Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 1843
- Issue
- 13 (28.3.1843)
- Article
- Polemik und Apologetik [Rezension]
- Date
- 1843-03-28
- Page
- Spalte 201-202 (sequence 1)
- Language
- German
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202 201 Paroles d’un Croyant Israelite. — Politische Literatur. mehren Vornehmen der Stadt vorgestellt wurde, gerichtet hatte, und die vom Redner angeführt werden. I8!'ueiit68! yous etes toüs membres de la grande famille fran^aise, ce voeu que vous foimätes et qui s'est accompli, ce voeu fut dans Ie coeur du roi, avant qu*il ne fut emt dans la loi!" Diese Worte dürften von manchem gekrönten Haupte beherzigt werden! Wir wollen diese Besprechung noch mit einer Betrachtung schließen, die sich jedem denkendenden Leser beim Durchlesen dieser Zeilen ausdrängen muß. Man hört so oft den Juden dm Vorwurf machen, daß sie immer ihren .Partikularismus, ihre orientalischen Eigenthümlichkeiten und ihre früheren Sitten beibehalten, daß sie nicht mit der Nation, rn deren Mitte sie leben, ein Ganzes bilden, nicht mit ihr sich verschmelzen wollen oder können, daß sie nicht das Land, sn welchem sie geboren, erzogen und wohnhaft sind, als ihr wahres und einziges Vaterland betrachten, und immer noch nach Osten ihre Blicke richten, immer noch Palästina als ihr einziges Vaterland ansehen: und dennoch muß dieser Vorwurf schwinden, wenn man nur einen.forschenden Blick auf die Juden in den verschiedensten Ländern wirft. 'Man wird und muß, so man nur vorurtheilsfrei und unparteiisch die Forschung anstellt, finden, daß die Juden stets den Reflex ihrer Umgebung bilden, daß sie ein treuer Spiegel sind, der die Gestalten und Erscheinungen des Volkes, das sie ausgenommen, wiedergiebt. Betrachten wir diesen jüdischen Franzosen, so finden wir in ihm all' die Eigenthümlichkeiten der französischen Nation. Er ist rasch, enthusiastisch, freimüthig und offen, spricht seine Ansichten und Meinungen frei und unumwunden aus, fürchtet nicht, daß seine Freimüthigkeit 5) ihm schaden werde: mit einem Worte, jede Seite seiner Schrift verräth den Franzosen, nicht nur der Sprache, sondern auch dem Geiste nach. 6). Fiat appliealio! 2- Paroles cl’uii Croyant Israelite. Par J. Anspach, Traducleur du Riliiel des prieres Israeliles. Paris. 1842. 8. Au bureau des Archiyes Israclites, rue Payee, Nr. 1, au Marais. Diese zweite polemisch-apologetische Schrift, aus zwei Kapiteln bestehend, unterscheidet sich durch ihren ruhigen und besonnenen, mehr in Diskussion übergehenden Ton wesentlich von d er erstem von uns besprochenen Schrift. Das erste Kapitel, welches vorzüglich das Glaubensbekenntniß des Verfas- 5) Ein Beweis seiner Freimüthigkeit ist auch seine Ansicht von tor] nbiy, von -ovj "ud von crnon mnn. Diese Punkte meint er, müsse man der Spekulation eines Jeden frei überlasten, und sie nicht als Glaubensartikel aufstellen. Denn daß sie nicht ausdrücklich, tres-explicite, im Gesetze genannt werden, beweißt, daß sie der Philojophie und nicht dem Glauben angehören. 6) Von Frankreich sagt er: O France, nH>tre uni que putrie, nous saurions immrir pour toi, conune jadis nos percs mouraient pour l’antique royauine de Yehouda et d’israeij strs und dessen Ansichten über Reform enthält, fd;itbevt so vortrefflich einerseits den Jndifferentismus der Reichen und Großen, und anderseits die misverstandene Frömmigkeit der Stabilen und Obskuranten, giebt uns ein so anschauliches Bild von den religiösen Zuständen der französischen Juden und ist in einigen Punkten so sehr ein treues Gemälde der jüdischen Zustände überhaupt, daß wir nicht umhin können, es hier im Auszüge mitzutheilen. Auch die Divergenz, welche zwischen Hrn. Fabius und Hrn. Anspach in Bezug auf einige religiöse Hauptmomente herrscht, wird uns, indem wir durch die theilweise Uebertragung dieses Kapitels zeigen werden, wie überall im Judenthum ein Kamps der Meinungen sich jetzt kundgiebt, den man aber blos als das Sichbewußtwerden des Geistes, als das Streben nach Einheit' (durch Kampf zum Sieg) zu betrachten hat, für die Weitläufigkeit in der Besprechung ähnlicher Werke rechtfertigem (Fortsetzung folgt.) Politische Literatur. Die Emancipationsfrage auf der jüdischen Kanzel. Die Prüfungen Israels. Predigt gehalten am Sabbat Peknde, den 4. März 1843 in Dresden vom Oberrabbiner Dr. Z. Frankel. Dresden und Leipzig, in Commission der Arnoldischen Buchhandlung, gr. 8. S. 15. Auf Verlangen dem Druck übergeben. Der Ertrag-zum Besten der Voigtländischen Armen. Daß der Monat Adar für die jüdischen Bewohner des sächsischen Schuschan' nicht ohne national-historische Renüniscenzen vorübergegangen, ist den Lesern dieses Blattes schon bekannt. Um so sicherer werden sie Veranlassung und Tendenz vorstehender Predigt, unseres würdigen Oberrabbiners Hrn. Dr. Frankel's errathen. Und in diesem Falle bleibt auch uns zu begründen erlaffen, warum wir Eine und gerade diese Predigt zum Gegenstände der besondern Besprechung genommen. Der religiös denkende und mitfühlende Glaubensbruder wird ermessen können, wie nothwendig und heilsam das tröstende Gotteswort uns sein mußte, nachdem den Leidenschaften wieder freier Spielraum gegeben war, unter dem Deckmantel der Gesetzlichkeit, Zwecke zu verfolgen, und so das Ideal unseres Jahrhunderts, die Humanität zu verläugnen, und der Annalen glänzendsten Blätter, einer der erleuchtestenVolksrepräsentations-Versammlung Deutschlands, einen Ungeheuern Schatten zuzufiigen. Zu widerlegen jene ewig grund- und bodenlosen Vorwände der Vorenthaltung oder Entziehung der Rechte, die — uns Gott gegeben, nachdem Männer, wie Rießer, Steinheim u. A« beinah sich schon erschöpft, scheint uns in der That überflüssig und nutzlos, scheint uns eine Tantalus-Arbeit zu sein. Die Wahrheit mag sich erschöpfen, auszurotten steht die Lüge nicht z so wenig wie das böse Princip, das nun einmal da sein muß» Wir haben es mit eigenen Augen gesehen, mir eigenen Ohren gehört. Da. mag die Gerechtigkeit aus tausend Kehlen noch so gewaltig ihre Stimme erheben, da mag die Weisheit der erleuchtesten Männer mit cicerone-