Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1843)
- Article
- Hamburg ... [Nachricht]
- Date
- 1843-03-28
- Page
- Seite 102 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- 102 - milgetheilten Dresner Debatte hat unfern Hoffnungen nicht entsprochen. Die zweite Kammer hat sich mit ihren Zugeständnissen wieder sehr karg gezeigt-und so, wenn auch die erste Kammer in allen Punkten mit ihr übereinstimmt, doch der Absicht der Regierung, für jetzt Alles in statu quo zu lassen, in die Hände gearbeitet. — Nun nehmen auch noch einige Zeitungen, wie die Kölnische vom 7- Marz, die Gelegenheit wahr, den Juden in Sachsen tausendmal wiederholte und eben so oft widerlegte Borwürfe zu machen. — . Dagegen darf es für einen bedeutenden Fortschritt gelten, daß bei der zu Ostern d. I. in Vollzug tretenden Reorganisation des kurhessischen Schulwesens dafür gesorgt ist, daß auch die jüdischen Schüler in ihrer väterlichen Lehre öffentlichen Unterricht auf Staatskosten erhalten werden. In der Real- und Bürgerschule nämlich, die zu jener Zeit ins Leben treten soll, wird außer einem protestantischen Religions^ehrer noch ein katholischer und ein israelitischer Hilfslehrer für den Religionsunterricht der Schüler ihrer ^Konfessionen angestellt werden. — Das Frankfurter Journal findet diese bis jetzt ziemlich alleinstehende Einrichtung löblich und nachahmungswerth und spricht die Hoffnung aus, daß die besonder» jüdischen Schulen, (solche bestehen erst seit-den letzten 12 Jahren in Kurhessen) bei konsequenter Befolgung dieses politisch-humanen Primips allmalig eingehen würden. — Dieser Gleichstellung steht die im Königreiche Hannover wieder auftauchende Zurücksetzung der Juden als unerquicklicher Gegensatz gegenüber. Es scheint nämlich, als wolle die Regierung trotz des Abmahnens der Stände die Juden von nun an nicht mehr zum Kriegsdienste zulassen. Wenigstens wird dem Hamb. Corresp. gemeldet, daß die Juden bis jetzt noch nicht aufgefordert seien, sich zur Losung einzusinden. — Daß in Baiern die Einschränkungen des Erwerbes der Juden immer härter und grausamer werden, während ihren geistigen Kräften nicht der geringste freiere Spielraum gewährt wird, davon zeugt wieder eine kürzlich ergangene Verordnung gegen das Hausiren der Juden, welche uns die Augsb. Abendzeitung (dasselbe berüchtigte. Blatt, welches sich kürzlich die Erklärung des Herrn Dr. Aub in München auszunehmen weigerte) mittheilt. Auch hier derselbe Brodneid wie in Sachsen und in Preußisch-Schlesien, wo die Breslauer Schneider bei der Regierung petitioniren, daß sie den Judenden Verkauf fertiger Kleidungsstücke untersage und trotz der proklamirten unbeschränkten Gewerbefreiheit die Kleidermagazine schließen. Droht doch sogar Nr. 17 der von M. Bauschke in Leipzig herausgegebenen „Freikugeln" seinem sonst sehr liberalen und witzigen Blatte, welches besonders schlesische Zustände scharf beleuchtet) förmlich mit einer Schneiderrevolution; doch dürfte diese für die Unruhstifter leicht einen eben so schlimmen Ausgang nehmen wie eine frühere, die, wenn ich nicht irre, im Jahre 1831 am Schlüsse des Versöhnungsfestes stattfand. —- Um nun-etwas Angenehmeres berichten zu können, muß ich mich nach Preußen wenden» Indessen kann ich leider noch nicht mit der Nachricht von dem Aufgeben des projektirten Judengesetzes die Leser des Orients überraschen (sonst unterließ ich gewiß nicht, es sogleich zu thun); vielmehr muß ich mich damit begnügen, nach der Voss. Zeit, vom 8. März zu erwähnen, daß-am 5. d. M. die Einweihung des neuerbauten Lokalster Nauenschen Erziehungsanstalt, einer seit 52 Jahren bestehenden milden Stiftung, Statt fand. — Der Vorstand der iscael. Gemeinde und die geistlichen Beamten, wohnten der Feier bei; der Direktor Landsberg hielt die Festrede und sein Verdienst wie das des Kurators I. Philipp um die Anstalt wird mit Anerkennung hervorgehoben. Als Verfasser des Artikels unterzeichnet sich „Dr. P.". — Einmal beim Schulwesen angelangt, sage ich auf diesem Wege dem Herrn Dr. S. Hold h eim zu Schwerin die in der vom 7- März datieren Nummer des Orients dem Publikum und speckell auch mir mitgetheilten, amtlichen Nachweise meinen ergebensten Dank, mit der Bitte, sich der gütigen Vermittelung des Herrn Redakteurs zur Uebersendung der früheren und der nächsten Materialien, die sich auf die Statistik der Juden in Meklenburg- Schwerin beziehen, bedienen zu wollen. Diese unentbehrlichen Vorarbeiten sollen dann entweder zu der nächsten Jahresüberslcht oder auch vielleicht noch früher zu einer, für einen ungleich weiteren Leserkreis bestimmten Arbeit treulich benutzt werden. — Oesterreich. Boseowitz, 27. Febr. In meinem vorigen Berichte über das mährische Landesrabbinat habe ich Ihnen blos die verschiedenen Ansichten mitgetheilt, welchem den mährischen Gemeinden über die Abschaffung und Umgestaltung dieser Würde vorherrschend sind; heute aber kann ich Ihnen auch die vorläufige Gesinnung der Regierung über diesen Punkt melden. - Diese hat namlich die Kreisämter beauftragt, ein Gutachten zu erstatten, ob die Anstellung von Kreisrabbinem der- Einsetzung eines Landesrabbiners vorzuziehen sei. Aus diesem Aufträge der Regierung läßt sich leicht schließen, daß sie selbst zwischen der Abschaffung und Umgestaltung des Landesrabbinats schwankt. Dieses Schwanken aber wird allgemein dadurch erklärt, daß sie einerseits den unseligen Processen, welche während des vorigen Landesrabbinats vorgefnllen sind, und die so viel den Aemtern zu thun gegeben, durch die Ernennung von Kreisrabbinern gern - Vorbeugen möchte, anderseits sie wieder, wie mit Recht, den Mangel an Einheit fürchtet, den die Zersplitterung der Landesrabbinatswürde zur Folge haben kann. °— Die Bessergesinnten unter unfern Rabbinen, welche die nachtheiligen Folgen der Abschaffung des Lan-