: obp? tyb WM ft INI? D'DWD aan ftftl 51211?JpTO iJINBtt, O1D. Und endlich noch in dem '?:? prim ftb?p wird jetzt gebetet Hieran btt? DftiN ift, aber nicht wie früher?aftidr ift. — Gebe die Vorsehung, zu der wir unsere Gebete richten, daß man von Außen eben so human uns entgegen komme, wie die Lehrer unseres Glaubens immer mehr dahin streben, jeden wenn auch oft nur relativen inhumanen Ausdruck aus der Andacht zu entfernen. Unser synagogaler Gesang schreitet seiner Vollendung immer näher; und wenn auch der Chor nicht extensiv sich erweitert, so gewinnt er doch fort und fort an intensiver Kraft und Sicherheit; und der auch akustisch so vorzügliche Tempel, laßt jenen Mangel nie bemerkbar werden. Dankbare Erwähnung verdienen die Herren Landau 36ii. und H ahns ch, ersterer als Vorsänger, dieser (christlicher Confession) als Chor-Prafekt, welche sich mit vieler Liebe der guten Sache hingeben und der kräftigen Unterstützung und Leitung des geehrten Vorstandes, namentlich der Herren Dr. B. Beer und L Wallerstein entsprechen. Eine Bemerkung können wir bei diesem neuesten Institute der Synagoge uns nicht versagen, die aber diesen mehr im Allgemeinen angeht, als auf einem besondern Falle berechnet ist. War es störend und unangenehm, den sonstigen Vorsänger mit dem ersten besten, ihm bekannten Liedchen, ohne Rücksicht der höchsten Unschicklichkeit, das erhabenste Gebet zu begleiten, so ist es jetzt um so weniger zu billigen, wenn in dem neuen, modernen Synogogengesange sehr bedeutende Anklänge und oftmaliges Hinübergreifen in die bekannteste Opernmusik wahrzunehmen ist. Wir wollen tzen Herren Komponisten in Wien, Prag, München und Stuttgart, die zunächst dieses angeht, gern zugeben, daß die Oper insofern sie das ganze Leben reflektirt, auch die erhabensten. Melodien involvice; wie es auch für den Komponisten, besten musikalischer Geist einmal universell gebildet ist, und bei der Armuth der vorhandenen, alten Synagogen-Melodien, keine, kleine Aufgabe sein mag, für diese pure pule zu componiren. Ein verwandtes Verhältnis findet sich bei dem jüdischen Kanzelredner, dem es sehr leicht begegnen kann, daß er unbewußt, sich einer christlich-religiösen Phrase bedient; was noch weniger gebilligt werden kann. Allein wir wollen von wirklichen Gesängen noch absehen, weil durch den Zusammenhang die profanisirte Jdeen-Association leicht wieder geweiht werden kann; unser Vorwurf trifft mehr dem Recitativ, welcher auffallend sehr oft mit dem der Oper homogen ist. Daß dieses aber in keinem Falle zu billigen, wird jeder zugeben, wenn er bedenkt, wie leicht die Andacht des gebildeten Israeliten dadurch gestört wird, und es insbesondere nicht geeignet ist-, die Achtung des Nichtglaubeusgenosten dadurch zu heben. Hot das Neue an sich schon Schwierigkeiten, sich Bahn zu brechen, so darf es nicht noch Mißbräuche in seinem Schooße tragen, die ihm den Weg noch mehr erschweren. — So wurde auch von Sachkennern tadelnd bemerkt, daß die Gesänge zusehr mit ganzen und halben Noten überfüllt sind, was nur zu Schwerfälligkeit führen muß; und kann um so weniger gerechtfertigt werden, als der unsprüngliche Synagogen-Gesang fugenartig war. Ein Gleiches ist es auch, wenn das oreseenäo mit dem clecresendo zu oft wechselt und wiederholt wird. So erhebend es auch in ernster Musik ist, so kann auch das Beste misbraucht werden. — M. S.........r. Oesterreich. NikolsbllVg, 8. Marz. Die Verhältnisse der Juden in Mähren und Schlesien haben endlich doch die Aufmerksamkeit der Regierung aus sich gezogen, wie Ihnen folgendes am 4. d. M. in allen Synagogen in Mahren promulgirte Gesetz zeigen wird. „I. In Betreff der Bildung und Anstellung der Rabbiner: a) soll kein Rabbiner in Mahren ausgenommen und in seiner Eigenschaft anerkannt werden, welcher nicht mit der geforderten Nachweisung des mit gutem Erfolge zurückgelegten philosophischen Studiums, insbesondere auch der Pädagogik, an einer inländischen Lehranstalt, versehen ist. b) Für Böhmen ist vermöge allerhöchster Entschließung vom 4. Jul. v. I. angeordnet worden, in Ueberlegung zu nehmen, ob zum Behuf der Bildung vollkommen geeigneter Rabbiner nicht eine ähnliche Bildungsanstalc, wie sie in Padua besteht, auch in Böhmen zu errichten wäre. Kommt -diese Anstalt in Prag zu Stande, so können die Rabbinatskandidaten aus Mähren und Schlesien in Prag studiren. c) Ist ein Zeitraum von zehn Jahren fesizusetzen, nach deren Verlauf Niemand zum Rabbinat angestellt werden darf, welcher die Philosophie mit Inbegriff der Pädagogik nicht zurückgelegt hat. Aber auch bis dahin sind nur beim Mangel solche Individuen anzustellen, welche nicht ohne Vorbildung in diesen Studien sind nnd insbesondere sich über die mit gutem Fortgänge zurückgelegte Pädagogik