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Der Orient · 1843-04-04 · Heft 14 (4.4.1843) · p. Seite 108

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Journal
Der Orient
Volume
4 (1843)
Issue
Heft 14 (4.4.1843)
Article
Berlin: Die Gesellschaft der Freunde und der Dombau
Date
1843-04-04
Page
Seite 108 (sequence 2)
Language
German
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108 - vollkommen charakterisirt, wenn man zwischen den Zeilen zu lesen versteht. Es lautet: „daß die Gesellschaft, in deren Mitte ich einige sehr angenehme und in treuer Erinnerung bewahrte Abende zugebcacht, meiner Aufforderung freundlich entsprechen würde, habe ich, nach den mir bekannt gewordenen Gesinnungen der Mitglieder derselben, mit völliger Sicherheit vorausgesetzt. Aber auf das Freudigste hat es mich überrascht, daß nach den bekannten Resultaten der fünfte Theil sammtlicher von dem Vereine gesammelten Beiträge aus den Gaben der Gesellschaftsmitglieder besteht. Möge die .wahrhaft deutsche Gesinnung, die sich hierin offenbart, Jeden, der noch eine getrennte jüdische Nationalität glaubt, oder zu glauben affektirt, belehren, daß er im Jrrthum ist". Frankfurt a. Nt., 21. Marz. Bei unsern Gerichtsbehörden ist jetzt eine Klagsache anhängig, die viel mehr noch für unsere staatsals für unsere civilrechtlichen Zustände bezeichnend ist, und deren Entscheidung in dem Betreff als ein Präjudiz zu betrachten sein dürste. Es-, handelt sich dabei um die Frage: ob ein israelitischer Bürger eine Fleischbank von einem christlichen Metzger käuflich zu erwerben und demzufolge in die damit verknüpften, dem seitherigen Besitzer zustehenden Rechte und Verhältnisse einzutreten befugt und befähigt ist. Der deßfallsige Kontrakt wurde durch einen Dritten abgeschlossen, der seinen Auftraggeber erst bei dessen Vollziehung namhaft machte, die nunmehr von dem Verkäufer verweigert wurde. So viel ist übrigens Thatsache, daß Frankfurts israelitische Bürger zwar Hand, werksmeister werden können, dessenungeachtet aber nicht zunftbefahigt sind. (L.A.Z.) Alto NU, 12. März. Unmittelbar der Mittheilung des Dr. Cohen in Elmshorn über die Jubelfeier des Kopenh. Handwerksvereins schickt die Redaktion des Jtzeh. Wochenbl. (vom 25. Febr.) einen von Gehässigkeiten strotzenden, aus Altona datirten Artikel gegen die Juden (wie die Red. bemerkt, um ihre Unparteilichkeit (!) zu bewähren) voranf. Dieses sinnlose Gewebe von Unverstand und Brodneid, bei welcher besonders das alte Lied von der Habsucht der Juden rc. wieder ertönt, zerstören zu wollen, sott mir nicht einfallen. Ich erwähne blos, 1) daß der Vers, hauptsächlich, wie leider auch Juden selbst gethan, die kleine Milderung der Hamb. Gesetzgeb. vom 1. Dec. 1642 in Bezug auf die Juden angreift; 2) daß das Machwerk höchstwahrscheinlich von einem der beiden schon berüchtigten Judenfeinden in Altona, nämlich dem Advokaten Witt und dem, wie ich höre, gcoßentheils aus seiner Praxis, und zwar durch einen wackern jüdischen Arzt, herausgekommenen .(nicht aber von demselben verdrängten) Cand. cliir. Reichenbach, der sogar seine judenfeindlichen Trakttatlein, die Niemand kaufen mag, an die Bauern der Umgegend Altonas verschenkte, herrühre. Endlich sollte man 3) dem Vers, die Wahrheit des von ihm zur Ueberschrist gewählten Spruches: Mül 68t ratioiie ae mente melüm handgreiflich demonstriren, da er sich als ralione egens und mente eapttiZ bewiesen hat.. Uebrigens sehen wir hier nur einen Nachtreter Theod. Br and's in Breslau vor uns. Dresden, 24. März. Damascia in den Böhmischen Wäldern. Daß doch die meisten Krankheiten, die moralischen wie die physischen, dem Morgenlande entsteigen! Das Morgenland dachte sonst: vom Norden beginnt das Böse; aber mit dem Wechsel her Planeten, scheint auch das Schicksal zu wechseln. Wie sein Landeskind, die Cholera, so scheint auch das Miasma jenes Blutwahns epidemisch werden zu wollen. Und es dünkt uns wirklich heilige Pflicht, wo nur eine Spur dieses Gespenstes sich zeigt, es. sogleich der Oeffentlichkeit zu übergeben, um ft diele Nachtgeburt durch das Tageslicht zu verscheuchen. Durch glaubwürdigste Mittheilung können wir Nachstehendes verbürgen. In einer nahen Badestadt Böhmens, hatte in einer ansehnlichen jüdischen Familie, eine Frau christlichen Glaubens hin und wieder allerlei Hausgeschäfte zu verrichten; in jenem Hause wurde im vorigen Monate ein Gegenstand von geringem Werthe vermißt, und ein wahrscheinlicher Verdacht der Entwendung fallt auf diese Frau. Bei ihrem Wiedererscheinen deshalb zur Verantwortung gezogen, — ob ganz friedlich oder unfriedlich, wollen wjr aus Liebe zur Wahrheit, und da die Natur einer solchen Untersuchung leicht von einer Seite zu Heftigkeit führen kann, dahin gestellt sein lassen; — verläßt sie wüthend das Haus und wirft sich, auf freier, stark belebter Straße angekommen, zur Erde nieder, mit dem rasenden Geschrei: „sie wollen mich schlachten!" Alles Zureden ist vergeblich; ja sie soll sogar einem andern Israeliten, der sie beruhigen wollte, in die Hand gebissen haben. Daß sich dabei eine große .Volksmasse sammelte und das damascener Gespenst in den Köpfen zu spuken ansing, ist bei der dortigen Unwissenheit des Pöbels um so natürlicher, als man sich das Pesachfest so nahe dachte. Glücklicherweise kam zeitig genug polizeiliche Hilfe, die das Volk verscheuchte und den Vorfall in gerichtliche Untersuchung zog. — In einer andern Stadt dieses Landes der erleuchteten niedern Volksklasse Namens L...a, hat sich vor etwa vier Monaten Aehnliches zugetragen. Ein Gymnasiast christlichen Glaubens ertheilte in einer jüdischen Familie Privatunterricht in den Abendstunden. Das Manufaktur-Geschäft des Hauses mochte wohl beim Empfang von Maaren, bei der nahen Grenze des Auslands, etwaige Steuerbedenklichkeiten gehabt haben, wobei es fremde Augen als Zeugen gern vermeiden wollte; und ft befindet sich die Familie durch die Anwesenheit des Gymnasiasten in Verlegenheit. Mehre Mitglieder, derselben laufen hin und her, leise, zuflüsternde Berathung pflegend. Endlich entschließt man sich und nimmt das einzige in dec Wohnstube brennende Licht

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