Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1843)
- Article
- Hamburg: Verhältniß einzelner Staaten z. rel. Verf. u. bürgerl. Rechtsgleichheit
- Date
- 1843-03-28
- Page
- Seite 101 (sequence 2)
- Language
- German
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101 neben dem seimgen ausnimmt. Jeder Sah bei Bauer enthält eine ganze Lauge von solch atzendem Stoffe in sich. Am meisten Ähnlichkeit habe ich bis jetzt zwischen der Art und Weise gefunden, wie Bauer die Judenfrage jetzt und wie Rotteck sie vor 10 Jahren behandelt hat. Die Extreme berühren einander. Rotteck war über den Kant'schen Standpunkt nie hinausgekommen und in dieser Beziehung steht Bauer unvergleichlich höher. Aber wie Bauer jetzt zu den Jud'esi sagt: hört auf, Juden zu sein — werdet aber beileibe nicht Christen, sondern macht einen Salto mortale über das ganze Christenthum hinweg und seht wie ihr jenseits (d. h. nicht im Jenseits) mit heiler Haut an- und davonkommt; ich gebe euch gern das Christenthum preis, helft mir mit, es abzuschaffen, dann reichen wir (d. h. ein Theil der Junghegelianer) euch gern die Bruderhand — so sagte damals Rotteck: schafft uns die Censur vom Halse (als wenn die Juden sie eingefühct hätten oder sie aufzuheben im Stande wären) und wir (das hieß damals die Majorität der zweiten bad. Kammer) wollen euch emancipiren. Wie in Notteck's Augen die Censur das größte Uebet war, so ist in Bauers Augen das Christenthum'der schrecklichste der Schrecken. Aber die Censur ist freilich noch immer toleranter, ich will nicht sagen als das Christenthum, aber doch als manche andere, die das Christenthum bekämpfen wollen, — sie macht keinen Unterschied zwischen Juden und Christen, ihr sind alle Konfessionen so lange gleich) als sie anständig und wohlmeinend sich äußern. ,,So ist wie bei Bauer als summum jus zur summa injuria, andrerseits bei der Censur die summa injuria, wenigstens in gewissem Sinne, zum summum jus in Deutschland geworden. Die Censur statuirt Rechtsgleichheit, -freilich auf einer durchaus unsittlichen Grundlage, Bauer will Rechtsungleichheit auf einem (scheinbar) sittlichen Fundamente. ■— Summa summarum will es mich oft bedünken, als wolle Bauer der Judenemancrpation Vorschub leisten; denn wie sollten nicht jetzt Regierungen und Völker einsehen lernen, daß das Judenthum vor den letzten Konsequenzen der Hegel'schen Philosophie keine Gnade findet, also unmöglich sich ihnen hingeben und auf demselben Terrain den christlichen Staat bekämpfen kann. Nicht dem Chcistenthum soll, nur dem christlichen Staate muß der Jude entgegenwirken; daß ec das Erstere nicht gethan, macht ihm eben Bauer zum.Vorwürfe und übersieht ganz, wie schon durch sein Fortbestehen das Judenthum die Idee des absolut christl. Staates negirt. Das Fortbestehen aber ist eine geschichtliche That und gilt jedesfalls mehr, als der bloße dialektische Angriff. E. C. Aus Dänemark, 16. Marz. Der Altonaer Merkur vom 10. März enthält in einer Privatkorrespondenz aus Kopenhagen Folgendes: In diesen Tagen ist hier ein mosaitisches Andachtsbuch erschienen, es sott das erste in dänischer Sprache und im Sinne des Fortschrittes geschrieben sein". — Im Jtzehoer Wochenblatt vom 10. März spricht sich ein Ungenannter über die Engherzigkeit der holsteinischen und schleswigschen Stande in Betreff der. Judengesetzgebung und über die Vorzüge des in Dänemark geltenden Rechtes aus. — In einem andern Artikel ders. Nummer d. Bl. wird der Angabe, als würde der Friedrichstädter jüd. Schule eine beständige Regierungsunterstützung zu Theil, widersprochen. Auch sie erhalte eine solche nur auf je drei Jahre; doch hoffe sie, nach dem Ablaufe dieser Frist ihrer von Neuem theilhaftig zu werden und hege diese Ueberzeugung um so mehr, da die Regierung verarmte Juden aus andern Gegenden häufig der selbst unbemittelten Friedrichstädter Gemeinde zu Versorgung zuschicke. -—Durch Zufall kommen mir die Wagrisch-Fehmarnschen Blätter Nr. 39 vom 24. Sept. 1842 zur Hand. Diese Nummer (die Blätter selbst erscheinen 'seit 15 Jahren als Wochenblatt im Holstein-Oldenburg) enthält eine Mittheilung, die mir sonst noch nirgends begegnet ist: „Vor Kurzem ward in Gürzenich, bei Cöln (?), der Israelit Emanuel Gordon, ein Mann von 67 Jahren, ein durch seine glückliche und erfolgreiche 31jährige Praxis weit und breit bekannter Arzt, beerdigt. — Wie hoch der Werth dieses verdienstvollen Mannes als Mensch und als Arzt war, wie liefschmerzlich sein Verlust empfunden worden, das gab Kunde die allgemeine und zahlreiche Begleitung zur Begräbnißstatte. Denn neben vielen seiner -Angehörigen und Glaubensgenossen, welche der Leiche folgten, konnte man (erfreulich!) gewahren die katholische Geistlichkeit, die Honoratioren des Orts verschiedener Konfessionen nebst einer großen Anzahl achtbarer Einwohner, die sich dem Trauerzuge angeschlossen, um dem Verdienste die letzte Anerkennung und Ehre zu beweisen. Der Verstorbene soll als tüchtiger Heilkünstler, der Menschheit wesentliche und wichtige Dienste zeitlebens geleistet haben und den dürftigeren Leidenden als edler- Menschenfreund allzeit mit schöner Uneigennützigkeit heilend nahe, den Armen ein großer Wohlthäter gewesen sein. Hamburg, 12. März. (WB. v. 5—12. Marz.) Seit dem Anfänge des neuen Jahres ist in den konstitutionellen deutschen Staaten wieder viel von den Juden die Rede. Leider ist von erfreulichen Resultaten der neuesten legislatorischen Anstrengungen wenig zu melden. Das ewige Flicken an einer Gesetzgebung, die man, als eine alte, und abgenutzte auf einmal beseitigen sollte, dient nur dazu, die Anzahl der Risse und Löcher an einer andern Stelle, als an der eben ausgebesserten, zu vermehren. Es ist Zeit, den eklen Plunder abzulegen und es mit einer ganz neuen Kleidung zu versuchen. Sonst sieht man den alten gelben Fleck, wenn er auch etwas modernisrrt, immer wieder hervor- . gucken. — Der Ausgang der im Orient ausführlich