Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1843)
- Article
- Berlin : Der jüd. Handwerksverein [Nachricht]
- Date
- 1843-03-28
- Page
- Seite 100 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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100 so daß jetzt 40 Lehrlinge unter der Aufsicht des Vereins stehen. Davon werden Buchbinder und Goldarbeiter je 6, Gürtler, Klempner, Lackirer, Schriftsetzer und Uhrmacher ft 3, Schneider je 2, Drechsler, Gärtner, Glaser, Graveur, Lithograph, Stubenmaler, Sattler, Schlosser, Schuhmacher, Tischler und Weißgerber je einer. — Es verlautet, daß die preußischen Juden zum Freimauecorden, auf den Antrag des Großmeisters desselben, des Prinzen von Preußen, Zutritt erhalten werden. Altona, 6. Marz. Dem Mt. Merkur vom 21. Febr. zufolge ist an die jüd. Gemeinde zu Elmshorn die Verordnung ergangen, daß alle schulpflichtigen Kinder in derselben vom 5. bis incl. zum 15. Lebensjahre die Schule daselbst besuchen, muffen. Nach zweimaliger vergeblicher Ermahnung der Eltern schulpflichtiger Kinder durch die Gemeindevorsteher wird das Ausbleiben der Schüler der Eivilbehörde angezeigt, welche die Eltern im Falle sie ihre Kinder vom Schulbesuche willkürlich abhielten, mit Geld- und resp. Gefängnißstrafe zu belegen das Recht hat. (Dasselbe berichtet auch Dc. Cohen in Elmshorn im Jtzeh. Wochenbl. v. 25. Febr.) Posen, 10. März. Vor Kurzem ist eine königl. Pceuß. Ministerialverfügung an die K. Regierung zu Marienwerder ergangen, wornach solchen Juden, die außer der Unbescholtenheit ein ausreichendes Vermögen zur Geschaftsbegcündung und die Bereitwilligkeit der betreffenden Kommune zur Aufnahme Nachweisen, die Erlaubniß zum Umzuge aus einem Distrikt des Inlandes in einen andern mit abweichender Gesetzgebung grundsätzlich niemals versagt wird; da es nicht angemessen erachtet werden kann, irgend einen Staatsangehörigen ohne hinreichenden Grund in der Beförderung seines Wohlstandes zu hindern. Rendsburg, 11. Marz. In der neuesten Fortsetzung der Riessecschen Replik (N. Hamb. Bl. vom 8. Marz) zeigt der Vers., wie viel menschenfeindlicher und voructheilsvoller es sei, den Juden die moralische Anerkennung als die polit. Rechte versagen zu wollen. Herr Y. -(fern Gegner) hatte nämlich gemeint, man muffe die Grenzlinie so ziehen, daß den Juden keinerlei moralische Autorität und Ueberordnung über Christen eingeräumt werde. Hr. Dr. R. zeigt nun, daß dies ungerecht und widersinnig sei, da ja auch der jüd. Arzt, Kaufmann, Fabrikant u. s. w. einen außerordentlichen Einfluß üben könne und viele diesen Arten des Lebensbe.rufes cmgehörige Juden einen solchen auch wirklich übten. Wo solle hier die Grenze gesteckt werden? Oder wolle man den Juden in der medicinischen Wissenschaft die Praxis untersagen und ihm auch das Handwerk legen? Hamburg, 10. März. In der jüngsten Fortsetzung des Rießerschen Aufsatzes über Toleranz u. s. w. (Art. in, Neue Hamb. Bl. v. 22. Febr.) wird auf das Derhältniß einzelner Staaten (besonders Englands irn, Gegensätze zur nordamerik. Union, ferner Frankreichs, Belgiens, Hollands, Würtembergs, Badens und Meklenburgs) zur religiösen Verfassung und bürgerlichen (persönlichen) Rechtsgleichheit ihrer Angehörigen naher eingegangen. In Nordamerika kümmert sich der Staat um den Kultus überhaupt nicht; er läßt die Ueberzeugungen und ihre kirchlichen-Formen sich frei bewegen,, ohne sie zu hemmen oder zu fordern. In England iff die Emancipalion den Juden bereits eine vollendete Thatsache, wenn auch noch einzelne Rechte durch die aristokratische Mehrheit des Oberhauses den Juden vorenthalten werden. Und doch ist England vielleicht derjenige Staat Europas, der am Meisten den Namen des aller-. ' christlichsten verdienen würde. — Im brittischm Reiche müssen alle Religionssekten die Hochkirche unterhalten helfen; aber was sie etwa dadurch an äußerem Glanze und Pompe gewinnt, das verliert sie am moralischen, ich möchte sagen, apostolischem Einflüsse. — In Frankreich, dem mit Unrecht (ich erinnere hier nur an die jetzigen Straßburger Wirren und an dm Kampf des Univers gegen die Universitär) für indifferent gehaltenen oder vielmehr verschrienen, wird auch demjenigen Kultus, dem die „Mehrheit der Franzosen" fremd ist, dienöthige Unterstützung vvn Seiten des Staates zu Theit. Dasselbe ist ln Belgien und mehren deutschen -Staaten der Fall. An vielen Punkten dagegen wird das Judenthum, nicht aber der Jude emancipict; und doch wird durch die Anerkennung und die hie und da ausgesührte Unterstützung des jük Kultus aus Staatsmitteln die Idee des christlichen Staates stärker infringirt und dem JndifferentiSmus ein freierer Zugang eröffnet, als es' je durch die völlige Emancipalion der Personen geschehen könnte. — Aber es ist überhaupt nicht mehr der religiöse Fanatismus, der den Juden vom Bürgerthum ausgeschlossen wissen will, vielmehr spielt oft gerade der Jndifferentismus gegen alles positiv Religiöse bei dem Widerstande gegen die Gewährung der Rechtsgleichheit für'die Juden die Hauptrolle. Man will nur die lästige Konkurrenz in der öffentlichen Wirksamkeit, so weit es angeht, beschränken. — An einzelnen Stellen, seiner Argumentation mag wohl der Vers, besonders an Bruno. Bauers Einwürfe gegen die Emancipation gedacht haben. Um nun abermals auf Bauer's Broschüre zurückzukommm, wollen wir von Neuem darauf Hinweisen, daß uns nur politisch-freisinnige und philosophisch-gebildete Juden zum Kampfe gegen jenes kritische Negationsprincip geeignet zu sein scheinen. Wir wollen• damit, jüd. Theologen das Recht und die Fähigkeiten nicht abspcechen, gegen Bauer in die Schranken zu treten; aber sie müssen entweder den remtheologischen Standpunkt oder aber die Hoffnung jenes Erfolges aufgeben. — Bauer hat übrigens durch seine Broschüre evident bewiesen , wie winzig der dem Juden imputirte ätzende Verstand sich