Der Orient
- Journal
- Der Orient
- Volume
- 4 (1843)
- Issue
- Heft 13 (28.3.1843)
- Article
- Hamburg: Obervorsteher Hellwitz zu Soest und die jüd. Zeitschriften
- Date
- 1843-03-28
- Page
- Seite 99 (sequence 2)
- Language
- German
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99 Witz zu Soest hat an die seinem Verwaltungsbezirke ungehörigen 60 Synagogen ein Cirkular erlassen, in welchem er den Mitgliedern der ihm anvertrauten Gemeinden erklärt, wie durch mehre Organe des Judenthums für.die Bekenner desselben großer Nachtheil entstehe. Nachdem er so alle (zwar nicht namhaft, aber doch kenntlich gemachten) jüdischen Zeitschriften (wie den „Orient", die ,,Allg. »Zeit, des Judenthums" rc.) mit einer Art von Exkorymunikation belegt, macht er blos mit.dem „Israeliten des neunzehnten Jahrhunderts" eine Ausnahme. Diesen, der in Hersfeld bei Schuster erscheine und nur lf Thlr. jährlich koste, empfiehlt er aufs Angelegentlichste *). Wir glauben gegen das usurpirte Recht eines solchen von Seiten eines nicht einmal geistlichen Beamten gegen die Presse, wenn auch nur unmittelbar geübten Einschreitens, alles Ernstes prorestiren zu müssen. Denn abgesehen davon, daß das empfohlene Blatt dem Gelehrten ein sehr geringes Material bietet, und (so weit wir es zu kennen Gelegenheit hatten) bisher überhaupt noch kein Gesammtbild des jüdischen Lebensauscher Gegenwart und der Vergangenheit lieferte, also höchstens die größere undunbemittelte Masse, für welche die Wohlfeilheit den Ausschlag geben mag, befriedigen dürfte, ist auch durch die, in demselben von dem Red., Herrn Or. Heß in Stadt- Lengsfeld, vertretene Richtung weder die Ansicht vom Judenthum, zu welcher sich die Majorität noch immer bekennt,^ noch auch die wahrhaft wissenschaftliche, sei es *) Der Mann hatte schon seit vielen Jahren, noch lange bevor es jüdische Zeitungen gab, verdrehte Ideen über Juden und Judenthum, und der Korrespondent thut ihm zu viel Ehre an, wenn er von diesem närrischen Kauz Notiz nimmt. Wir Juden haben ein eigenes Schicksal, daß solche Menschen sich uns zu Gesetzgebern aufwerfen, und wenn Hr. Hellwitz in der Kehila Kedoscha Soest auf dem Gebiete einer andern Religion solche gewaltige Verkehrtheiten gemacht hätte wie im Judenthum, so würde er langst beseitigt worden sein. Aber indem ich diesen etwas michelhaften Don Quichote erwähne, halte Ich es für eine Pietät, seines Schildknappen Sancho Pansa zu gedenken, der wie ein abgerr'chteter Pudel aufs Kommandowort des Erznarren rapportirt, ich meine den wahrhaften .Rabbiner Fried Länder in Brilon. Hr. Friedländer mußte einmal auf Befehl des Narren Hellwitz an w. atü cn zu den Schaffen seiner Heerde herumsahren, um ihnen zu beweisen, daß man den «w yu UV nicht zu halten brauche und man an jedem Lage Gras fressen kann. Daß Hr Hellwitz mich in . Gemeinschaft mit Hrn. Philippson, Jost und andern Redaktoren verdammt, ist ein schönes Zeugniß für die Universalität feines Paroxismus, und die sämmtlichen angegriffenen Redaktionen mögen sich bei mir bedanken, daß ich ihn so universell zurückweise. Ich glaube aber mit Bestimmtheit aussprechen zu können, daß mein Freund, Hr. Dr.Heß, so viel ich ahn persönlich kenne, und den ich auch persönlich hochschätze, .diesem Menschen für seine Empfehlung nicht einmal Dank wissen wird. Red. philosophische, sei es philologisch -antiquarische Erkenntniß der Juden reprasentirt oder auch nur gewahrt. Die ganze bisherige Amtsführung des Herrn Dr. Heß zeugt von einer durchaus oberflächlich-rationalistischen Auffassung des jüdischen Glaubens, was auch zu der Zeit, als sich jener Prediger um die von Herrn Dr. Kley niedergelegte Stelle bei dem Hamb. Tempelverein bewarb, von allen Parteien erkannt und öffentlich nachgewiesen wurde. Auch seiner Regierung gegenüber scheint uns derselbe die Interessen seiner Gemeinde eben so wenig, ja noch weniger wahrgenommen zu haben, als jetzt Herr Hoffmann im Meining'schen der semigen gegenüber. Schon damals waren wir der Meinung, Herr Dr. Heß hatte ehrenhafter gehandelt, wenn er sein Amt niedergelegt hatte, als daß ec — wie es leider geschah — die gewaltsamen Maaßregeln der Landesbehöcde gegen die . überwiegende gläubige Mehrzahl seiner Gemeindeangehörigen odopticte, wir wollen nicht sagen provocirte. Wenn also selbst die Schädlichkeit aller übrigen jüd. Blatter evident wäre, so würde Herr Hellwitz noch immer der Taktlosigkeit zu zeihen sein, daß er eine Zeitschrift zu empfehlen wagte, deren Ruf unter der bisherigen Redaktion nun- und nimmermehr gedeihen kann. E. C. Altona, 10. Marz. Eine der ersten Märznummern des Kieler Correspondenzblattes enthält u. A. Folgendes: „Der König hat unterm 17. Februar resolvirt, daß dem Lic. mecl. Hannover, sein mosaisches Glaubensbekenntniß nicht im Wege stehen solle, sich um das vakante Lektorat in der medic. Fakultät der Kopenhagener Universität zu bewerben, daß er nur, falls er für den tüchtigsten unter den Konkurrenten erkannt würde, das Recht nicht haben solle, eyenlualiier in das Konsistorium einzutreten". Diese Resolution, fährt der Berichterstatter fort, finde bei allen Parteien vollkommene Billigung, wie .sie dieselbe auch als eine humane und tolerante verdiene. Der Mitbewerber des H. Hannover ist Dr. Fenger, ein Protestant. Berlin, 12. März. Der Orient hat seit Kurzem mehre interessante Berichte über das Gedeihen jüdischer Handwerksvereine in Kopenhagen, Münster, Frankfurt a. M. rc. mitgetheilt. Ich füge diesmal den oben angeführten noch einen von hier datirten und in der Pceuß. Staatsz. vom 24. Febr. enthaltenen hinzu. Aus demselben geht hervor, daß der Berliner Handwerksverein seit 1813 besteht und am Ende des Jahres 1842 ein Vermögen von 16,175 Thlr. besaß. Die Ausgaben in den Jahren 1841 und 42 betrugen zusammen 274'S Thlr. 22 Sgr. Im Anfänge des Jahres 1841 hatte der Verein für 25 Lehrlinge zu sorgen; davon wurden im Laufe der beiden letzten Jahre 12 zu Gesellen; es blieben also noch 13 Lehrbursche aus früherer Zeit, einer starb und 28 kamen neu hinzu, 13 *